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So kann man Zivilcourage zeigen

Praktische Tipps für den Ernstfall

  • SendeterminDienstag, 15. April 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 19. April 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Eine Frau zückt in der U-Bahn das Handy um Hilfe zu rufen
Wie kann man im Ernstfall helfen?

Ein Passant wird in der Fußgängerzone angegriffen, ein Fahrgast in der U-Bahn angepöbelt, ein älterer Mann von einer Gruppe Jugendlicher bedroht. Es gibt viele Situationen, in denen das Opfer auf Hilfe angewiesen ist. Für jeden, der so etwas beobachtet, sollte es selbstverständlich sein, dem Opfer zu helfen und Zivilcourage zu zeigen. Am Beispiel einer Pöbelei in der U-Bahn gibt Quarks & Co praktische Tipps, wie man einschreiten kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Praktische Tipps für den Ernstfall

Eine junge Frau spricht einen anderen Fahrgast an
Die Devise: Nicht alleine handeln, sondern andere zur Hilfe auffordern
  • Sich selbst schützen. Das ist das oberste Gebot für den Helfer. Niemand sollte sich selbst in Gefahr bringen. Denn wenn Sie selbst zum Opfer werden, ist niemandem geholfen.
  • Situation einschätzen. Bevor Sie einschreiten, sollten Sie die Situation kurz überdenken. Sind Sie der Sache gewachsen? Welche Hilfsmöglichkeiten haben Sie? Wer kann Sie unterstützen? Was ist von den Tätern zu erwarten, wie aggressiv und wie berechenbar sind sie? Diese Überlegungen sollen Sie davor schützen, sich aus einem gut gemeinten Impuls selbst in Gefahr zu bringen.
  • Nicht alleine handeln. Wenn möglich, fordern Sie andere Anwesende auf mit zu helfen. Viele der Anwesenden sind wahrscheinlich unsicher, was sie tun sollen, und warten ab, was die Anderen machen. Durchbrechen Sie diese Passivität. Sprechen Sie andere Menschen ganz konkret an, und bitten Sie um Unterstützung: „Entschuldigung, Sie in der roten Jacke, rufen Sie bitte die Polizei.“ Oder: „Kommen Sie bitte mit mir, um die Situation zu entschärfen.“
Ein Mann ruft mit dem Handy die Polizei
Hilfe aus sicherem Abstand: ein Anruf bei der Polizei
  • Das Opfer aus der Situation befreien. Versuchen Sie, den Bedrängten aus dem Geschehen herauszuholen. Sprechen Sie das Opfer freundlich an und bieten Sie ihm an, es zu begleiten. „Entschuldigung, wollen Sie sich vielleicht zu mir setzen?“ Oder: „Sollen wir gemeinsam an der nächsten Station aussteigen?“ Außerdem sollten Sie als Geste des Entgegenkommens im wahrsten Sinne des Wortes dem Opfer die Hand reichen. Viele Menschen, die in Bedrängnis sind, versuchen sich einzukapseln und bekommen daher Ihr Hilfsangebot vielleicht gar nicht mit. Die dargebotene Hand werden sie aber gerne ergreifen.
  • Nicht mit den Tätern diskutieren. Die erste Reaktion bei vielen Menschen, die helfen wollen, ist, die Täter anzusprechen und sie mehr oder weniger aggressiv zum Aufhören aufzufordern. Doch die Gefahr ist extrem groß, dass dadurch die Situation eskaliert. Die Täter sehen in dem Helfer schnell einen neuen Gegner. Im ungünstigen Fall entlädt sich dann die Aggressivität gegen Sie. Der Helfer wird zum Opfer. Daher sollten Sie die Täter weder verbal noch tätlich angreifen. Wenn Sie sie ansprechen wollen, dann möglichst ruhig. Und bleiben Sie bei einem höflichen „Sie“.
  • Notruf wählen. Ein gute Möglichkeit, aus dem Hintergrund und von den Tätern unbemerkt, zu helfen: Rufen Sie die Polizei oder informieren Sie die das Personal oder den Sicherheitsdienst des Bahnunternehmens. Die Polizei erreichen Sie sowohl vom Festnetz als auch vom Handy unter der Rufnummer 110. Beim Handy funktioniert diese Notrufnummer sogar, ohne dass eine SIM-Karte eingelegt oder die PIN-Nummer eingegeben ist. Auch an einem Telefonhäuschen ist die Notrufnummer kostenlos. In vielen Bahnen sind außerdem interne Notrufeinrichtungen installiert. Über eine Gegensprechanlage wird man dann direkt mit dem Fahrer oder einem Sicherheitsbeamten verbunden.
  • Notbremse ziehen. Findet der Vorfall in der U-Bahn statt, lassen Sie sich durch den Hinweis „Missbrauch strafbar“ auf der Notbremse nicht einschüchtern. Es liegt ganz klar eine Notsituation vor, daher können Sie getrost ziehen. Dabei ist wichtig zu wissen, dass die Notbremse in einem U-Bahn-Wagen keine sofortige Zwangsbremsung auslöst. Das wäre zu gefährlich, denn so könnte der U-Bahn-Wagen mitten im Tunnel stehenbleiben. Dort wäre er dann nur schwer zugänglich, was zum Beispiel bei einem Feuer fatal wäre. Statt dessen aktiviert die Notbremse beim Fahrer ein Signal, worauf dieser an der nächsten Station hält und dann dort die Situation klärt. Wenn der Wagen mit Videoüberwachung ausgerüstet ist, kann der Fahrer außerdem die Situation auf einem Monitor beobachten.
  • Als Zeuge aussagen. Auch wenn Sie während der Situation nicht aktiv werden konnten, sollten Sie sich hinterher als Zeuge zur Verfügung stellen. Sie können dadurch helfen, dass die Täter gefunden und überführt werden. Merken Sie sich daher genau, wie die Täter aussehen. Wie alt sind sie? Welche Kleidung tragen sie? Welche Haarfarbe haben sie? Wir groß sind sie? Wohin sind sie verschwunden?

Tipps für das Opfer

Das Opfer wehrt eine Hand des Täters ab
Machen Sie als Opfer deutlich auf die Notsituation aufmerksam
  • Auf die eigene Notsituation aufmerksam machen. Viele potentielle Helfer greifen nicht ein, weil sie unsicher sind, wie sie die Situation einschätzen sollen. Ist wirklich eine Person in Gefahr oder handelt es sich um einen etwas herben Umgangston unter Freunden? Sagen Sie daher laut und deutlich, dass Sie sich belästigt oder bedroht fühlen. Manchmal kann eine so klare Ablehnung sogar die Täter beeindrucken, so dass diese von ihrem Opfer ablassen.
  • Die Täter mit „Sie“ ansprechen, um die Distanz auch Außenstehenden deutlich zu machen. Das ist besonders wichtig bei Frauen, die von Männern belästigt werden und bei denen die Umstehenden auf die Idee kommen könnten, es handele sich um eine Beziehungskrise.
  • Potenzielle Helfer konkret ansprechen. Wenn Sie selbst Opfer sind, und merken, dass sie nicht alleine aus der Situation herauskommen können, sprechen Sie andere Anwesende ganz gezielt an: „Ich werde hier belästigt, Sie in der roten Jacke, können Sie bitte die Polizei rufen.“
Autor:

Ulrich Grünewald

Stand: 27.04.2010


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Quarks Experiment Zivilcourage
in der U-Bahn

Quarks Experiment Zivilcourage in der U-Bahn

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