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Quarks & Co
Sendung vom 11. März 2008
Hoffnungsträger Hybridauto
Die Hybridtechnologie gilt im Kampf um die Verringerung des automobilen Spritverbrauchs als aussichtsreicher Hoffnungsträger. Bislang gibt es lediglich Modelle japanischer Hersteller: den Lexus, den Toyota Prius und den Honda Civic. Schon wurde die Klage laut, die europäische Automobil-Industrie habe diesen verheißungsvollen Zukunftstrend verschlafen. Doch die Europäer kontern selbstbewusst, dass durch die Verbesserung bereits bestehender Technologien mindestens ebensoviel Spritspar-Potenzial bestehe wie durch die aufwändige Hybridtechnik der Japaner.
Bei der Hybridtechnologie wird ein ganz normaler Benzinmotor durch einen Elektromotor unterstützt, der sich – je nach Fahrsituation – automatisch dazuschaltet. Beim Anfahren übernimmt der Elektromotor den Antrieb manchmal sogar ganz alleine - erst nach einigen Sekunden schaltet sich der Benzinmotor zu. Seine Energie bezieht der Elektromotor aus einer meist hinter dem Rücksitz angebrachten großen Batterie. Sie wird geladen durch Energie, die ein Stromgenerator während der Fahrt gewinnt. Bremst der Wagen ab, entsteht Wärme, die Bremsen werden warm. Das Hybridauto nutzt diese Energie und speichert sie in der Batterie ab. Von dort speist sie dann wieder den Elektromotor.
Quarks & Co wollte wissen, wie effektiv die
Hybridtechnologie wirklich ist. Können hochmoderne
Spritsparmodelle ohne Hybridtechnologie mithalten? Unsere zwei
Testfahrer treten mit einem Hybrid-Lexus GS 450h gegen einen BMW
530i aus der Öko-Linie „Efficient Dynamics“ an.
Mit optimierter Direkteinspritzungstechnologie, Reifen mit
reduziertem Rollwiderstand und der sogenannten „
Rekuperations-Technik“ zur
Rückgewinnung von Bremsenergie will es der Konkurrent auch
ohne Elektromotor mit dem Hybrid aufnehmen. Beide Autos sind exakt
gleich groß, fahren mit Super-Benzin, haben fast 300 PS und
fahren mit Automatikgetriebe.
Unsere erste Stichprobe in der Innenstadt. Zunächst werden
beide Autos komplett voll getankt. Anschließend fahren unsere
Tester sie so Sprit sparend wie möglich durch die Stadt,
vorausschauend und schonend: vorsichtig anfahren, sachte abbremsen.
Beide fahren exakt die gleiche Strecke. Nach genau 33,3 Kilometer
Fahrt tanken wir wieder voll. Der BMW benötigt auf 33,3
Kilometern 3,29 Liter und liegt auf 100 Kilometer hochgerechnet
somit knapp unter zehn Liter. Der Hybrid tankt auf 33,3 Kilometer
3,76 Liter und liegt – auf 100 Kilometer hochgerechnet - mit
11,28 Litern um gut einen Liter höher. Angesichts der hohen
PS-Zahl und der Größe beider Fahrzeuge ein durchaus
akzeptables Ergebnis, doch es zeigt sich auch: Im Stadtverkehr muss
die Hybridtechnologie nicht besser sein als hochmoderne
Spritspar-Alternativen wie die Kombination von
Direkteinspritzung und Rekuperationstechnik
des BMW. Auf der Autowaage zeigt sich ein möglicher Grund
für das schlechtere Abschneiden gegenüber dem
Konkurrenten. Mit 1860 Kilo wiegt der Hybrid 160 Kilo mehr als der
gleich große BMW. Allein die Batterie im Lexus-Hybrid wiegt
68 Kilo. Dazu kommen der Elektromotor, ein zusätzlicher
Generator zur Rückgewinnung der Bremsenergie und ein
spezielles Modul, das das Wechsel- und Zusammenspiel von Benzin-
und Elektromotor regelt. Dies alles führt zu dem deutlich
höheren Gewicht. Und dieses Gewicht muss natürlich erst
einmal in Bewegung gebracht werden, bevor gespart werden kann.
Die zweite Stichprobe machen wir auf der Autobahn. Moderat gleiten unsere Fahrer mit 120 Stundenkilometer über die Piste. Auch jetzt schaltet sich der Elektromotor des Hybridautos immer wieder zu und unterstützt den Benzinmotor. Das Ergebnis nach genau 100 Kilometern Fahrt: 8,96 Liter verbraucht der BMW, 8,12 Liter der Hybrid. Für zwei so große Limousinen mit jeweils fast 300 PS durchaus akzeptable Resultate. Unsere Stichproben zeigen: Das Gewicht der aufwändigen Hybrid-Technologie ist zumindest bei ohnehin schweren Limousinen gerade in der Stadt von Nachteil. Noch immer gilt: Je leichter ein Auto, desto effizienter spart es Sprit. Andere Spritspar-Technologien, wie z. B. die optimierte Direkteinspritzung, können mit dem Hybrid mithalten; insbesondere dann, wenn sie selber über Generatoren verfügen, die Bremsenergie zurückgewinnen.
Michael Bisping
Stand: 11.03.2008
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