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Tatort Flughafen

Wie sinnvoll sind die neuen Handgepäckbestimmungen?

  • SendeterminDienstag, 12. Februar 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 16. Februar 2008, 10.25 - 11.10 Uhr (Wdh.).

Früher war das Einchecken in ein Flugzeug beinahe so unkompliziert wie in einen Bus einzusteigen. Mittlerweile werden im Dienste der Sicherheit Millionen Flugzeugpassagiere aufwendig kontrolliert. Doch wie sicher sind diese Maßnahmen tatsächlich? Quarks & Co hat einen Sprengsatz gebaut, den man durch die Sicherheitskontrollen am Flughafen ohne weiteres hindurchschmuggeln könnte.

Eine Zöllnerin sortiert Fläschchen aus dem
Handgepäck eines Passagiers
Nur Fläschchen mit maximal 100 Milliliter Inhalt dürfen ins Handgepäck. Denn 100 Milliliter gelten als harmlos

Im September 2006 gelang Scotland Yard ein aufsehenerregender, folgenreicher Coup: Die Ermittler verhinderten offenbar einen monströsen Terroranschlag. Eine Gruppe Terroristen hatte versucht, Sprengstoffe in Getränkeflaschen in die Flugzeuge zu schmuggeln. Bis zu 20 Flugzeuge sollten nach dem Start in die Luft gesprengt werden. Etwa 2000 Menschen, so hieß es, wären diesen Anschlägen zum Opfer gefallen.

Die Politik reagierte schnell. Nur kurze Zeit später traten neue Handgepäckbestimmungen in Kraft: Ab jetzt war das Mitbringen von Flüssigkeiten nur noch begrenzt erlaubt. Verboten ist in Flugzeugkabinen seitdem jede Flasche, in die mehr als 100 Milliliter Inhalt passt, unabhängig davon, wie viel wirklich drin ist. Seitdem wird Passagieren jede Mineralwasserflasche abgenommen, Haarshampoo, Haargel und vieles mehr. Erlaubt sind dagegen Kontaktlinsenflüssigkeit und rezeptfreie Medikamente wie Hustensaft. Die dürfen sogar in Halbliter-Kanistern mitgebracht werden.

Alle konfiszierten Flaschen landen im Müll. So kommen im Flughafen Frankfurt wöchentlich bis zu 21 Tonnen zusammen, am Flughafen Düsseldorf acht. Die Flughäfen müssen selbst für das Entsorgen aufkommen. Wobei es in Düsseldorf eine pikante Lösung gibt: Originalverpackte Ware wird wohltätigen Zwecken gespendet – dabei waren genau diese nun gespendeten Parfümflakons und Haarshampooflaschen zuvor immerhin so verdächtig, dass die Sicherheitsbeamten befürchteten, damit könne man ein Flugzeug in die Luft sprengen. Offensichtlich verlieren die beschlagnahmten Fläschchen irgendwo zwischen Sicherheitscheck und Spendenaktion ihre Brisanz.

Sicherheits-Minus durch Generalverdacht

Der Sicherheitsexperte Rafi Ron in seinem Büro
Der israelische Sicherheitsexperte Rafi Ron hält Flughäfen wegen falscher Konzepte für unsicher

"Alle Passagiere, vom Baby bis zur Oma, gleich zu verdächtigen, sorgt nicht für mehr, sondern für weniger Sicherheit", sagt Rafi Ron. Er muss es wissen, denn er war früher sowohl bei der israelischen Luftlinie El Al, der sichersten Fluglinie der Welt, als auch am Ben-Gurion-Flughafen für die Sicherheit zuständig. Heute berät er viele amerikanische Flughäfen, erarbeitet Sicherheitskonzepte und schult das Sicherheitspersonal.

"Es geht nicht nur darum, verdächtige Gegenstände zu finden", sagt er. "Es geht darum, den Menschen zu finden, der einen gefährlichen Gegenstand mit ins Flugzeug nehmen will. Das Flughafenpersonal muss sich daher mehr auf die Menschen statt auf die Gegenstände konzentrieren. Das versuche ich, ihnen in meinen Seminaren beizubringen."

Ron hat ein Konzept namens "Behaviour Pattern Recognition" entwickelt, also das Erkennen von Verhaltensmustern. Wenn jemand eine Bombe am Körper trägt, dann hat das Einfluss auf seine Kleidung, auf seine Bewegungen, auf sein Verhalten, auf die Art, wie er geht. Kein noch so guter Schauspieler könne sich völlig unbekümmert verhalten, wenn er im Begriff sei, eine Bombe zu zünden. Wenn das Sicherheitspersonal solche unbewussten Verhaltensweisen erkenne und zusätzlich neuartige Sprengstoffscanner eingesetzt würden, dann wäre wirklich für Sicherheit gesorgt, ist sich Rafi Ron sicher.

Kleine Flasche, großer Knall

Das Sprengstoff-Experiment
Explosion
  • FLASH-Video
    Kann man mit einem Fläschchen Nagellackentferner und freiverkäuflichen Hilfsmittel eine Bombe bauen?

Aber ist das Fliegen durch die neuen Handgepäckbestimmungen sicherer geworden? Wir fragen einen Sprengstoffexperten, den Pyrotechniker Wolf Schiebel. Stimmt es, dass Flaschen mit 100 Milliliter Inhalt harmlos sind, wie das Bundesinnenministerium sagt? "Nein", antwortet Schiebel, "das sehe ich ganz anders." Für Quarks & Co macht er die Probe aufs Exempel: Kann man mit einem Fläschchen Nagellackentferner und einigen freiverkäuflichen Hilfsmitteln eine Bombe bauen?

Für den Test verabreden wir uns auf einer großen Wiese auf dem WDR-Studiogelände in Köln-Bocklemünd. Dort entleert er das Fläschchen mit Nagellackentferner, das bei einem Sicherheitscheck am Flughafen nicht beanstandet wurde. Den Nagellackentferner ersetzt er durch eine andere Flüssigkeit. Welche das ist, verrät er nicht. Nur so viel: Die Flüssigkeit sei frei verkäuflich. Noch ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe, und Schiebels Ersatzflüssigkeit schillert in demselben dezenten Grün wie der Nagellackentferner. Schiebel verstaut das Fläschchen in einem Rucksack, den er auf einem Flugzeugsitz deponiert, den wir für unser Experiment mitten auf der Wiese abgestellt haben.

Auch die Funktionsweise des Zünders hält Schiebel geheim. Dass dieser Zünder bei der Kontrolle entdeckt worden wäre, ist unwahrscheinlich. Er besteht im Wesentlichen aus harmlosen Gegenständen, die an Bord von Flugzeugen nicht verboten sind. Studien in den USA haben überdies ergeben: Bis zu 75 Prozent aller Bombenteile werden vom Sicherheitspersonal nicht entdeckt.

Jetzt ist Wolf Schiebel mit seinen Vorbereitungen fertig. Das Quarks & Co-Team geht in Deckung: 70 Meter Sicherheitsabstand müssen sein. Wolf Schiebel zählt einen Countdown. Bei "Null!" zündet er die kleine Flaschenbombe per Fernsteuerung. Ein heftiger Knall zerreißt die Stille. Tausende Fetzen fliegen umher, ein beeindruckender Feuerball steigt aus dem zerfetzten Rucksack empor. Die Wucht der Explosion wirft den Flugzeugsitz um, Qualm steigt auf und Flammen lodern aus den Trümmern des Sitzes. Wolf Schiebel traut seinen Augen nicht: Er ist von der Wirkung seiner Rucksackbombe mehr als überrascht. "Also, da hätte ich nicht im Flugzeug sitzen wollen, das war schon heftig!" Die spektakuläre Explosion beweist: Die neuen Handgepäckbestimmungen sind nicht nur lästig; sie tragen noch nicht einmal zur Sicherheit bei. Wer es darauf anlegt, kann auch mit 100 Millilitern großen Schaden anrichten; mit einer 200-Milliliter-Flasche "Hustensaft" noch viel mehr.

Autor:

Ulf Marquardt

Stand: 29.01.2008


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Sie arbeiten am Flughafen, im Sicherheitsbereich. Ihre Aufgabe: das Gepäck der Passagiere auf Waffen untersuchen


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