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Wenn der Staat Ängste schürt und die Medien mitmachen

Vier Fall-Beispiele

  • SendeterminDienstag, 12. Februar 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 16. Februar 2008, 10.25 - 11.10 Uhr (Wdh.).

Im "Kampf gegen den Terror" gibt es viele Ungereimtheiten. Wie viel Wahrheit ist im Spiel, wie viel Manipulatives? Was dient möglicherweise nur dazu, die Menschen so zu verunsichern, dass sie alle anstehenden Maßnahmen gutheißen? Ist der Kampf gegen den Terror am Ende nur ein Kampf gegen die Freiheit?

Passagiere während eines Fluges
Flugzeuge gehören angeblich zu den bevorzugten Zielen der Terroristen

Bei allen Informationen über Terror, terroristische Anschläge, potenzielle Täter und Vorgehensweisen sind die Medien auf die Angaben von staatlichen Stellen angewiesen; unabhängige Quellen sind meist Fehlanzeige. Dabei wären solche unabhängigen Quellen durchaus wünschenswert, denn nicht alle Bürger wollen unbesehen glauben, was ihnen etwa die Bundesgeneralanwältin so alles erzählt. Vier Beispiele, wie der Staat – absichtlich oder aus Versehen - Ängste schürt.

Sprengstoff-Laster auf dem Weg nach Deutschland!

LKWs auf der Autobahn
Angeblicher Anschlagsplan - ein LKW voller Sprengstoff

Das Jahr 2008 begann mit einem Schock: Verschiedene Medien meldeten: Al-Qaida-Terroristen planen Anschläge in Deutschland. Die Vorbereitungen seien schon im vollen Gange. Ein LKW, bis zum Rand mit Sprengstoff beladen, sei von Finnland aus über Russland auf dem Weg nach Deutschland. Ziel der Anschläge: deutsche Militär- und Sicherheitsbehörden. Die Attacken seien ein Vergeltungsschlag wegen der Fahndungserfolge im Kampf gegen den Terrorismus.

Alle diese Details stammten, so hieß es, von einem libanesischen Informanten. Vielen Menschen, die all dies im Radio hörten, kam die Story wie eine Räuberpistole vor. Und das war sie auch: Plötzlich sprechen die Behörden von einer "geringen Ernsthaftigkeit der Warnung". Übersetzt heißt das: "Alles Lüge!"

Ähnliches war 2006 passiert, als sechs Araber angeblich Sprengstoff in eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al schmuggeln wollten. Der Plan sei nicht ausgeführt worden, weil man sich mit einem Beschäftigten des Flughafens nicht über das Bestechungsgeld hätte einigen können, hieß es in den Medien. Südwestrundfunk und Hessischer Rundfunk jedoch entlarvten diesen vorgeblichen Terror-Komplott schnell als "dummen Scherz" der Verdächtigen. Doch die Bundesanwaltschaft beharrte noch immer: "Es gibt einen Anfangsverdacht!"

Islamisten im Sauerland

Terrorverdächtiger wird von maskierten Polizisten
abgeführt
Fritz Gelowicz - einer der drei Verhafteten jungen Männer

Im September 2007 werden im Sauerland in einer spektakulären Aktion drei Terrorverdächtige festgenommen. Die Männer hatten große Mengen Wasserstoffperoxid besorgt, sowie militärische Zünder, die wohl in einem Schuhabsatz ins Land geschmuggelt worden waren. Mit dem Wasserstoffperoxid und einigen haushaltsüblichen Chemikalien und Gegenständen könnte man, so die Bundesanwaltschaft, ganz einfach tödliche Bomben bauen – die Anleitungen dafür finde man im Internet.

Es klang so, als könne jeder, der als Kind mal einen Chemiebaukasten besessen habe, in ein paar Minuten zu einem gefährlichen Terroristen werden. Der Chemiker und Autor Karl Weiss glaubt diese Informationen nicht. Er ist davon überzeugt, dass der Sprengstoff, den die Verdächtigen herstellen wollten, so brandgefährlich ist, dass er den Möchtegern-Terroristen schon beim Zusammenmischen selbst um die Ohren geflogen wäre. Solche Fehlinformationen von staatlichen Stellen über Pläne, Absichten und Möglichkeiten von Terroristen sind kein Einzelfall.

Der Terrorplan von Heathrow: 20 Flugzeuge sollten explodieren

Einen Terrorplan monströsen Ausmaßes deckte Scotland Yard im September 2006 auf. Terroristen wollten nicht weniger als 20 Flugzeuge in die Luft sprengen. Zahl der möglichen Opfer: rund 2.000. Es wäre der furchtbarste Terroranschlag aller Zeiten gewesen.

Die Verdächtigen hatten versucht, die Ingredienzien für ihren Sprengstoff in Getränkeflaschen mit an Bord zu schmuggeln. Den wollten sie, so Scotland Yard, in den Flugzeugen zusammenbrauen.

Weltweit handelten die Sicherheitsbehörden und verabschiedeten in seltener Einhelligkeit schnell verschiedene Maßnahmen. Zuerst wurde Handgepäck ganz verboten. Heute kann man Handgepäck wieder mit an Bord nehmen, aber Flüssigkeiten nur in Mengen bis 100 Millilitern. Ganz abgesehen davon, dass Quarks & Co die Sinnlosigkeit dieser Vorschriften in einem Experiment demonstriert hat, sind Sprengstoffexperten überdies der Meinung, dass der Stoff, den die Terroristen herstellen wollten, dermaßen leicht explodiert, dass sie dies an Bord eines Flugzeuges niemals geschafft hätten – und schon gar nicht ohne aufzufallen.

Ist der Kampf gegen den Terror ein Kampf gegen die Freiheit?

Es gibt also im Kampf gegen den Terror so viele Ungereimtheiten und unbeantwortete Fragen, dass die Frage berechtigt ist: Wie viel von dem, was wir im Rahmen des Kampfes gegen den Terror erfahren, ist eigentlich wahr? Und was dient womöglich nur dazu, die Menschen so zu verunsichern, dass sie alle Maßnahmen im Kampf gegen den Terror gutheißen? Ist der Kampf gegen den Terror am Ende nur ein Kampf gegen die Freiheit?

Autor:

Ulf Marquardt

Stand: 29.01.2008


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