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Sendung vom 06. Mai 2008
Wenn das Auge altert
Grauer Star, Altersweitsichtigkeit oder Sehbehinderung durch Alterszucker – wenn der Mensch altert, leiden die Augen oft extrem. Die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen ist ebenfalls eine typische Alterserscheinung: die Makuladegeneration. Die Zahl der Betroffenen nimmt rasant zu, weil die Menschen immer älter werden. Eine völlige Heilung ist bislang nicht in Sicht, auch wenn die Zusammenhänge bei dieser Krankheit Stück für Stück ergründet werden. Trotz starker Hinweise auf die Ursachen und den Verlauf bleibt die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) eine Bedrohung, die rund jeden Dritten im Alter betrifft.
Die Krankheit betrifft die Netzhaut, eine zentrale Schaltstelle des Auges. Auf der Netzhaut sitzen rund 127 Millionen Lichtrezeptoren, die das eintreffende Licht empfangen, nachdem es Hornhaut, Linse und Glaskörper durchquert hat. Ohne Netzhaut kein Sehen – und mitten auf der Netzhaut gibt es ein spezialisiertes Areal, die Makula, auch bekannt als der "gelbe Fleck".
Dieser winzige Punkt auf der Netzhaut ist mit seinen 147.000 Sehzellen pro Quadratmillimeter zuständig für das wesentliche Sehen: Lesen, Erkennen von Gesichtern und feinen Einzelheiten, Unterscheiden von Farben. Die gesamte restliche Netzhaut nimmt hauptsächlich Umrisse und Hell-Dunkel-Kontraste wahr.
Beim gesunden Auge herrscht in der Makula ein reger Stoffwechsel, durch den die Sehzellen mit Nährstoffen versorgt werden. Mit dem Alter, meist ab dem 50. Lebensjahr, kann es dabei zu Störungen kommen: Unter der Netzhaut entstehen dann Ablagerungen, die Sehzellen sterben langsam ab und in manchen Fällen wuchern sogar Blutgefäße ins Auge – diese Erscheinungen bezeichnet man als altersabhängige Makuladegeneration kurz AMD. Die Folge ist, dass man im Zentrum des Gesichtfeldes nur noch einen verschwommenen oder verzerrten Blick hat, oder sogar nur noch einen verschwommenen Fleck sieht.
Da bei dieser Krankheit ausschließlich die Makula in der Mitte der Netzhaut betroffen ist, bleibt das äußere Gesichtsfeld erhalten: Man kann beispielsweise erkennen, dass man eine Uhr vor sich hat, kann sie aber nicht mehr ablesen, da die Bildmitte verschwindet.
Es gibt zwei Formen der AMD: die trockene und die feuchte. Die trockene Form ist weitaus häufiger und betrifft 85 Prozent der Patienten.
Sie entsteht dadurch, dass sich zwischen den Sehzellen und der Aderhaut Ablagerungen von Stoffwechselprodukten ansammeln. Die reichern sich immer mehr an und verhindern die Nährstoffzufuhr für die Stäbchen und Zapfen der Makula. Dies kann dazu führen, dass die Sehzellen absterben, und aus dem betroffenen Bereich keine Informationen mehr ins Gehirn weitergeleitet werden können. Das Sehzentrum im Gehirn kann dann kein Bild mehr erzeugen - es bleibt nur ein verschwommener Bereich im Zentrum des Blickfeldes. Er ist umso größer, je mehr Sinneszellen abgestorben sind.
Bei rund 15 Prozent der Betroffenen kommt es zusätzlich zu unkontrollierten Blutgefäßwucherungen ins Auge. Denn die kranke Makula schreit förmlich nach Nährstoffen, sobald deren Zufuhr wegen der Ablagerungen unterbrochen ist. Der Körper reagiert auf dieses Notsignal, indem er im Blut einen Wachstumsfaktor ausschüttet, der neue Blutgefäße wachsen lässt, damit mehr Nährstoffe zu den bedrohten Sehzellen kommen. Eigentlich die richtige Reaktion – doch sind die neuen Adern oft undicht, Blut gelangt in die Netzhaut. Sie schwillt an, oder eine Narbe entsteht. Dadurch sterben auch bei der feuchten Form der AMD die entscheidenden Sehzellen ab.
In der Regel ist die AMD ausschließlich altersbedingt. Dass immer mehr Menschen betroffen sind, hängt damit zusammen, dass viele Menschen sehr alt werden. Doch kennt man inzwischen auch andere Faktoren, die die Krankheit ausbrechen lassen: Forscher haben drei Gene entdeckt, auf denen bestimmte Veränderungen offensichtlich dazu beitragen, dass man anfällig für die AMD ist. Zudem weiß man, dass Männer weit weniger gefährdet sind als Frauen. Sie haben mehr Pigmente in der Makula, die, wie es scheint, vor der Krankheit schützen.
Zum Glück bleibt den meisten Betroffenen das Schlimmste erspart: Auch wenn die gesamte Makula durch die Krankheit zerstört wird und ihre Funktion nicht mehr erfüllen kann, bleibt die restliche Netzhaut erhalten. Dies bedeutet, dass zwar die zentrale Sehschärfe des Auges verloren gehen kann, doch immerhin bleibt das äußere Gesichtsfeld erhalten. In schweren Fällen kann aber die Sehschärfe insgesamt auf weniger als zwei Prozent absinken. Man ist dann nahezu blind - Lesen oder Autofahren ist nicht mehr möglich, denn man sieht nur noch einen schwachen Bildrand. Dann hat der Patient Anspruch auf das gesetzliche Blindengeld.
Wirklich heilen kann man die AMD leider noch nicht. Doch gibt es
Behandlungsverfahren, mit denen die Krankheit aufgehalten oder
zumindest verlangsamt werden kann:
Medikamente, die direkt in den Augapfel
injiziert werden, können bei der feuchten Form die Bildung der
Gefäßwucherungen unterdrücken. In den frühen
Stadien der feuchten AMD wird auch die Photodynamische Therapie
(PDT) angewendet. Dabei wird zunächst eine Substanz in die
Armvene gespritzt, die die Gefäßwucherungen im Auge
für einen Laserstrahl empfindlich macht. Mit dem Laser
können die undichten Stellen dann verödet werden. Auch
andere medizinische Verfahren, wie eine Operation der Makula,
werden erprobt.
Jeder kann im höheren Alter betroffen sein, doch gibt es einige Dinge, die man selbst tun kann, um das Risiko zu verringern. Wer etwa raucht, schädigt sein Auge auf jeden Fall. Nichtraucher haben weitaus bessere Chancen, dass ihre Makula gesund bleibt. Auch hoher Blutdruck ist gefährlich – Faktoren, die den Blutdruck erhöhen, vor allem Übergewicht, sollte man also ausschalten. Ein Nachweis, dass bestimmte Nährstoffe Einfluss auf den Verlauf einer AMD-Erkrankung haben, konnte eine Studie in den USA erbringen: Über 4000 Patienten im Alter zwischen 55 und 80 Jahren bekamen täglich einen Cocktail aus Vitamin C (500mg), Vitamin E (400IE), Beta-Karotin (15mg), Zink (80mg) und Kupfer (2mg). Zum Teil konnte die AMD damit gestoppt oder wesentlich verlangsamt werden.
Noch ist die optimale Dosierung zur Vorbeugung nicht ganz sicher, doch fest steht, dass die AMD durch Ernährung beeinflusst werden kann. Dazu gibt es weitere Studien; im Zentrum stehen Karotinoide – sekundäre Pflanzenstoffe, die in Karotten, Mais und vor allem in dunkelgrünem Gemüse vorkommen. Untersuchungen weisen darauf hin, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Menge dieser Karotinoide im Blut und dem Erkrankungsrisiko gibt. Viel Gemüse könnte also den Augen nützen: Grünkohl, roher Spinat, Petersilie, Mais, grüne Bohnen und Karotten liefern den richtigen Vitamin-Mix.
Anne Götz
Stand: 10.04.2007
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