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Der Medikamententester

Nebenjob: Proband für die Pharmaindustrie

  • SendeterminDienstag, 29. Januar 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 02. Februar 2008, 08.40 - 09.25 Uhr (Wdh.).
Proband testet ein Mundspray
Der Körper als Kapital: Proband bei der Verabreichung eines neuentwickelten Medikaments

Dirk Gödrich ist im Hauptberuf Servicetechniker. Heute hat er einen Termin bei einer Pharmafirma in Neu-Ulm. Er nimmt an einer Medikamentenstudie teil, die das Unternehmen im Auftrag der Arzneimittelindustrie durchführt.

Bei jedem neuen Medikament, aber auch bei Weiterentwicklungen bekannter Arzneimittel, sind Medikamententests Pflicht. Für sie gelten strenge Auflagen. Bis ein neuer Wirkstoff auf dem Markt ist, vergehen im Schnitt zehn Jahre.

Bereits am Abend vor dem Test müssen die Teilnehmer der Studie im Institut erscheinen. Ein Alkohol- und Drogentest zeigt, ob die Probanden nüchtern sind, damit der zu testende Wirkstoff sich nicht mit anderen Substanzen verbinden kann. Bei Frauen wird getestet, ob sie schwanger sind, denn dann dürfen sie nicht an solchen Studien teilnehmen. Das neue Medikament wurde bisher nur im Labor und in Tierversuchen untersucht. Dirk Gödrich ist der erste Mensch, bei dem die Arznei getestet wird. Dafür stellt er seinen gesunden Körper zur Verfügung. Schon seit zehn Jahren nimmt der fest angestellte Servicetechniker an Medikamententests teil, "immer, wenn's zeitlich passt. Gesundheitliche Probleme oder Folgeerscheinungen hatte ich noch nie", sagt er.

"Ein gewisses Risiko ist dabei"

Pipette mit Blutplasma
Am Blutplasma lässt sich feststellen, wie der Proband den neu entwickelten Wirkstoff aufgenommen hat

Das Medikament, das Dirk Gödrich testen wird, ist ein Mundspray, das bei Herzkrankheiten helfen soll. Der Wirkstoff erweitert die Gefäße und senkt den Blutdruck; auch bei einem gesunden Menschen wie ihm. Und das kann zu Komplikationen führen. "Klar ist ein gewisses Risiko dabei" bestätigt Dirk Gödrich. "So ein bisschen Bauchkribbeln hat man schon."

Am Morgen bekommt Dirk Gödrich ein fettreiches amerikanisches Frühstück. So wollen die Ärzte feststellen, ob sein Magen später das Medikament auch unter erschwerten Bedingungen gut aufnehmen kann. Auf die Minute genau muss er mit dem Essen beginnen.

Zur Sicherheit beträgt die Dosis des Wirkstoffs bei den ersten Tests nur ein Hundertstel der Dosis im späteren Medikament. Die Probanden stehen unter ständiger Beobachtung. Bei Erstanwendungen ist immer ein Anästhesist anwesend, der bei einem Zwischenfall umgehend lebensrettende Maßnahmen einleiten kann. Punkt 10.00 Uhr erhält Dirk Gödrich seine Dosis. Da die Wirkung bei diesem Medikament rasch einsetzt, soll bereits eine Minute nach der Einnahme eine erste Blutabnahme erfolgen, dann jede weitere Minute. Nun wird sich zeigen, ob Dirk Gödrich den Wirkstoff gut verträgt. Anhand des Blutplasmas lässt sich analysieren, wie schnell der Körper den Wirkstoff des Sprays aufgenommen hat und wie schnell er ihn wieder abbaut. Bei diesem Test kann es zu Schwindel oder Kopfweh kommen.

Geld ist Hauptmotiv

Blutentnahme
Berufsprobanden bringen sich in Lebensgefahr, wenn sie an mehreren Studien gleichzeitig teilnehmen und sich die Wirkstoffe nicht vertragen

Dirk Gödrich spürt heute keine unangenehmen Wirkungen. Sein Blutdruck ist nach kurzer Zeit wieder normal. Bis zur Entlassung am nächsten Morgen vertreiben die Probanden sich die Zeit mit Lesen und Fernsehschauen. Das Honorar für die Teilnahme an derartigen Tests reicht von etwa 400 Euro bei kurzer Studiendauer bis zu 3.000 Euro bei mehrtägigen stationären Aufenthalten. Das Geld ist das Hauptmotiv für die meisten Probanden. "Jeder, der hierher kommt, nimmt diese Aufwandsentschädigung mit. Wenn jemand sagt, er mache es aus anderen Gründen, glaube ich das nicht, sonst wäre er nicht hier," sagt Gödrich im Interview.

Unfälle bei Medikamentenstudien, wie 2006 in England, sind sehr selten. Eine große Gefahr besteht aber, wenn Probanden die Tests zur Haupterwerbsquelle machen. So ein Fall endete – ebenfalls in England – tödlich. Ein Proband hatte gleichzeitig bei mehreren Studien teilgenommen und die dabei verabreichten Medikamente vertrugen sich nicht. Um solche Fälle zu verhindern, haben die Testinstitute eine zentrale Datenbank namens "VIP-Check" eingerichtet, in der detailliert vermerkt wird, an welchen Studien ein Proband teilgenommen hat, und welche Wirkstoffe ihm dabei verabreicht wurden. Dirk Gödrich verdient ein bis zweimal pro Jahr mit seinem gesunden Körper Geld. Und hilft damit Kranken, die auf neue Medikamente angewiesen sind.

Autor:

Christian Stiefenhofer

Stand: 22.01.2008


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