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Die Grenzen des Erdöls

Irgendwann müssen wir ohne Öl auskommen

  • SendeterminDienstag, 11. März 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 15. März 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Eine Ölfontäne schießt ans Tageslicht
Der Energiehunger der Industrienationen wird hauptsächlich mit Erdöl gestillt

Der Ölpreis steigt und steigt. Seit einiger Zeit eilt er von einem Rekordhoch zum nächsten. Im Jahre 2005 zum Beispiel mussten die Händler für ein StichwortBarrel Öl plötzlich 50 US-Dollar zahlen. Sechs Jahre zuvor hatte ein Barrel noch weniger als 20 US-Dollar gekostet. Deshalb herrschte 2005 große Aufregung, worüber heute alle Beteiligten schmunzeln. Denn der Preis ist weiter fleißig geklettert. Inzwischen kostet Öl mehr als das Doppelte im Vergleich zu 2005. Und ein Ende der Entwicklung ist nur schwer absehbar. Irgendwann werden alle Erdöl-Lagerstätten so weit ausgebeutet sein, dass sich eine weitere Förderung nicht mehr lohnt. Ab diesem Zeitpunkt müssen wir dann auf den im Moment wichtigsten Rohstoff verzichten. Doch wann wird es soweit sein? Über die Antwort auf diese Frage ist unter den Experten ein heftiger Streit entbrannt.

Optimisten contra Pessimisten

Eine Ölförderpumpe, oft auch „nickender Esel“
genannt
Mit konventionellen Methoden werden die Ölkonzerne bald an die Fördergrenzen stoßen

Da sind auf der einen Seite die Optimisten. Sie blicken ganz ruhig in die Zukunft und sind der Überzeugung, Öl stünde uns auch noch in vierzig oder fünfzig Jahren zur Verfügung. Ihrer Meinung nach bleibt noch genug Zeit, um Alternativen für den fossilen Rohstoff zu entwickeln und andere Energiequellen anzuzapfen. Ihnen gegenüber stehen die Pessimisten. Sie warnen, dass in 20 Jahren das Öl verbraucht sei und wir bald vor einem mächtigen Problem stünden.

Beide Fronten streiten in mehreren Punkten miteinander, auch über die maximale Fördermenge. Im Moment werden über 80 Millionen Barrel Erdöl gefördert – jeden Tag. Etwa die gleiche Menge des Rohstoffes wird täglich verbraucht. Mit deutlich steigender Tendenz. Die Optimisten vertrauen darauf, dass sich die tägliche Fördermenge noch steigern ließe. 100 Millionen Barrel pro Tag seien durchaus möglich. Diese Erwartungen sind in den Augen der Pessimisten völlig überzogen. Sie argumentieren, dass selbst kräftige Investitionen in den Abbau keine nennenswerte Steigerung bringen werden. Ihrer Meinung nach geht die Fördermenge seit 2005 sogar leicht zurück.

Der Streit um die Lagerstätten

Riesige Bagger beladen gewaltige LKW´s mit dem Ölsand
Der Abbau von Ölsand wird den Bedarf nicht decken können und ist eine große Belastung für die Umwelt

Das Lager der Zuversichtlichen vertraut darauf, dass in naher Zukunft noch viele bisher unbekannte Ölfelder entdeckt und angezapft werden. Für sie ist eindeutig: In der Vergangenheit hat man die StichwortReichweite des Öls immer unterschätzt. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg erwarteten die Experten, dass das schwarze Gold noch für neun Jahre reichen würde. Aber es kam anders: Intensive Suche, bessere Techniken zum Aufspüren der Lagerstätten und immer ausgefeiltere Abbaumethoden haben dem Menschen Zugang zu immer mehr Erdöl verschafft. Und so bliebe es auch in Zukunft, beschwichtigen die Optimisten. Die Pessimisten präsentieren Statistiken, die andere Fakten offen legen: Seit Mitte der 60er Jahre gibt es immer weniger neue Funde von Lagerstätten. Seit Beginn der 80er Jahre verbrauchen die Menschen sogar mehr Erdöl, als gleichzeitig entdeckt wird. Die Pessimisten sind sicher, dass sich dieser Trend nicht umkehren wird. Die Optimisten haben auch darauf eine Antwort - sie setzen noch auf einen anderen Effekt. Die steigenden Ölpreise sorgten dafür, dass bisher uninteressante Lagerstätten lukrativ würden. Dabei denken sie vor allem an die StichwortÖlsande in Kanada, an Erdöl-Vorkommen in Tiefsee-Gebieten oder an Regionen mit Dauerfrostboden. Die Pessimisten dagegen sind der Meinung, dass diese neuartigen Lagerstätten völlig überschätzt werden. Ihre Erschließung sei zwar realistisch, insgesamt wären die Vorkommen aber so klein, dass sie die Verfügbarkeit von Öl nicht spürbar verlängern würden.

Explosion von Nachfrage und Preis

Chinesen in der Fußgängerzone
Die Wirtschaft in China boomt und der Lebensstandard der Menschen dort steigt. Und damit auch der Energiehunger der Nation und der Bedarf an Erdöl

Eines ist sowohl für Optimisten als auch für Pessimisten unbestritten: Die Nachfrage nach dem Rohstoff Erdöl wird in den nächsten Jahren enorm steigen. Bis zum Jahr 2030 wird der weltweite Energieverbrauch um weitere 50 Prozent gestiegen sein. Für einen Großteil werden China und Indien verantwortlich sein. Die Wirtschaft beider Länder wächst mit enormer Geschwindigkeit, und so werden sie in Zukunft einen großen Teil des weltweit geförderten Erdöls für sich beanspruchen. Die Nachfrage wird steigen und mit ihm der Preis für das Öl. Viele Experten sagen für das Jahr 2025 Ölpreise von 200 US-Dollar pro Barrel voraus.

Ob der letzte Tropfen Öl in 20 oder in 50 Jahren gefördert wird, ändert wohl nichts an einer Gewissheit: Die Zeit des billigen Öls ist auf jeden Fall vorbei.

Stichwörter

1 Barrel
Ein Barrel entspricht ziemlich genau 159 Litern. Also in etwa einer fast vollen Badewanne. Zurück zum Absatz
2 Reichweite des Öls
Die Reichweite ist ein rein statistischer Wert. Er bezeichnet den Zeitraum, für den ein nicht erneuerbarer Rohstoff noch zur Verfügung steht, bis alle Lagerstätten ausgebeutet und alle Reserven aufgebraucht sein werden. Allerdings wird bei der Berechnung der Reichweite immer davon ausgegangen, dass der weltweite Verbrauch des entsprechenden Rohstoffes konstant bleibt. Zurück zum Absatz
3 Ölsand
Ölsand ist eine Mischung aus Ton, Sand, Wasser und einem Kohlenwasserstoffgemisch (Bitumen). Die Ausbeutung erfolgt wie bei Braunkohle in einem Tagebau. Sie ist allerdings sehr energieintensiv und damit teuer. Zudem ist der Wasserverbrauch enorm hoch. Große Probleme bereitet auch noch die Wiederaufbereitung des genutzten Wassers. Kritiker befürchten massive Umweltschäden durch den Abbau von Ölsand. Zurück zum Absatz
Autor:

Silvio Wenzel

Stand: 11.03.2008


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