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Klimakiller Biosprit

Die neuen Ölfelder gefährden Natur und Menschenleben

  • SendeterminDienstag, 11. März 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 15. März 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Blühendes Rapsfeld
Raps ist ein begehrter Rohstoff für Biodiesel. Der Anteil der mit Raps bepflanzten Äcker nimmt daher ständig zu

Biokraftstoffe sind Benzin- oder Dieselersatz aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Biokraftstoffe der ersten Generation werden aus Pflanzen hergestellt. Biodiesel wird aus dem Öl stark ölhaltiger Früchte gewonnen. In Europa wird zu diesem Zweck meistens Raps angebaut, in tropischen Ländern gibt es Soja- und Ölpalmenplantagen. Der zweite alternative Kraftstoff, Bioethanol, wird mit Hilfe von Mikroorganismen aus Getreide und Zucker hergestellt.

Der vermeintliche Vorteil der Biokraftstoffe: Beim Verbrennen wird nur das Kohlendioxid frei, das von den Pflanzen während des Wachstums fixiert wurde. Damit wären Biokraftstoffe deutlich besser für das Klima als fossile Brennstoffe. Diese Ansicht hat dazu geführt, dass der Anbau von Biospritpflanzen weltweit stark gefördert wurde, insbesondere durch die USA, aber auch von der EU.

Das böse Erwachen

Rapskorn in einer Ölpresse
Aus dem Rapskorn wird das Öl für Biodiesel gewonnen

Inzwischen ist klar: Die Vorstellung vom klimaneutralen Biosprit basiert auf einer Milchmädchenrechnung. Zwar ist richtig, dass bei der Verbrennung nicht mehr Kohlendioxid frei wird, als die Pflanze aufgenommen hat. Aber beim Anbau der Pflanzen und der Herstellung des Kraftstoffs fallen große Mengen von Klimagasen an. Vor allem die Herstellung des Stickstoffdüngers ist sehr energieaufwändig, genau wie die Produktion von Pflanzenschutzmitteln. Beide setzen damit große Mengen CO2 frei. Ebenso verbrauchen Traktoren und Erntemaschinen Kraftstoff und setzen dabei Kohlendioxid frei. Was das ganze verschärft: Inzwischen werden die Früchte der Biospritpflanzen oft über weite Entfernungen zu den Ölmühlen und Ethanolwerken transportiert - auch dafür wird klimaschädlicher Treibstoff verbraucht. Die Produktion der Kraftstoffe in großen Fabriken verschlingt ebenfalls große Mengen Energie. Seit kurzer Zeit weiß man außerdem, dass Bodenbakterien den Stickstoffdünger der Energiepflanzen in Lachgas umwandeln, das noch viel klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Inzwischen ist sicher, dass fast alle Kraftstoffsorten aus Pflanzen erheblich schlechter für das Klima sind als fossile Spritarten. Diese Untersuchungen sind Ende Februar 2008 in der renommierten Fachzeitschrift Science veröffentlicht worden.

Biosprit vernichtet Natur

Brennender Dschungel
Mit Feuer wird Platz geschaffen für neue Ölpalmenplantagen

Zur schlechten Klimabilanz des Biosprits kommt hinzu, dass der Anbau von Energiepflanzen vor allem in den Tropen wichtige Urwälder vernichtet. Um immer mehr Ölpalmen- und Sojakulturen anzupflanzen, werden in den armen Ländern Südamerikas und Südostasiens Regenwälder mit Brandrodung vernichtet. Riesige Flächen werden abgebrannt, und dabei werden Tonnen von Klimagasen frei. Der Dschungel wächst häufig auf kohlenstoffreichen Torfböden. Durch die Verbrennung wird auch dieses, eigentlich dauerhaft konservierte, Kohlendioxid freigesetzt. Die große Nachfrage nach Biosprit fördert diese Naturvernichtung. Um Biokraftstoffe herzustellen, müssen riesige Flächen mit Energiepflanzen bepflanzt werden. Das Ziel der EU ist es, Benzin und Diesel mittelfristig zehn Prozent Biosprit beizumischen. Langfristig sollen es sogar 20 bis 25 Prozent werden. Wissenschaftler aber warnen: Es gibt dafür keine ausreichenden Anbauflächen. Sie haben ausgerechnet, dass bei einer Beimischung von 20 Prozent praktisch alle ungenutzten Flächen, wie Dschungel, Pampa, Prärie und Savanne zu Energiepflanzenkulturen werden müssten - eine Naturvernichtung von unvorstellbarem Ausmaß.

Eine tödliche Konkurrenz

Hungernde Kinder in einem afrikanischen Dorf
Die Nachfrage nach Biosprit könnte zu Hungersnöten führen, während auf den Äckern in der Nähe Energiepflanzen wachsen – für die Autos der Industrieländer

Die Nachfrage nach Biokraftstoffen gefährdet nicht nur die Natur, sondern auch die Ernährung der Menschen. Denn auf vielen Feldern, auf denen heute Energiepflanzen wachsen, wuchsen bis vor kurzem Pflanzen, aus denen Lebensmittel hergestellt werden.

Es sind vor allem Entwicklungsländer, die auf die Produktion von Biokraftstoffen setzen, Länder wie Senegal, Nigeria, Swasiland und Sambia. In diesen Ländern herrscht schon jetzt große Armut. Es ist absehbar, dass sich diese verschlimmert und die Produktion nachwachsender Rohstoffe der Bevölkerung keinen Nutzen bringt. Denn der Anbau von Energiepflanzen konkurriert mit dem Anbau von Nahrungspflanzen. Nahrungsmittel werden also knapper und teurer. Viele Experten warnen jetzt schon: Der verstärkte Anbau von Energiepflanzen wird Hunger zur Folge haben. Auch bei uns werden Lebensmittelpreise spürbar steigen. Bei Getreide hat der Preisanstieg bereits begonnen. Europäische Bäcker und Müller haben in Brüssel protestiert. Sie fordern gemeinsam mit Umweltverbänden, dass die Politik ihre Pläne für Biosprit aufgibt.

Autor:

Lars Westermann

Stand: 11.03.2008


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