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Gigantische Reiberei

Die Kontinentalverschiebung lässt die Erde beben

  • SendeterminDienstag, 25. März 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 29. März 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Grafik: 3D-Globus, Blick aus dem All auf Afrika
So kennen wir die Erde heute

Der Blick auf einen Globus bietet ein vertrautes Bild: Jede Menge Wasser und mittendrin ein paar Kontinente. Scheinbar starr und unverrückbar liegen sie da. Aber der Eindruck täuscht gewaltig. Denn die Kontinente verändern ständig ihre Position - jedes Jahr um ein paar Zentimeter. So driften sie auseinander, drehen sich und kollidieren sogar miteinander. Dabei sind unglaubliche Kräfte im Spiel. Es kommt zu zahllosen und zum Teil heftigen Erdbeben. Im Laufe von Jahrmillionen werden riesige Gebirge in die Höhe geschoben, an anderen Stellen verschwindet Landmasse von der Erdoberfläche wieder im flüssigen Inneren des Planeten.

Lange umstrittene Theorie

Dass die ganze Erde von beweglichen Platten bedeckt ist und die Kontinente wandern, entdeckten Geoforscher im Laufe des 20. Jahrhunderts. Begründet wurde die Theorie der Plattentektonik von dem deutschen Polarforscher und Geophysiker StichwortAlfred Wegener. Heute besagt diese Theorie, dass die Erdkruste nicht aus einem einzigen festen Mantel besteht, sondern aus sieben großen und etlichen kleineren Kontinentalplatten. Nicht nur die Landmassen der Kontinente gehören zu diesen tektonischen Platten, sondern auch die ozeanische Kruste unter den Meeren. Noch unter den Kontinentalplatten liegt eine flüssige Schicht aus geschmolzenem Gestein. Auf dieser Schicht ziehen die Platten unaufhaltsam ihre Bahn. Es sind nur wenige Zentimeter in jedem Jahr, aber im Laufe von Jahrmillionen ändert sich so das Aussehen des Globus gewaltig.

Die mittelozeanischen Rücken

Grafik: schematisch Darstellung: Lava aus dem Erdinneren dringt an
die Oberfläche
An den mittelozeanischen Rücken wird neues Gestein geboren

Angetrieben werden die Platten von heißem Gestein, das aus den tieferen Schichten der Erde an die Oberfläche gedrückt wird. Auf insgesamt 60.000 Kilometern Länge quetscht sich kochende Lava durch Risse in der Erdkruste aus dem Untergrund. Dabei schiebt sie die angrenzenden Kontinentalplatten immer weiter auseinander. Diese Risse liegen mitten in den Ozeanen, tausende von Metern tief. Fachleute sprechen von mittelozeanischen Rücken. Ein solcher mittelozeanischer Rücken zieht sich zum Beispiel auch durch den Atlantik. Das Auseinanderdriften der Kontinente verläuft aber nicht wie geschmiert. Vielmehr verhaken sich die Platten und die von unten nachströmende Lava setzt das Gestein der Kontinentalplatten immer weiter unter Spannung. Diese entlädt sich dann in Erdbeben. Dabei bewegen sich die Platten ruckartig ein Stück auseinander.

Die Subduktionszonen

Grafik: schematische Darstellung einer Subduktionszone: eine
Kontinentalplatte wird unter eine andere gedrückt
Wenn eine Kontinentalplatte unter die andere rutscht, kracht es am stärksten

Aber die Erdoberfläche wird nicht größer - deshalb muss bei der Bewegung der Kontinentalplatten in anderen Regionen festes Gestein wieder verschwinden. Dies passiert dort, wo zwei Platten zusammenstoßen, in den so genannten Subduktionszonen. Eine der beiden wird bei dieser Kollision unter die andere gedrückt. Ihr Gestein verschwindet in tieferen Schichten der Erde und wird wieder eingeschmolzen. Doch auch die obere Platte verändert sich: Riesige Gebirge können in die Höhe gedrückt werden. Der Himalaja und die Anden sind so entstanden und wachsen auch heute noch weiter. Auch entlang den Subduktionszonen verhaken sich die Kontinentalplatten. Das Gestein der abtauchenden Platte gleitet nicht fließend. Nach und nach baut sich Spannung auf, die sich in Erdbeben entlädt. Insgesamt erstrecken sich die Subduktionszonen der Erde über 55.000 Kilometer. In diesen Regionen gibt es die meisten Erdbeben, und es sind auch die schwersten: Japan und die Westküste Südamerikas liegen zum Beispiel in solchen Subduktionszonen entlang den Nahtstellen der Kontinente. Die schweren Erdbeben in Japan, zum Beispiel in Kobe 1995, und die Beben in Südamerika, so auch das schwerste bisher gemessene Erdbeben in Chile von 1960, sind Beispiele für Beben in Subduktionszonen.

Konservative Plattengrenzen

Grafik: schematische Darstellung: zwei Platten schieben sich
horizontal aneinander vorbei
Zwei Platten schieben sich aneinander vorbei – diese Konstellation führt in Kalifornien und in der Türkei häufig zu Erdbeben

Es gibt aber auch Plattengrenzen, an denen kein Gesteinsmaterial neu entsteht und auch keines vernichtet wird. Entlang solcher Grenzen schieben sich zwei Kontinentalplatten horizontal aneinander vorbei. Dabei entstehen starke Spannungen im Gestein, die sich in Form von Erdbeben abbauen. Der St.-Andreas-Graben in Kalifornien und die nordanatolische Verwerfung in der Türkei sind die bekanntesten Beispiele für solche Plattengrenzen und gleichzeitig die am besten erforschten Erdbebengebiete der Erde.

Die vertraute Lage der Kontinente auf dem Globus ist also nur eine Momentaufnahme: Die Bewegung der Platten geht unaufhörlich weiter. In ferner Zukunft kollidiert Afrika mit Europa. Dabei verschwindet das Mittelmeer und die Alpen werden weiter in die Höhe schießen. Australien stößt mit der Ostküste Asiens zusammen und die Antarktis verlässt den Südpol. In 250 Millionen Jahren sind dann fast alle Kontinente wieder zu einem gigantischen Superkontinent vereinigt.

Stichwörter

1 Alfred Wegener
Alfred Wegener (1880-1930) war Polarforscher, Meteorologe und Geophysiker. Er unternahm viele Expeditionen und entwarf die Theorie von der Kontinentalverschiebung: Wegener fiel auf, dass es auf verschiedenen Kontinenten Übereinstimmungen von Gesteinsformationen sowie fossilen Funden der Tier- und Pflanzenwelt gibt. Er erklärte dies mit der Vorstellung von einem Urkontinent, der auseinander gebrochen ist. In Fachkreisen stieß er damit auf Ablehnung. Doch aus seiner Vorstellung von auseinander brechenden und wandernden Kontinenten entwickelte sich nach seinem Tod in den 1960er Jahren die Theorie von der Plattentektonik. Somit gilt Wegener als Vater der bis heute gültigen Theorie. Zurück zum Absatz
Autor:

Silvio Wenzel

Stand: 13.07.2007


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