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Quarks & Co
Sendung vom 29. April 2008
Mühsames Kalorienverbrennen
Ein Stück Sahnetorte zu essen geht schnell. Es wieder
abzutrainieren ist eine mühsame Angelegenheit. Quarks & Co
hat den Test mit zwei Versuchspersonen gemacht: Marc und Sadi
durften sich den Bauch mit Sahnetorte vollschlagen – und
mussten danach so lange joggen, bis die Kalorien wieder verbrannt
waren. Den ersten Teil der Aufgabe meisterten die beiden in wenigen
Minuten. Es ging darum, ein Stück Sahnetorte zu essen. Wir
waren großzügig und servierten jedem der beiden ein
besonders großes Stück: 200 Gramm schwer, nach Angaben
des Herstellers mit einem Brennwert von 596 Kilokalorien. Um zu
bestimmen, wie lange es dauert, diese Energie durch Joggen wieder
abzutrainieren, baten wir die Wissenschaftler vom Institut für
Kreislaufforschung an der Sporthochschule Köln um
Unterstützung; sie sollten zunächst den Energieverbrauch
der Versuchspersonen im Ruhezustand bestimmen – den
sogenannten Grundumsatz. Dafür legten sie unseren
Test-Kandidaten eine Atemmaske an. Mit Hilfe der sogenannten
Spiroergometrie bestimmten sie den
Sauerstoffgehalt der eingeatmeten Luft und den
Kohlenstoffdioxid-Gehalt der ausgeatmeten Luft. Zusammen mit
Informationen über Größe, Gewicht, Alter und
Geschlecht konnten sie daraus den Energieverbrauch im Ruhezustand
bestimmen. Ergebnis: Marc, der bei einer Größe von 1,76
Metern knapp 75 Kilo wiegt, verbraucht 2061 kcal pro Tag. Bei Sadi
sind es 2282 kcal. Er bringt zwar rund 20 Prozent mehr Gewicht auf
die Waage als Marc, verbraucht aber nur etwa 10 Prozent mehr
Energie. Das liegt daran, dass er sein zusätzliches Gewicht in
Form von Fett mit sich herumschleppt – und das trägt
nichts zum
Grundumsatz bei.
Danach ging es raus zum Joggen: Rund um einen kleinen See, pro Runde etwa einen Kilometer. Wieder mussten die Versuchspersonen die Atemmaske tragen. Drahtlos funkte das Gerät die Daten zu einem Laptop, auf dem die Wissenschaftler während des Laufes permanent verfolgen konnten, wie sich Herzschlag, Sauerstoffaufnahme, und Kohlenstoffdioxidabgabe veränderten. Aus den gemessenen Daten ließ sich dann zusammen mit den vorher erhobenen Werten des Grundumsatzes errechnen, wie viele Kalorien bei einer bestimmten Leistung verbrannt wurden. Nach ein paar Runden war klar: Marc muss etwas über 58 Minuten durchhalten, um die 596 Kalorien abzuarbeiten. Er ist recht fit und trainiert regelmäßig, so dass die Strecke für ihn kein Problem war. Sein Herzschlag veränderte sich nur wenig, und auch die Sauerstoffaufnahme blieb einigermaßen konstant. Mit anderen Worten: Er hielt sein Tempo relativ konstant, sodass er immer im optimalen Fettverbrennungs-Bereich blieb. Insgesamt reichten dann sogar schon gut 55 Minuten, bis Marc alle Kalorien aus dem Stück Sahnetorte verbrannt hatte.
Für Sadi errechneten sich anfangs ähnliche Werte wie für Marc. Nach ein paar Minuten Anlaufzeit kamen die Wissenschaftler auf eine Gesamtzeit von knapp unter 59 Minuten, die Sadi hätte laufen müssen, um 596 Kilokalorien zu verbrennen. Voraussetzung: Er hätte das Tempo und seine Anstrengung konstant durchhalten müssen. Doch offensichtlich ist diese Vorgabe für einen untrainierten Läufer zu hoch: Um durchzuhalten, muss immer mehr Arbeit aufgewendet werden. Die Herzfrequenz steigt stark an, und trotzdem schafft es das Herz irgendwann nicht mehr, den Muskeln genügend Sauerstoff bereitzustellen – sie holen sich dann ihre Energie nicht mehr aus dem Fett, sondern aus den Zuckervorräten des Körpers. Der Läufer hält die Belastung nicht lange durch und muss früher oder später aufgeben – in unserem Fall nach 38 Minuten. Da hatte Sadi erst knapp vier Fünftel seines Kuchenstücks abgearbeitet.
Die größte Hürde beim Sport besteht darin, erst einmal anzufangen. Wie unser kleiner Vergleich gezeigt hat, wird gerade der ungeübte Läufer schnell frustriert, wenn er merkt, dass er sein Ziel nicht erreichen kann. Aber es gibt einen Trost: Hat man sich erst einmal aufgerafft, geht es danach immer besser – und fast sogar von selbst. Nach einer Stunde Joggen stellt sich nämlich noch ein Effekt ein, der beim Abtrainieren hilft: Der Körper verbraucht nach dem Laufen auch in Ruhe noch mehr Energie. Der angekurbelte stärkere Energieumsatz wird erst nach und nach wieder auf den Ruhewert zurückgefahren. Die Energiespeicher werden wieder aufgefüllt – und zwar aus den Fettreserven. Aber Vorsicht: Dieser Nachbrenneffekt kann durch Alkohol zunichte gemacht werden. Das Bier nach dem Training hebt den Effekt fast vollständig wieder auf.
Martin Rosenberg
Stand: 12.08.2010
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