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Lasern: Unterschätztes Risiko?

Niemand kennt die Spätfolgen

  • SendeterminDienstag, 06. Mai 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 10. Mai 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Foto: Augenärztliche Prüfung bei der Lufthansa: Junger
Mann vor rot leuchtendem Messgerät
Kein Laser für Pilotenaugen: Die Lufthansa hat Angst vor Folgeschäden

Schmerzfrei, unblutig und gleich wieder vorbei: Mit solch beruhigenden Slogans und einer angeblichen hohen Erfolgsquoten bewerben Laserkliniken und Chirurgen die Augenkorrektur mit Laserlicht. Ob kurz- oder weitsichtig, gelasert werden heute Sehschwächen von -10 bis +5 Dioptrien. Wer Pilot bei der Lufthansa werden will, darf nicht mehr als -3 oder +3 Dioptrien haben. Einige Bewerber hoffen, ihre Chancen durch eine Laseroperation zu erhöhen. Aber die Lufthansa beugt vor - mit gelaserten Augen hat man keine Chance. Die Fluggesellschaft befürchtet Spätfolgen. Denn bisher gibt es keine Langzeitstudien zu den verschiedenen Laser-Methoden. Niemand weiß, ob im Laufe eines Menschenlebens nicht doch Komplikationen auftreten, die bei einem Piloten zur Berufsuntauglichkeit führen könnten. Für die Lufthansa ist diese Ungewissheit ein zu großes Risiko – Piloten müssen gesunde Augen haben.

Die Technik ist noch jung

Gelasert wird erst seit Ende der 1980-er Jahre. Das bis heute am meisten verbreitete Verfahren, die sogenannte Lasik-Methode wird seit den 90-er Jahren in Deutschland angewendet. Dabei wird die äußere Schicht der Hornhaut erst mit dem Skalpell aufgeschnitten und umgeklappt, die eigentliche Laser-Korrektur erfolgt unter diesem Hornhautlappen. In den letzten Jahren wurden die Laser-Verfahren immer mehr verfeinert, außerdem kamen neue Techniken wie zum Beispiel die Femto-Lasik dazu. Dabei erfolgt auch der Schnitt in die Hornhaut, mit dem die Operation vorbereitet wird, per Laser statt Skalpell. Das schließt nahezu aus, dass der Hornhautlappen beim Ablösen beschädigt wird. Außerdem ist die Infektionsgefahr kleiner. Einerseits sind diese neuen Verfahren eine positive Entwicklung, weil sie immer präzisere, risikoärmere Eingriffe ermöglichen. Andererseits gibt es bei einer ganz neuen Methode natürlich erst recht keine Langzeiterfahrungen.

Irreversible Schäden treten auf

Denn jedes Gewebe reagiert anders auf den Laser. In 5 bis 15 Prozent der Fälle ist eine zweite Operation notwendig. Häufig liegt das am Heilungsprozess selbst. Dabei siedeln sich bei einigen Patienten undurchsichtige Zellen auf dem gelaserten Auge an. Bei Weitsichtigen passiert das häufiger als bei Kurzsichtigen. Dieser Effekt ist nicht vorhersagbar, da der Heilungsprozess von Mensch zu Mensch unterschiedlich verläuft. Tatsache ist auch: Die Hornhaut ist nach dem Lasern nicht mehr so stabil wie vorher. Der Hornhautlappen, der beim Lasik-Verfahren während der Operation aufgeklappt wird, wächst nie mehr richtig in das umliegende Gewebe ein. Zwar scheint es nicht so, als ob sich das nachteilig auf die Sehkraft auswirkt – aber ob es wirklich harmlos ist, weiß man ebenso wenig. Fest steht, dass sich bei bis zu 2 Prozent der Gelaserten die Sehleistung nach der Operation verschlechtert – und das ist dann nicht mehr rückgängig zu machen.

TÜV für Laserkliniken

Foto: Totale von Augen-OP
Je höher die Fehlsichtigkeit vor der Operation, desto höher ist das Risiko einer Sehverschlechterung danach

Darüber hinaus sehen 10 bis 20 Prozent der Patienten nach dem Eingriff wochen- oder gar monatelang wesentlich schlechter als vorher. Denn nach der Operation werden die gelaserten Augen für einige Zeit extrem trocken, das behindert die Sehkraft. Auch Kontrastschwächen und Nachtsichtprobleme gibt es bei einigen Gelaserten. Je höher die Fehlsichtigkeit vor der Operation war, desto höher ist das Risiko solcher Seheinschränkungen. Deshalb sind gründliche Voruntersuchungen und eine individuelle Beratung vor einer Laserung extrem wichtig. Entscheidend ist dabei die Auswahl des Operateurs: Je mehr Erfahrung er mit dem Lasern hat, desto besser. Ein Verband lässt sogar den TÜV bestätigen, dass seine Mitglieder nach höchsten Standards arbeiten: Beim Verband der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie (VSDAR) prüft der TÜV Augenkliniken und Arztpraxen auf chirurgische Erfahrung, technischen Fortschritt und hygienische Zustände. Da der Markt stark umkämpft ist, soll das Prüfsiegel den im VSDAR organisierten Augenlaserfirmen helfen, sich von anderen Anbietern abzuheben.

Von wegen "Leben ohne Brille"

Nicht alle Gelaserten sind mit dem Ergebnis zufrieden. Rund 2 Prozent brauchen auch danach noch eine Brille, um in der Ferne gut zu sehen. Die angestrebte hundertprozentige Sehschärfe wird sogar bei etwa einem Drittel der Operierten nicht erreicht. Viele dieser Patienten müssen dann zumindest beim Autofahren weiter eine Brille tragen. Einige lassen sich dann ein zweites Mal operieren, was dann sogar meistens hilft: Manche haben nach dem zweiten Eingriff sogar mehr als 100 Prozent Sehkraft. Allerdings nützt das im Alltag wenig - 70 Prozent Sehkraft reicht für das normale Leben vollkommen aus, zum Beispiel für den Führerschein. Was stimmt, ist, dass die Mehrheit der Gelaserten die Brille öfter im Etui lassen kann. Aber ein Leben komplett ohne Brille, wie es die Laser-Werbung oft verspricht, gibt es nicht.

Irgendwann trifft es jeden

Foto: Auge nah
Das Auge verändert sich ein Leben lang – ob operiert oder nicht

Zwischen 40 und 50 kommt unweigerlich die Altersweitsichtigkeit. Sie entsteht, weil die Linse im Auge starrer und härter wird. Das Organ ist nicht mehr elastisch genug, um sich reibungslos von Fernsicht auf Nahsicht umzustellen. Und spätestens dann brauchen auch alle Gelaserten wieder eine Brille - selbst die, bei der Operation 100 Prozent Sehschärfe und mehr erreicht haben. Zwar werden mittlerweile auch in Deutschland Laser-Verfahren angeboten, die neben Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Hornhautverkrümmung auch die Altersweitsichtigkeit bekämpfen und damit auch die Lesebrille endgültig überflüssig machen sollen. Aber bisher halten diese Methoden nicht das, was sie versprechen.

Autor:

Ilka aus der Mark

Stand: 10.04.2007


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