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Sport hält Gehirn jung

Ausdauertraining verbessert die kognitive Leistung bei völlig entspanntem Gehirn

  • SendeterminDienstag, 22. April 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 26. April 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Gruppe von Nordic-Walkern im Park
Gehirnfitness durch Walken!

Es klingt paradox: Während man ganz ohne Kopfzerbrechen zügig durch den Park spaziert, bringt man gleichzeitig sein Gehirn auf Trab. Wer dieser Tage einen Gehirnforscher um Rat bittet, wird genau diesen Tipp bekommen: Lauf mal wieder! Das Faszinierende: Sportliches Training verbessert die kognitiven Leistungen wohl nicht nur durch eine bessere Durchblutung des Gehirns. Sport verbessert tatsächlich die Fähigkeiten, also "die Mechanik" des Gehirns, wie Neurowissenschaftler sagen.

Walken für die Wissenschaft

Versuchsteilnehmer in einem Magnetresonanztomographen
Auf Spurensuche: Verändert Sport das Gehirn?

Um zu verstehen, wie genau Sport dem Gehirn nützt, sind die Experten derzeit weltweit auf Spurensuche. In Bremen haben 80 ältere Menschen im Alter von 65 bis 75 Jahre ein Jahr lang dreimal pro Woche für die Wissenschaft in unterschiedlichen Kursen trainiert: Walken, Koordinationssport und Entspannungstraining. Forscher der Jacobs-Universität wollen im Projekt "Bewegtes Altern" nicht nur herausfinden, ob sie die Verbesserung der Gehirnleistung durch Sport bestätigen können, sondern auch, welche Sportart die deutlichsten Effekte hat. Erste Ergebnisse (Stand: April 2008) zeigen: Ausdauerfittere und koordinationsstärkere Teilnehmer konnten bei Tests ihre Gehirnareale effektiver nutzen. Weniger Trainierte müssen hingegen bei gleicher Leistung zusätzliche Areale aktivieren. "Es gibt Hinweise darauf, dass sich im Gehirn durch sportliche Aktivität mehr Verknüpfungen zwischen einzelnen Neuronen ausbilden, die eine erhöhte Leistungsfähigkeit des Gehirns zur Folge haben", sagt Professor Ursula Staudinger von der Jacobs-Universität, "und Tierversuche mit Mäusen zeigten, dass Laufen bei ihnen eine Neuentstehung von Neuronen bewirkt. Beim Menschen weiß man da noch eher wenig".

Von Mäusen und Menschen

Versuchsperson auf einem Fahrrad-Ergometer, daneben ein Forscher
Fördert Sport die Bildung von Nervenwachstums-Faktoren?

Es waren spektakuläre Versuche des amerikanischen Gehirnforschers Fred Gage und seines deutschen Kollegen Gerd Kempermann im Jahre 1997: Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Mäuse, die ausgiebig ein Laufrad in ihrem Käfig genutzt haben, im Vergleich zu untrainierten Artgenossen besser lernten, sich in Labyrinthen zurechtzufinden. Aber mehr noch: In ihren Gehirnen hatten sich durch das Laufen zahlreiche neue Gehirnzellen gebildet, auch bei den älteren Mäusen! Ob Sport auch beim Menschen Gehirnzellenwachstum bewirkt, konnte bislang allerdings noch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Sicher ist zwar, dass in einem bestimmten Areal des menschlichen Gehirns, dem Hippocampus, selbst im Alter noch neue Gehirnzellen wachsen können. Doch noch wissen die Forscher nicht genau, was die neuen Gehirnzellen überhaupt im erwachsenen Gehirn bewirken.

Das Gehirn bleibt länger jung

Kurve, die zeigt, dass bei Anstrengung die Menge eines
Nervenwachstumsfaktors im Blut steigt
Bei Anstrengung steigt die Menge des Nervenwachstums-Faktors BDNF im Blut

In einem Punkt sind sich Neurowissenschaftler inzwischen allerdings einig: Sportliche Aktivität scheint dabei zu helfen, einem frühzeitigen Abbau der Gehirnleistung im Alter entgegenzuwirken. "Ausdauertraining oder auch Koordinationssport lässt uns ein bisschen die Zeit zurückdrehen", kommentiert Professor Ursula Staudinger den Stand der Forschung, "und lässt uns anknüpfen an die Leistungsfähigkeit, die wir früher einmal im Leben hatten. Aber das bedeutet nicht, dass ich nur durch intensivstes Training aus einem Herrn Müller den Herrn Einstein machen kann." Neue Ergebnisse aus den USA deuten zudem darauf hin, dass Sport auch bei Kindern die kognitive Leistung zu verbessern scheint.

Sind Wachstums-Stoffe die Ursache?

Füße von Walkern
Gehirnfitness verbessert sich schon durch Walken

Viele Forschergruppen versuchen derzeit das Rätsel zu lösen, wie Sport beim Gehirn diese Verbesserungen bewirkt. Möglicherweise spielen hier körpereigene Substanzen eine Rolle; etwa der Nervenwachstums-Faktor BDNF (Brain Derived Neurotrophic Factor), der beim Wachstum von Nervenzellen, aber auch bei der Neuverschaltung von Nervenverbindungen wichtig ist. BDNF lässt sich im Blut nachweisen. Eine Forschergruppe um Professor Heiko Strüder an der Sporthochschule Köln konnte zeigen, dass bei körperlicher Anstrengung die BDNF-Menge im Blut tatsächlich ansteigt. Allerdings: Ein Beleg, dass dieses zusätzliche BDNF auch im Gehirn wirkt, ist das noch nicht.

Wie viel Sport muss sein?

Bleibt die Frage: Wie viel Sport muss sein, um die Gehirnaktivität zu fördern? Bringt mehr immer mehr? Und welche Sportart wäre optimal? Für die Sportwissenschaftler sind dies spannende Fragen, die sie intensiv erforschen. Am sichersten sind sich die Experten bislang bei den Ausdauersportarten. Professor Heiko Strüder von der Kölner Sporthochschule: "Sie müssen keineswegs einen Marathon absolvieren. Es reicht völlig aus, wenn man zwei- oder dreimal pro Woche einen zügigen Spaziergang absolviert. Das wirkt sich schon positiv auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus." Für die fitten Älteren gilt: Eine Stunde sollte es schon sein. Und wer sich nicht ganz sicher ist, fragt am besten seinen Hausarzt.

Autor:

Mike Schäfer

Stand: 22.04.2009


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