Hauptnavigation

Freitag, 10.02.2012

Suche im Redaktionsangebot von Quarks & Co
  • Tipps zur vergrößerten Ansicht.
  • Kontakt zur Redaktion.
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z.
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de.
  • Hilfe.
  • Multimedia.

Navigation


Zurück: Januar 2012 Sendeplan für Februar 2012 Weiter: März 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05
06 07 08 09 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29

Sie befinden sich hier: > WDR.de > WDR Fernsehen > Wissen > Quarks & Co > Sendung vom 19. Februar 2008 > Hat mein Kind AD(H)S? Was tun?


Hat mein Kind AD(H)S? Was tun?

Fakten und Tipps

  • SendeterminDienstag, 19. Februar 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 23. Februar 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Struwwelpeters: Zappelphilipp
Der "Zappelphilipp" aus dem Jahr 1844, gezeichnet vom Arzt Heinrich Hoffmann

In Deutschland leben über eine halbe Million Kinder mit der Diagnose ADHS. Das enspricht fast fünf Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren. ADHS ist damit heute die häufigste psychiatrische Diagnose bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig nimmt die Verschreibung von Medikamenten gegen ADHS Jahr um Jahr zu. Das war eine Generation vorher noch ganz anders – damals war die Diagnose in der Bevölkerung noch weitgehend unbekannt. Ob die Kinder von heute tatsächlich unruhiger sind als die Kinder von früher oder ob man die Symptome heute einfach nur stärker beachtet, kann jedoch niemand sagen. Aber schon 1844, als der Arzt Heinrich Hoffmann seinen legendären "Zappelphilipp" zeichnete, gab es Wissenschaftler, die bei unruhigen Kindern eine Krankheit vermuteten. Heute wird das Thema kontrovers diskutiert: Welchen Anteil haben biologische Ursachen bei der Entstehung der Symptome, und welchen hat die Umgebung des Kindes? Macht es Sinn, die Summe dieser Symptome zu einer psychiatrischen Störung zu erklären? Die psychiatrischen Fachgesellschaften halten die wissenschaftlichen Beweise für ausreichend. Zweifel äußern jedoch besonders Psychoanalytiker und Tiefenpsychologen.

Mit meinem Kind stimmt was nicht, was tun?

Struwwelpeters Hans-Guck-In-Die-Luft
"Hans guck in die Luft" litt wohl unter ADS

Heute unterscheidet die Psychiatrie zwei Arten von Störungen: Kinder, die nur unaufmerksam sind ("StichwortADS"), und Kinder, die zusätzlich eine Überaktivität und gesteigerte Impulsivität zeigen ("StichwortADHS"). Längst nicht jedes unruhige, unaufmerksame Kind wird vom Fachmann die Diagnose "AD(H)S" bekommen. Hinter den Symptomen kann eine simple körperliche Erkrankung stecken; auch familiäre Probleme oder psychische Krankheiten können zu Zappeligkeit und Unaufmerksamkeit führen. Wenn Sie sich fragen, ob Ihr Kind ADHS oder ADS hat, sollten Sie zum Facharzt gehen, das heißt zu einem entsprechend geschulten Kinderarzt oder zu einem Kinder- und Jugendpsychiater. Ein seriöser Arzt nimmt sich für die Diagnose mehrere Stunden Zeit und braucht zwei Sitzungen, bis seine Diagnose steht. Es ist unseriös, ADHS innerhalb von einer halben Stunde zu diagnostizieren.

Diagnose ADHS – was tun?

In den Fachbüchern wird heute zur Behandlung von AD(H)S meistens eine "multimodale Therapie" empfohlen; sie kombiniert Medikamente, Beratung der Eltern und Lehrer sowie psychotherapeutische Maßnahmen. Wichtigstes Merkmal des "multimodalen" Ansatzes ist, dass die Therapie individuell auf das Kind abgestimmt wird. Welche Maßnahme im Vordergrund steht, wird vom Einzelfall abhängig gemacht. Die Leitlinie für Kinderärzte empfiehlt, dass Medikamente erst dann eingesetzt werden sollen, wenn andere Maßnahmen nicht greifen – zum Beispiel Elterntrainings: Diese haben sich als sehr wirkungsvoll erwiesen, denn im Verhältnis von unruhigen Kindern und ihren Eltern läuft oft einiges schief: Oft ist es durch monate- oder jahrelange Reibereien zerrüttet. Dann sehen die Eltern vor lauter Enttäuschung und Überforderung schon gar nicht mehr die Stärken und liebenswerten Seiten ihres Kindes. Das Kind wiederum braucht dringend genau dies – dass die Eltern es schätzen und loben. Um aus dem Teufelskreis aus Fehlverhalten und Tadel herauszukommen, ist es wichtig, dass auch Eltern Hilfe annehmen. Die gibt es auch in Elternkreisen und Selbsthilfegruppen.

Selbsthilfeinitiativen

Erwachsene im Gesprächskreis
Auch Eltern sollten Hilfe annehmen. Z. B. in Selbsthilfeinitiativen

Es gibt zahlreiche ADHS-Selbsthilfeinitiativen in Deutschland, von größeren überregionalen bis zu kleineren lokalen. ADHS-Selbsthilfe-Initiativen wurde in der Vergangenheit in einigen Medienberichten vorgeworfen, zu eng an die Pharmaindustrie angebunden zu sein und vorschnell Medikamente zu empfehlen. Die Initiativen haben solche Vorwürfe zurückgewiesen. Auf ihren Webseiten propagieren sie das allgemein anerkannte multimodale Therapiekonzept. Für die Initiativen spricht, dass Betroffene über sie Zugang zu Kontakten, Erfahrungen und Alltags-Tipps erhalten, die die Hilfe von Ärzten und Therapeuten ergänzen können. Die Adresse der größeren überregionalen Selbsthilfe-Initiativen haben wir in einer Linkliste zusammengestellt.

Wissenswertes zu ADS/ADHS

Nicht nur Kinder sind betroffen
Bei ungefähr einem Drittel der Kinder mit ADHS besteht die volle Symptomatik auch im Erwachsenenalter weiter; bei anderen Patienten scheinen die Symptome nur zum Teil zu verschwinden. Besonders die Aufmerksamkeitsstörung bleibt häufig. Da die Medikamente aber nur für die Behandlung von Minderjährigen zugelassen sind, haben Pharmafirmen jetzt die Zulassung für Erwachsene beantragt. Die Frage einer Verschreibung an Erwachsene ist besonders heikel, weil sie möglicherweise eine lebenslange Einnahme der Psychopharmaka bedeuten kann. Oft kommen Eltern mit Kindern wegen ADHS zum Arzt und es stellt sich heraus, dass Mutter oder Vater in der Jugend ebenfalls ADHS-Symptome gezeigt haben, auch wenn das damals noch nicht so genannt wurde.

Früh Hilfe suchen
Es ist nicht möglich, ADHS schon im Säuglings- oder Kleinkindalter zu diagnostizieren. Babys, die viel schreien, haben die Störung nicht unbedingt häufiger als ruhigere Kinder. Wichtig ist dabei aber: Wenn sich Eltern durch Schreien, Schlaf- oder Essensschwierigkeiten bei ihrem Kleinkind überfordert fühlen, sollten sie nicht zögern, Hilfe zu suchen. Kinderärzte und Schreiambulanzen helfen, Kind und Eltern zu beruhigen. Das kann eine Spirale aus Schwierigkeiten und Überforderung verhindern.

Stichwörter

1 ADHS und ADS
Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung. Diese Störung zeichnet sich aus durch verminderte Aufmerksamkeit, erhöhte Aktivität und/oder erhöhte Impulsivität. Die Abkürzung ADS steht für Aufmerksamkeitsdefizitstörung. ADHS und ADS treten im Kindesalter erstmals auf und betreffen auch Erwachsene. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ursachen für ADHS und ADS sowohl in den Genen als auch in Umwelteinflüssen zu suchen sind. Einige Studien zeigen, dass der Botenstoffwechsel in bestimmten Gehirnregionen bei AD(H)S-Patienten anders ist und die Reifung der Gehirnrinde verzögert ist. Ein eindeutiges biologisches Merkmal zur Diagnose gibt es allerdings bisher nicht; Ärzte diagnostizieren die Störung anhand des Verhaltens des Kindes. Zurück zum Absatz
Autoren:

Anne Preger, Wobbeke Klare, Michael Houben, Jakob Kneser, Mike Schaefer

Links

Stand: 12.02.2008


Alle Beiträge


ADHS-Gästebuch

Grafik: ADHS-Gästebuch

Bewegende Einzelschicksale, persönliche Ratschläge, Lob und Kritik können Sie im Gästebuch nachlesen. [mehr]


Quarks-ADHS-Quiz

Grafik: Quarks-ADHS-Quiz

Testen Sie Ihr Kenntnisse zu Diagnose und Therapie von ADHS. [mehr]


Mehr zum Thema


Verwandte Themen


Die Top10 Videos
im Januar

Schriftzug "Top10" vor blauem Hintergrund

Schauen Sie sich hier die beliebtesten Quarks & Co-Videos aus dem Januar an. [mehr]


Die Quarks-Symphonie


Die Top10 Videos der Zuschauerfragen

Schriftzug "Zuschauerfragen" vor blauem Hintergrund

Hier sehen Sie die beliebtesten Zuschauerfragen und ihre Auflösungen. [mehr]


Unsere Fan-Seite


Wissen macht Spaß


Service

Skript, Newsletter, Mitschnitt & Co. [mehr]


Sendetermine


  • Seite empfehlen.

Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.