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Sendung vom 27. Mai 2008
Der kalte Krieg ums Öl
Im August 2007 rammen die Russen im Arktischen Ozean in 4.261 Metern Tiefe ihre Flagge in den Meeresboden. Stolz präsentieren sie die Bilder der Weltöffentlichkeit. Sie wollen zeigen, dass ihnen der größte Teil der Arktis gehört und damit natürlich auch ihre Bodenschätze. Eine amerikanische Studie geht davon aus, dass in der von den Russen beanspruchten Region bis zu 10 Milliarden Tonnen Öl und Gas liegen, also etwa ein Viertel der weltweiten Öl- und Gasressourcen. Die Ölindustrie will an diese Schätze herankommen. Und die Umstände sprechen dafür, dass dies auch gelingen könnte: Durch den Klimawandel schmelzen die Polarkappen und lassen die Region zugänglicher werden. Durch den hohen Ölpreis lohnt es sich immer mehr mit teurer moderner Fördertechnik in immer größere Tiefen vorzudringen. Durch seine Aktion beansprucht Russland den Nordpol für sich und fordert neue Grenzen. Kanada, Dänemark, die USA und Norwegen reagieren empört und lehnen die Forderung ab.
Die Fahnenaktion der Russen gefällt den anderen
Arktis-Anrainern Kanada, USA, Dänemark und Norwegen gar nicht.
Sie erheben ebenfalls Gebietsansprüche. Anders als die
Antarktis ist die Nordpolregion nicht vertraglich geschützt.
In dem Eismeer gilt das
internationale Seerecht. Es regelt auch die
Gebietsansprüche. Vom Festland aus gemessen, kann eine Nation
200 Meilen (etwa 370 Kilometer) Richtung offene See für sich
beanspruchen und somit wirtschaftlich nutzen. Dieses Gebiet kann
aber auch noch ausgedehnt werden, wenn ein Land nachweist, dass
sich sein Festlandsockel im Meer weiter fortsetzt. Russische
Geologen behaupten nun, das der Lomonossow-Rücken – ein
1.800 Kilometer langer Gebirgszug unter Wasser – Teil des
sibirischen Festlands ist. Und sie schlussfolgern daraus, dass der
Nordpol zu Russland gehört.
Die Dänen sehen das anders. Sie gehen davon aus, dass der Lomonossow-Rücken ein Fortsatz Grönlands ist. Die Insel steht seit 1814 unter dänischer Verwaltung. Es gibt aber auch eine dritte Möglichkeit. Es ist aber durchaus auch denkbar, dass sich der Gebirgszug durch die Bewegung der Kontinentalplatten vom Festland gelöst hat und somit keinem gehört. Den Streit um den Nordpol beobachten Kanada, die USA und Norwegen mit großer Sorge. Sie befürchten, dass der Konflikt auch militärisch eskalieren könnte. Die kanadische Regierung kündigte bereits an, einen neuen Polarhafen zu bauen und will bis zu acht polartaugliche Kriegsschiffe kaufen - eine Investition von umgerechnet mehr als 4 Milliarden Euro. Vor allem die Russen wollen die Kanadier mit ihrer Fahnenaktion abschrecken.
Entschieden wird der Streit von den Vereinten Nationen. Schon
2001 hatte Russland dort vorsorglich seine Besitzansprüche auf
die Arktis angemeldet. Zurzeit werden die Grenzen noch durch die
Genfer
Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels
(CLCS) von 1958 bestimmt. Russland fordert, dass der alte Vertrag
geändert wird und der Nordpol ihnen zugesprochen wird.
Wissenschaftler und Geologen sind jetzt gefragt. Die UN verlangt
vor einer Änderung von den Anrainern eindeutige
wissenschaftliche Beweise, dass ihr Festlandsockel tatsächlich
bis zum Pol reicht. Bis dahin gilt die Region als internationales
Gewässer, das von der internationalen Meeresbehörde in
Kingston, Jamaika, verwaltet wird.
Der internationale Vertrag wird auch UN-Seerechtskonvention genannt. Er regelt das Recht auf dem Meer und ist das Gesetzbuch für die Ozeane. 155 Staaten haben ihn bislang unterzeichnet, darunter auch Deutschland. Es gibt beim Seerecht drei Rechtszonen:
Die 12-Seemeilen-Zone
Sie gehört zum Staatsgebiet. Das jeweilige Land muss zivilen
Schiffen die friedliche Durchfahrt erlauben.
Die 24-Seemeilen-Zone
In diesem Bereich gilt noch das Hoheitsrecht des jeweiligen
Landes, wie zum Beispiel die Zoll- und
Einwanderungsbestimmungen.
Die 200-Seemeilen-Zone
In dieser Wirtschaftzone dürfen Staaten alle Schätze des Meeres und
Bodens nutzen. Sie erweitert sich um 150 Seemeilen, wenn sich der
Festlandsockel weiter als 200 Seemeilen ins Meer erstreckt.
Michael Ringelsiep
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