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Quarks & Co
Sendung vom 12. Februar 2008
Vorratsdatenspeicherung
Die Vorratsdatenspeicherung dient der Terror- und Verbrechensbekämpfung, sagen die einen. Dass das Gesetz der Einstieg in eine noch weiterreichende Verwendung der Daten ist, sagen die anderen. Ihre Befürchtung: Deutschland wird zum Überwachungsstaat. Doch der Bürger kann sich schützen: Es gibt Software, die die Spuren im Internet verwischt.
Nach dem neuen Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung werden seit
Januar 2008 alle Kommunikationsdaten von Festnetzanschlüssen
und Handys für sechs Monate gespeichert. Erfasst werden
Gesprächszeitpunkt, Dauer des Telefonats und die Daten des
Angerufenen – bei Anrufen vom Mobiltelefon auch der Standort
des Anrufers. Ab 2009 werden auch alle Online-Zugriffe vom Computer
gespeichert. Bei den E-Mails wird der so genannte
Header erfasst. Zentraler Punkt jedoch ist
die Erfassung der
IP-Nummern. Daran lässt sich jeder
Zugriff auf eine Internetseite genau nachzeichnen. Ein Jahr wird
die Industrie brauchen, um sich technisch auf die Erfassung der
ungeheuren Datenmengen einzurichten. Die damit verbundenen Kosten
wird der Bürger über die Telefonkosten selbst bezahlen
müssen. Doch dies ist nur ein zweitrangiger Kritikpunkt von
Datenschützern und Bürgerinitiativen. Sie bemängeln
vor allem, dass nun alle Bürger unter Generalverdacht stehen.
Denn Überwachungsmaßnahmen waren schon in der
Vergangenheit möglich, allerdings bedurfte es dabei des
konkreten Verdachts einer Straftat.
Mit der Novelle des BKA-Gesetzes sollen künftig auch Abgeordnete, Geistliche und Rechtsanwälte überwacht und abgehört werden können. Damit sehen sich die Kritiker bestätigt, die weitere Überwachungsmaßnahmen befürchten und damit letztlich den Eintritt der Vision vom gläsernen Menschen. Zu den jetzt erfassten Daten, so ihre Argumentation, kämen schließlich die bereits vor dem neuen Gesetz ganz legal erfassten Daten von Chipkarten, Überwachungskameras und Mautbrücken auf den Autobahnen hinzu.
Zumindest beim Surfen im Internet kann man der Sammelwut des Staates entgehen: Mit einer simplen Software, der so genannten TOR-Software (vgl. Linkliste), lassen sich digitale Spuren im Internet leicht verwischen. Statt direkt auf eine Internetseite zuzugreifen, leitet die Software die Daten über fremde Server um. Die ursprüngliche IP-Nummer bleibt anonym. Kritiker bestätigt dies in ihrer Skepsis, das neue Gesetz sei nicht nur unverhältnismäßig, sondern auch ineffektiv. Ein riesiger Aufwand mit nur eingeschränktem Nutzen für die Terror- und Verbrechensbekämpfung, dafür aber mit unabsehbaren Folgen für die Freiheitsrechte des Einzelnen.
Ingolf Gritschneder
Stand: 29.01.2008
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