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Sendung vom 11. März 2008
Die Grenzen des Erdöls
Der Ölpreis steigt und steigt. Seit einiger Zeit eilt er
von einem Rekordhoch zum nächsten. Im Jahre 2005 zum Beispiel
mussten die Händler für ein
Barrel Öl plötzlich 50 US-Dollar
zahlen. Sechs Jahre zuvor hatte ein Barrel noch weniger als 20
US-Dollar gekostet. Deshalb herrschte 2005 große Aufregung,
worüber heute alle Beteiligten schmunzeln. Denn der Preis ist
weiter fleißig geklettert. Inzwischen kostet Öl mehr als
das Doppelte im Vergleich zu 2005. Und ein Ende der Entwicklung ist
nur schwer absehbar. Irgendwann werden alle
Erdöl-Lagerstätten so weit ausgebeutet sein, dass sich
eine weitere Förderung nicht mehr lohnt. Ab diesem Zeitpunkt
müssen wir dann auf den im Moment wichtigsten Rohstoff
verzichten. Doch wann wird es soweit sein? Über die Antwort
auf diese Frage ist unter den Experten ein heftiger Streit
entbrannt.
Da sind auf der einen Seite die Optimisten. Sie blicken ganz ruhig in die Zukunft und sind der Überzeugung, Öl stünde uns auch noch in vierzig oder fünfzig Jahren zur Verfügung. Ihrer Meinung nach bleibt noch genug Zeit, um Alternativen für den fossilen Rohstoff zu entwickeln und andere Energiequellen anzuzapfen. Ihnen gegenüber stehen die Pessimisten. Sie warnen, dass in 20 Jahren das Öl verbraucht sei und wir bald vor einem mächtigen Problem stünden.
Beide Fronten streiten in mehreren Punkten miteinander, auch über die maximale Fördermenge. Im Moment werden über 80 Millionen Barrel Erdöl gefördert – jeden Tag. Etwa die gleiche Menge des Rohstoffes wird täglich verbraucht. Mit deutlich steigender Tendenz. Die Optimisten vertrauen darauf, dass sich die tägliche Fördermenge noch steigern ließe. 100 Millionen Barrel pro Tag seien durchaus möglich. Diese Erwartungen sind in den Augen der Pessimisten völlig überzogen. Sie argumentieren, dass selbst kräftige Investitionen in den Abbau keine nennenswerte Steigerung bringen werden. Ihrer Meinung nach geht die Fördermenge seit 2005 sogar leicht zurück.
Das Lager der Zuversichtlichen vertraut darauf, dass in naher
Zukunft noch viele bisher unbekannte Ölfelder entdeckt und
angezapft werden. Für sie ist eindeutig: In der Vergangenheit
hat man die
Reichweite des Öls immer
unterschätzt. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg erwarteten die
Experten, dass das schwarze Gold noch für neun Jahre reichen
würde. Aber es kam anders: Intensive Suche, bessere Techniken
zum Aufspüren der Lagerstätten und immer ausgefeiltere
Abbaumethoden haben dem Menschen Zugang zu immer mehr Erdöl
verschafft. Und so bliebe es auch in Zukunft, beschwichtigen die
Optimisten. Die Pessimisten präsentieren Statistiken, die
andere Fakten offen legen: Seit Mitte der 60er Jahre gibt es immer
weniger neue Funde von Lagerstätten. Seit Beginn der 80er
Jahre verbrauchen die Menschen sogar mehr Erdöl, als
gleichzeitig entdeckt wird. Die Pessimisten sind sicher, dass sich
dieser Trend nicht umkehren wird. Die Optimisten haben auch darauf
eine Antwort - sie setzen noch auf einen anderen Effekt. Die
steigenden Ölpreise sorgten dafür, dass bisher
uninteressante Lagerstätten lukrativ würden. Dabei denken
sie vor allem an die
Ölsande in Kanada, an
Erdöl-Vorkommen in Tiefsee-Gebieten oder an Regionen mit
Dauerfrostboden. Die Pessimisten dagegen sind der Meinung, dass
diese neuartigen Lagerstätten völlig
überschätzt werden. Ihre Erschließung sei zwar
realistisch, insgesamt wären die Vorkommen aber so klein, dass
sie die Verfügbarkeit von Öl nicht spürbar
verlängern würden.
Eines ist sowohl für Optimisten als auch für Pessimisten unbestritten: Die Nachfrage nach dem Rohstoff Erdöl wird in den nächsten Jahren enorm steigen. Bis zum Jahr 2030 wird der weltweite Energieverbrauch um weitere 50 Prozent gestiegen sein. Für einen Großteil werden China und Indien verantwortlich sein. Die Wirtschaft beider Länder wächst mit enormer Geschwindigkeit, und so werden sie in Zukunft einen großen Teil des weltweit geförderten Erdöls für sich beanspruchen. Die Nachfrage wird steigen und mit ihm der Preis für das Öl. Viele Experten sagen für das Jahr 2025 Ölpreise von 200 US-Dollar pro Barrel voraus.
Ob der letzte Tropfen Öl in 20 oder in 50 Jahren gefördert wird, ändert wohl nichts an einer Gewissheit: Die Zeit des billigen Öls ist auf jeden Fall vorbei.
Silvio Wenzel
Stand: 11.03.2008
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