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Sendung vom 25. März 2008
Gigantische Reiberei
Der Blick auf einen Globus bietet ein vertrautes Bild: Jede Menge Wasser und mittendrin ein paar Kontinente. Scheinbar starr und unverrückbar liegen sie da. Aber der Eindruck täuscht gewaltig. Denn die Kontinente verändern ständig ihre Position - jedes Jahr um ein paar Zentimeter. So driften sie auseinander, drehen sich und kollidieren sogar miteinander. Dabei sind unglaubliche Kräfte im Spiel. Es kommt zu zahllosen und zum Teil heftigen Erdbeben. Im Laufe von Jahrmillionen werden riesige Gebirge in die Höhe geschoben, an anderen Stellen verschwindet Landmasse von der Erdoberfläche wieder im flüssigen Inneren des Planeten.
Dass die ganze Erde von beweglichen Platten bedeckt ist und die
Kontinente wandern, entdeckten Geoforscher im Laufe des 20.
Jahrhunderts. Begründet wurde die Theorie der Plattentektonik
von dem deutschen Polarforscher und Geophysiker
Alfred Wegener. Heute besagt diese Theorie,
dass die Erdkruste nicht aus einem einzigen festen Mantel besteht,
sondern aus sieben großen und etlichen kleineren
Kontinentalplatten. Nicht nur die Landmassen der Kontinente
gehören zu diesen tektonischen Platten, sondern auch die
ozeanische Kruste unter den Meeren. Noch unter den
Kontinentalplatten liegt eine flüssige Schicht aus
geschmolzenem Gestein. Auf dieser Schicht ziehen die Platten
unaufhaltsam ihre Bahn. Es sind nur wenige Zentimeter in jedem
Jahr, aber im Laufe von Jahrmillionen ändert sich so das
Aussehen des Globus gewaltig.
Angetrieben werden die Platten von heißem Gestein, das aus den tieferen Schichten der Erde an die Oberfläche gedrückt wird. Auf insgesamt 60.000 Kilometern Länge quetscht sich kochende Lava durch Risse in der Erdkruste aus dem Untergrund. Dabei schiebt sie die angrenzenden Kontinentalplatten immer weiter auseinander. Diese Risse liegen mitten in den Ozeanen, tausende von Metern tief. Fachleute sprechen von mittelozeanischen Rücken. Ein solcher mittelozeanischer Rücken zieht sich zum Beispiel auch durch den Atlantik. Das Auseinanderdriften der Kontinente verläuft aber nicht wie geschmiert. Vielmehr verhaken sich die Platten und die von unten nachströmende Lava setzt das Gestein der Kontinentalplatten immer weiter unter Spannung. Diese entlädt sich dann in Erdbeben. Dabei bewegen sich die Platten ruckartig ein Stück auseinander.
Aber die Erdoberfläche wird nicht größer - deshalb muss bei der Bewegung der Kontinentalplatten in anderen Regionen festes Gestein wieder verschwinden. Dies passiert dort, wo zwei Platten zusammenstoßen, in den so genannten Subduktionszonen. Eine der beiden wird bei dieser Kollision unter die andere gedrückt. Ihr Gestein verschwindet in tieferen Schichten der Erde und wird wieder eingeschmolzen. Doch auch die obere Platte verändert sich: Riesige Gebirge können in die Höhe gedrückt werden. Der Himalaja und die Anden sind so entstanden und wachsen auch heute noch weiter. Auch entlang den Subduktionszonen verhaken sich die Kontinentalplatten. Das Gestein der abtauchenden Platte gleitet nicht fließend. Nach und nach baut sich Spannung auf, die sich in Erdbeben entlädt. Insgesamt erstrecken sich die Subduktionszonen der Erde über 55.000 Kilometer. In diesen Regionen gibt es die meisten Erdbeben, und es sind auch die schwersten: Japan und die Westküste Südamerikas liegen zum Beispiel in solchen Subduktionszonen entlang den Nahtstellen der Kontinente. Die schweren Erdbeben in Japan, zum Beispiel in Kobe 1995, und die Beben in Südamerika, so auch das schwerste bisher gemessene Erdbeben in Chile von 1960, sind Beispiele für Beben in Subduktionszonen.
Es gibt aber auch Plattengrenzen, an denen kein Gesteinsmaterial neu entsteht und auch keines vernichtet wird. Entlang solcher Grenzen schieben sich zwei Kontinentalplatten horizontal aneinander vorbei. Dabei entstehen starke Spannungen im Gestein, die sich in Form von Erdbeben abbauen. Der St.-Andreas-Graben in Kalifornien und die nordanatolische Verwerfung in der Türkei sind die bekanntesten Beispiele für solche Plattengrenzen und gleichzeitig die am besten erforschten Erdbebengebiete der Erde.
Die vertraute Lage der Kontinente auf dem Globus ist also nur eine Momentaufnahme: Die Bewegung der Platten geht unaufhörlich weiter. In ferner Zukunft kollidiert Afrika mit Europa. Dabei verschwindet das Mittelmeer und die Alpen werden weiter in die Höhe schießen. Australien stößt mit der Ostküste Asiens zusammen und die Antarktis verlässt den Südpol. In 250 Millionen Jahren sind dann fast alle Kontinente wieder zu einem gigantischen Superkontinent vereinigt.
Silvio Wenzel
Stand: 13.07.2007
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