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Mühsames Kalorienverbrennen

Wie lange muss man laufen, um ein Stück Sahnetorte abzutrainieren?

  • SendeterminDienstag, 29. April 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 03. Mai 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Versuchsperson mit Atemmaske auf Liege
Den Kalorienverbrauch ermitteln Sportärzte durch die Analyse der Atemluft

Ein Stück Sahnetorte zu essen geht schnell. Es wieder abzutrainieren ist eine mühsame Angelegenheit. Quarks & Co hat den Test mit zwei Versuchspersonen gemacht: Marc und Sadi durften sich den Bauch mit Sahnetorte vollschlagen – und mussten danach so lange joggen, bis die Kalorien wieder verbrannt waren. Den ersten Teil der Aufgabe meisterten die beiden in wenigen Minuten. Es ging darum, ein Stück Sahnetorte zu essen. Wir waren großzügig und servierten jedem der beiden ein besonders großes Stück: 200 Gramm schwer, nach Angaben des Herstellers mit einem Brennwert von 596 Kilokalorien. Um zu bestimmen, wie lange es dauert, diese Energie durch Joggen wieder abzutrainieren, baten wir die Wissenschaftler vom Institut für Kreislaufforschung an der Sporthochschule Köln um Unterstützung; sie sollten zunächst den Energieverbrauch der Versuchspersonen im Ruhezustand bestimmen – den sogenannten Grundumsatz. Dafür legten sie unseren Test-Kandidaten eine Atemmaske an. Mit Hilfe der sogenannten StichwortSpiroergometrie bestimmten sie den Sauerstoffgehalt der eingeatmeten Luft und den Kohlenstoffdioxid-Gehalt der ausgeatmeten Luft. Zusammen mit Informationen über Größe, Gewicht, Alter und Geschlecht konnten sie daraus den Energieverbrauch im Ruhezustand bestimmen. Ergebnis: Marc, der bei einer Größe von 1,76 Metern knapp 75 Kilo wiegt, verbraucht 2061 kcal pro Tag. Bei Sadi sind es 2282 kcal. Er bringt zwar rund 20 Prozent mehr Gewicht auf die Waage als Marc, verbraucht aber nur etwa 10 Prozent mehr Energie. Das liegt daran, dass er sein zusätzliches Gewicht in Form von Fett mit sich herumschleppt – und das trägt nichts zum StichwortGrundumsatz bei.

Der geübte Sportler kann’s

2 Wissenschaftler schicken einen Läufer mit Atemmaske los
Laufen unter medizinischer Überwachung

Danach ging es raus zum Joggen: Rund um einen kleinen See, pro Runde etwa einen Kilometer. Wieder mussten die Versuchspersonen die Atemmaske tragen. Drahtlos funkte das Gerät die Daten zu einem Laptop, auf dem die Wissenschaftler während des Laufes permanent verfolgen konnten, wie sich Herzschlag, Sauerstoffaufnahme, und Kohlenstoffdioxidabgabe veränderten. Aus den gemessenen Daten ließ sich dann zusammen mit den vorher erhobenen Werten des Grundumsatzes errechnen, wie viele Kalorien bei einer bestimmten Leistung verbrannt wurden. Nach ein paar Runden war klar: Marc muss etwas über 58 Minuten durchhalten, um die 596 Kalorien abzuarbeiten. Er ist recht fit und trainiert regelmäßig, so dass die Strecke für ihn kein Problem war. Sein Herzschlag veränderte sich nur wenig, und auch die Sauerstoffaufnahme blieb einigermaßen konstant. Mit anderen Worten: Er hielt sein Tempo relativ konstant, sodass er immer im optimalen Fettverbrennungs-Bereich blieb. Insgesamt reichten dann sogar schon gut 55 Minuten, bis Marc alle Kalorien aus dem Stück Sahnetorte verbrannt hatte.

Der Ungeübte schafft es nicht

erschöpfter Läufer wischt sich die Stirn
Kalorien zu verbrennen, kann ganz schön mühsam werden

Für Sadi errechneten sich anfangs ähnliche Werte wie für Marc. Nach ein paar Minuten Anlaufzeit kamen die Wissenschaftler auf eine Gesamtzeit von knapp unter 59 Minuten, die Sadi hätte laufen müssen, um 596 Kilokalorien zu verbrennen. Voraussetzung: Er hätte das Tempo und seine Anstrengung konstant durchhalten müssen. Doch offensichtlich ist diese Vorgabe für einen untrainierten Läufer zu hoch: Um durchzuhalten, muss immer mehr Arbeit aufgewendet werden. Die Herzfrequenz steigt stark an, und trotzdem schafft es das Herz irgendwann nicht mehr, den Muskeln genügend Sauerstoff bereitzustellen – sie holen sich dann ihre Energie nicht mehr aus dem Fett, sondern aus den Zuckervorräten des Körpers. Der Läufer hält die Belastung nicht lange durch und muss früher oder später aufgeben – in unserem Fall nach 38 Minuten. Da hatte Sadi erst knapp vier Fünftel seines Kuchenstücks abgearbeitet.

Mit mehr Übung klappt’s besser

Zwei Wissenschaftler am Laptop beobachten die Läufer
Laufen kann auch ohne wissenschaftliche Überwachung Spaß machen

Die größte Hürde beim Sport besteht darin, erst einmal anzufangen. Wie unser kleiner Vergleich gezeigt hat, wird gerade der ungeübte Läufer schnell frustriert, wenn er merkt, dass er sein Ziel nicht erreichen kann. Aber es gibt einen Trost: Hat man sich erst einmal aufgerafft, geht es danach immer besser – und fast sogar von selbst. Nach einer Stunde Joggen stellt sich nämlich noch ein Effekt ein, der beim Abtrainieren hilft: Der Körper verbraucht nach dem Laufen auch in Ruhe noch mehr Energie. Der angekurbelte stärkere Energieumsatz wird erst nach und nach wieder auf den Ruhewert zurückgefahren. Die Energiespeicher werden wieder aufgefüllt – und zwar aus den Fettreserven. Aber Vorsicht: Dieser Nachbrenneffekt kann durch Alkohol zunichte gemacht werden. Das Bier nach dem Training hebt den Effekt fast vollständig wieder auf.

Stichwörter

1 Spiroergometrie
Spiroergometrie (von lateinisch "spirare": atmen und griechisch "ergon" Arbeit, "metron": Maß) – gleichbedeutend mit Ergospirometrie – bedeutet: "Messung der Arbeit über die Atmung". Mit einer gut abdeckenden Atemmaske wird dabei gemessen, wie viel Sauerstoff der Patient einatmet und wie viel Kohlenstoffdioxid er ausatmet. Aus der Menge und dem Verhältnis der Gase lässt sich bestimmen, wie stark der Stoffwechsel arbeitet – wie viel Energie der Körper also umsetzt. Zurück zum Absatz
2 Grundumsatz
Der Energieverbrauch eines Menschen setzt sich zusammen aus dem Grundumsatz und dem Leistungsumsatz. Der Grundumsatz beschreibt die Energiemenge, die der Körper zum Erhalt der Lebensfunktionen wie Atmung oder Herzschlag bei absoluter Ruhe braucht – also zum Beispiel während des Schlafens. Der Grundumsatz kann individuell stark variieren, verändert sich im Laufe des Lebens und hängt unter anderem ab von Faktoren wie Größe, Gewicht, Alter und Geschlecht. Männer haben einen höheren Grundumsatz als Frauen. Als grobe Faustregel kann man etwa 1 Kilokalorie pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde ansetzen – ein 70 Kilogramm schwerer Mann verbraucht demnach 70 x 24 = 1680 Kilokalorien pro Tag. Die Energie, die er darüber hinaus aufwenden muss, um sich zu bewegen, zu arbeiten oder Sport zu treiben, nennt man Leistungsumsatz. Zurück zum Absatz
Autor:

Martin Rosenberg

Stand: 12.08.2010


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