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Der kalte Krieg ums Öl

Die Arktis taut und löst ein Wettrennen um ihre Bodenschätze aus

  • SendeterminDienstag, 27. Mai 2008, 21.00 - 21.45 Uhr.
  • WiederholungsterminSamstag, 31. Mai 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Eisschollen treiben auf dem Meer
Die Arktis wird zugänglich - die polare Eiskappe ist nur noch halb so groß wie vor 50 Jahren

Im August 2007 rammen die Russen im Arktischen Ozean in 4.261 Metern Tiefe ihre Flagge in den Meeresboden. Stolz präsentieren sie die Bilder der Weltöffentlichkeit. Sie wollen zeigen, dass ihnen der größte Teil der Arktis gehört und damit natürlich auch ihre Bodenschätze. Eine amerikanische Studie geht davon aus, dass in der von den Russen beanspruchten Region bis zu 10 Milliarden Tonnen Öl und Gas liegen, also etwa ein Viertel der weltweiten Öl- und Gasressourcen. Die Ölindustrie will an diese Schätze herankommen. Und die Umstände sprechen dafür, dass dies auch gelingen könnte: Durch den Klimawandel schmelzen die Polarkappen und lassen die Region zugänglicher werden. Durch den hohen Ölpreis lohnt es sich immer mehr mit teurer moderner Fördertechnik in immer größere Tiefen vorzudringen. Durch seine Aktion beansprucht Russland den Nordpol für sich und fordert neue Grenzen. Kanada, Dänemark, die USA und Norwegen reagieren empört und lehnen die Forderung ab.

Der Festlandsockel unter Wasser regelt die Grenze

Grafik vom Lomonossow-Rücken
Der Lomonossow-Rücken: Wer ihn besitzt, kontrolliert den Nordpol

Die Fahnenaktion der Russen gefällt den anderen Arktis-Anrainern Kanada, USA, Dänemark und Norwegen gar nicht. Sie erheben ebenfalls Gebietsansprüche. Anders als die Antarktis ist die Nordpolregion nicht vertraglich geschützt. In dem Eismeer gilt das Stichwortinternationale Seerecht. Es regelt auch die Gebietsansprüche. Vom Festland aus gemessen, kann eine Nation 200 Meilen (etwa 370 Kilometer) Richtung offene See für sich beanspruchen und somit wirtschaftlich nutzen. Dieses Gebiet kann aber auch noch ausgedehnt werden, wenn ein Land nachweist, dass sich sein Festlandsockel im Meer weiter fortsetzt. Russische Geologen behaupten nun, das der Lomonossow-Rücken – ein 1.800 Kilometer langer Gebirgszug unter Wasser – Teil des sibirischen Festlands ist. Und sie schlussfolgern daraus, dass der Nordpol zu Russland gehört.

Kanada rüstet auf

Eine Gesteins-Bohrung in der Arktis
Gesteinsproben sollen klären, wem der Lomonossow-Rücken gehört

Die Dänen sehen das anders. Sie gehen davon aus, dass der Lomonossow-Rücken ein Fortsatz Grönlands ist. Die Insel steht seit 1814 unter dänischer Verwaltung. Es gibt aber auch eine dritte Möglichkeit. Es ist aber durchaus auch denkbar, dass sich der Gebirgszug durch die Bewegung der Kontinentalplatten vom Festland gelöst hat und somit keinem gehört. Den Streit um den Nordpol beobachten Kanada, die USA und Norwegen mit großer Sorge. Sie befürchten, dass der Konflikt auch militärisch eskalieren könnte. Die kanadische Regierung kündigte bereits an, einen neuen Polarhafen zu bauen und will bis zu acht polartaugliche Kriegsschiffe kaufen - eine Investition von umgerechnet mehr als 4 Milliarden Euro. Vor allem die Russen wollen die Kanadier mit ihrer Fahnenaktion abschrecken.

Das letzte Wort hat die UN

Entschieden wird der Streit von den Vereinten Nationen. Schon 2001 hatte Russland dort vorsorglich seine Besitzansprüche auf die Arktis angemeldet. Zurzeit werden die Grenzen noch durch die Genfer StichwortKommission zur Begrenzung des Festlandsockels (CLCS) von 1958 bestimmt. Russland fordert, dass der alte Vertrag geändert wird und der Nordpol ihnen zugesprochen wird. Wissenschaftler und Geologen sind jetzt gefragt. Die UN verlangt vor einer Änderung von den Anrainern eindeutige wissenschaftliche Beweise, dass ihr Festlandsockel tatsächlich bis zum Pol reicht. Bis dahin gilt die Region als internationales Gewässer, das von der internationalen Meeresbehörde in Kingston, Jamaika, verwaltet wird.

Stichwörter

1 Das internationale Seerecht

Der internationale Vertrag wird auch UN-Seerechtskonvention genannt. Er regelt das Recht auf dem Meer und ist das Gesetzbuch für die Ozeane. 155 Staaten haben ihn bislang unterzeichnet, darunter auch Deutschland. Es gibt beim Seerecht drei Rechtszonen:

Die 12-Seemeilen-Zone
Sie gehört zum Staatsgebiet. Das jeweilige Land muss zivilen Schiffen die friedliche Durchfahrt erlauben.

Die 24-Seemeilen-Zone
In diesem Bereich gilt noch das Hoheitsrecht des jeweiligen Landes, wie zum Beispiel die Zoll- und Einwanderungsbestimmungen.

Die 200-Seemeilen-Zone
In dieser Wirtschaftzone dürfen Staaten alle Schätze des Meeres und Bodens nutzen. Sie erweitert sich um 150 Seemeilen, wenn sich der Festlandsockel weiter als 200 Seemeilen ins Meer erstreckt.

Zurück zum Absatz
2 Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels (CLCS)
Die Festlandsockel-Kommission besteht aus 21 Geologen und Hydrologen, die für fünf Jahre von der Versammlung der Vertragsstaaten gewählt werden. Sie prüfen, ob die Anträge auf Anerkennung eines Festlandsockels wissenschaftlich belegt sind. Im Falle der Arktis hat Russland bereits 2001 einen solchen Antrag eingereicht. Kanada, Dänemark und Norwegen haben angekündigt, ihre Anträge nachzureichen. Nach der Prüfung aller Unterlagen wird die Kommission eine Empfehlung abgeben. Entscheiden muss dann die UN. Wird man sich nicht einig, bleiben drei Wege: Die Staaten ziehen vor das Internationale Seegericht in Hamburg, vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag oder vor ein von ihnen aufgestelltes Schiedsgericht. Zurück zum Absatz
Autor:

Michael Ringelsiep


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