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Quarks & Co
Sendung vom 15. April 2008
Was tun beim Unfall?
Als erster an eine Unfallstelle zu kommen, ist manchmal ein Schock und bedeutet meist psychischen Stress – und das, obwohl es oft auf die ersten Minuten ankommt. Daher sollte man sich einige Grundregeln gut einprägen: Auch, wenn Sie alleine und unsicher sind, lassen sich diese Maßnahmen einfach durchführen.
Bei einem Unfall geraten viele Menschen in Panik und vergessen, welche Schritte unbedingt und sofort notwendig sind. Zum Beispiel fällt ihnen die Notrufnummer nicht ein. Daher kommt es darauf an, Ruhe zu bewahren. Wer trotzdem den Kopf verliert: Eine kurze Stichwortliste im Wagen kann helfen. Sie sollte schnell zur Hand sein, legen Sie sich also einen Zettel ins Handschuhfach oder ins Fach an der Innentür der Fahrerseite und notieren Sie dort die Schritte, die wir Ihnen hier auflisten. Dann müssen Sie diese im Ernstfall nur noch abarbeiten.
Leider viel zu häufig vergessen und unterschätzt: das Sichern der Unfallstelle. Oft ist es dadurch schon passiert, dass Ersthelfer von nachfolgenden Fahrzeugen überfahren wurden. Stellen Sie also auf alle Fälle die Warnblinkanlage Ihres Wagens ein. Positionieren Sie ein Warndreieck rund 100 Meter gut sichtbar vor die Unfallstelle. Wenn Sie ein separates Warnlicht haben, stellen Sie es bei Dunkelheit zusätzlich auf.
Egal ob vom Festnetz oder vom Handy aus: Unter der Nummer 112 erreichen Sie den Rettungsdienst. Diese Notrufnummer funktioniert beim Handy übrigens auch ohne SIM-Karte und ohne, dass Sie die PIN-Nummer eingeben müssen. Wenn die Situation eindeutig ist, wenn Sie etwa sehen, wie sich vor Ihnen ein Wagen überschlägt, dann rufen Sie so schnell wie möglich den Rettungsdienst an. Im Notfall zählt jede Sekunde. Und falls es doch glimpflicher abgelaufen ist, als es schien, können Sie mit einem zweiten Anruf die Situation immer noch klären. Am Besten telefonieren Sie mit dem Handy, während Sie die Unfallstelle absichern. Wichtig beim Anruf mit dem Handy: Nicht immer werden Sie mit der nächstgelegenen Leitstelle verbunden. Daher müssen Sie möglichst genau angeben können, wo Sie sich befinden. Bleiben Sie auf alle Fälle so lange in der Leitung, bis Sie zum Auflegen aufgefordert werden. Leider kommt es immer wieder vor, dass den Rettungskräften kostbare Zeit verloren geht, weil sie den Unfallort erst mühsam suchen müssen.
Danach sollten Sie zu den Verletzten gehen und mit ihnen sprechen, und zwar egal, wie schwer oder leicht verletzt die Opfer zu sein scheinen. Diese psychologische Hilfe ist unglaublich wichtig und wird leider total unterschätzt. Viele Unfallopfer leiden noch Jahre später unter der Unfallsituation, weil sie sich allein gelassen fühlten und keine menschliche Unterstützung erfahren haben. Wichtig auch: Wenn Sie den Unfallhergang gesehen haben oder es ganz offensichtlich ein schwerer Unfall ist, bleiben Sie auf alle Fälle bei den Unfallopfern, auch wenn diese behaupten, es sei alles in Ordnung. Diese Menschen stehen unter Schock. Das bedeutet zum einen, dass sie selbst schwere Verletzungen zuerst nicht spüren, aber nach einigen Minuten umkippen können. Zum anderen können sie im Schockzustand auf die Straße zurücklaufen und von einem nachfolgenden Fahrzeug überfahren werden.
Wenn es dann um die medizinische Versorgung geht, ist die
Hemmschwelle bei vielen oft ziemlich groß. Doch bei Fehlern
müssen Sie keine juristischen Konsequenzen befürchten
– wohl aber, wenn Sie es gar nicht erst versuchen. Zur Hilfe
ist man nämlich gesetzlich verpflichtet. Wer Zeuge eines
Unfalls ist und die Notfallmaßnahmen unterlässt, kann
nach
§323c des Strafgesetzbuches wegen
unterlassener Hilfeleistung belangt und zu Geld- oder
Freiheitsstrafen verurteilt werden. Welche Maßnahmen in
welcher Situation angebracht sind, lernt man am besten in einem
Erste-Hilfe-Kurs. Er ist auch Voraussetzung für den
Führerschein. Doch wie lange ist das bei Ihnen schon her?
Wissen Sie noch, wie man einen Ohnmächtigen in die stabile
Seitenlage bringt? Experten empfehlen, alle 5 bis 10 Jahre einen
Erste-Hilfe-Kurs zu wiederholen. Das kann Leben retten und wird
meistens sogar im privaten Umfeld benötigt. Denn auch wenn die
meisten Menschen bei Erster Hilfe an den Fremden bei einem
Autounfall denken: Diese Situation ist - relativ gesehen - selten.
Fast 60 Prozent aller Anlässe, bei denen Menschen Erste Hilfe
leisten müssen, sind akute Erkrankungen oder Verletzungen bei
Sport und Freizeit. Dann sind es Angehörige oder Freunde, die
Hilfe brauchen.
Nur wenige Maßnahmen sind universell bei verschiedenen Notfällen einsetzbar. Wann man was tun sollte, und vor allem, wie man es richtig macht, lernt man am besten in einem Erste Hilfe Kurs. Die folgenden Maßnahmen sollte man auf alle Fälle beherrschen, da sie auch zu Hause oder beim Sport Leben retten können.
Ulrich Grünewald
Stand: 06.03.2007
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