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Quarks & Co
Sendung vom 11. März 2008
Die Batterie der Zukunft
Es könnte gut sein, dass der große Durchbruch des
Elektroautos mit einer längst bekannten Technologie gelingt.
Vielleicht müssen wir gar nicht mehr auf die Entwicklung einer
heute noch unbekannten Technik warten, sondern tragen diese schon
völlig selbstverständlich mit uns herum. Denn die
Revolution bei den Stromspeicherakkus für elektrische
Geräte hat längst stattgefunden. Seit einigen Jahren
haben Lithium-Ionen-Akkus alle anderen Batterien nahezu
verdrängt. Zuverlässig und ausdauernd versorgen sie heute
unsere Handys und Laptops mit Strom. Sie sind relativ leicht und
haben keinen
Memory-Effekt, d. h. sie laden sich
tatsächlich immer voll auf und können diese Ladung auch
vollständig wieder abgeben.
Bisher hatten Akkus für Elektroautos mit einigen
Schwierigkeiten zu kämpfen. Eines der gravierendsten war die
Reichweite. Ein Auto, das alle 50 Kilometer neu aufgeladen werden
muss, ist nur sehr bedingt alltagstauglich. Die
Lithium-Ionen-Akkus schaffen mehr: Bis zu 150
Kilometer können mit ihnen bestückte Prototypen
inzwischen bewältigen, ohne an die Steckdose zu
müssen.
Fazit: Lithium-Ionen-Akkus speichern eine gehörige Portion Strom bei vergleichsweise niedrigem Akku-Gewicht und sie können an jeder beliebigen Steckdose in einer vertretbaren Zeit aufgeladen werden. Zwar dauert das Laden noch deutlich länger, als den Benzintank an der Tankstelle zu füllen. Aber stundenlange Laderituale gehören der Vergangenheit an. Im Labor gelingt das vollständige Aufladen inzwischen in 20 Minuten. Dem Durchbruch steht aber noch ein ökonomisches Argument im Wege. Denn bisher sind Lithium-Ionen-Akkus der entsprechenden Größe beeindruckend teuer. Das dürfte sich allerdings nachhaltig ändern, sobald die Elektroautos ausgereift sind und häufiger produziert werden als heute. Mit der massenhaften Produktion großer Akkus für die neuartigen Autos wird ihr Preis deutlich nachgeben.
Ein anderes Problem bremste die Verbreitung der Elektroautos bisher in viel stärkerem Maße als die geringe Reichweite und der hohe Preis. Denn auch wer bereit ist, sein Auto alle paar Kilometer für einige Zeit an einer Steckdose abzustellen und zudem noch genügend Geld für das exklusive Gefährt hat – vor den Sicherheitsrisiken der Lithium-Ionen-Akkus konnte niemand die Augen verschließen: Unter Umständen können die Akkus ihre gespeicherte Energie auch völlig unkontrolliert abgeben. Viel muss gar nicht passieren. Ein einfacher Kurzschluss im Akku reicht aus. Und der kann bisher relativ einfach ausgelöst werden: entweder durch eine mechanische Verletzung bei einem Unfall oder durch bloße Überhitzung. Der ganze Akku geht dann in kürzester Zeit in Flammen auf und wäre für die Insassen eine große Gefahr.
Doch nun ist Forschern des Energiekonzerns Evonik in dieser Frage ein Durchbruch gelungen. Sie haben eine spezielle Keramik-Membran erfunden, die in der Batterie verhindert, dass die Lithium-Ionen-Batterien explodieren. Die Membran befindet sich zwischen dem Plus- und dem Minuspol des Akkus und verhindert, dass es zu einem inneren Kurzschluss kommen kann. Im Testbetrieb in einem Elektroauto hat sich diese Folie als exzellente Lösung erwiesen.
Einen anderen Ansatz haben die Entwickler der GAIA Akkumulatorenwerke verfolgt. Sie haben einen ganz speziellen Lithium-Ionen-Akku kreiert. Dieser gibt, anders als gewöhnliche Akkus, bei steigender Temperatur nicht plötzlich besonders viel Energie ab, weil er auf einer anderen chemischen Grundlage beruht. Bei den gewöhnlichen Akkus konnte dadurch eine Selbstentzündung ausgelöst werden – diese Gefahr ist bei dem neuen Akku gebannt.
Mit den neuen Entwicklungen steht der stärkeren Verbreitung von Elektroautos möglicherweise einiges weniger im Weg als jemals zuvor.
Silvio Wenzel
Stand: 11.03.2008
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