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Quarks & Co
Sendung vom 03. Juni 2008
Pumpen bis in Ewigkeit
Die unterirdische Landschaft des Ruhrgebiets ist aufgrund des Bergbaus an vielen Stellen regelrecht ausgehöhlt. Im sechsten Untergeschoss des Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop zum Beispiel gibt es ein gewaltiges, insgesamt 123 Kilometer langes Tunnelsystem. Und das ist nur der kleinste Teil, der zugänglich ist. Die alten Strecken in den höheren Stockwerken sind verschlossen und stillgelegt. Und im Ruhrgebiet gibt es nicht nur die Zeche Prosper-Haniel, sondern noch fünf weitere aktive Bergwerke und außerdem Hunderte von stillgelegten Zechen. Vieles ist miteinander verbunden. Je weiter man nach Norden kommt, desto tiefer liegen die unterirdischen Strecken.
Quarks & Co wollte wissen, wie weit man unterirdisch vom Bergwerk Prosper-Haniel aus kommt und hat beim Bergamt der Bezirksregierung Arnsberg nachgefragt. Dort lagern Tausende alter Pläne über Hohlräume im Untergrund des Ruhrgebiets. Das Ergebnis: Abgesehen von einigen Mauern, die man durchbrechen müsste, käme man von Prosper – Haniel aus unter Tage bis nach Mülheim an der Ruhr.
Auch über Tage hinterlässt der Steinkohleabbau Spuren. 2007 wurden von der Deutschen Steinkohle AG 21 Millionen Tonnen abgebaut. Diese Menge entspricht in etwa 323.000 Güterwagons. Hinzu kommt noch einmal in etwa dieselbe Menge an nutzlosem Gestein, das mit zutage gefördert wird. So manch begrünter Berg zwischen Ruhr und Lippe besteht aus solchem Bergematerial von unter Tage. Wenn sich unten im Bergwerk das Gestein zwei Meter absenkt, dann pflanzt sich das über 1000 Meter langsam nach oben fort. Die Erdoberfläche sackt, doch die Menschen merken oft nichts davon. Ganz Essen hat sich beispielsweise in den letzten 100 Jahren um zum Teil 20 Meter unmerklich abgesenkt. Aber an manchen Stellen macht sich der Bergbau eben doch auch überirdisch bemerkbar. Das sind die Bereiche, in denen im Gestein des Untergrunds enorme Spannungen entstehen: im Zentrum, wo das Material gestaucht wird, und an den Rändern der Mulde, wo es gezerrt wird. Gebäude, die an solchen Stellen stehen, bekommen Risse. Es kann durchaus auch zu Totalschäden kommen. Die Kosten für die Ausbesserung oder den Neubau eines Hauses muss die Ruhrkohle AG (RAG) tragen. In gefährdeten Neubaugebieten zahlt sie auch vorbeugende Maßnahmen zur Sicherung des Hauses.
Und es gibt noch ganz andere Schwierigkeiten: Wenn nämlich der Berg und mit ihm die Erdoberfläche absackt, rückt der Grundwasserspiegel immer weiter nach oben. Das führt nicht nur in bewohnten Gebieten zu Problemen, sondern auch in landwirtschaftlichen Bereichen und Waldgebieten. Die einzige Möglichkeit, das Wasser wieder zu senken, ist pumpen - und zwar auf Dauer.
Die durch den Steinkohleabbau verursachten Landsenkungen bringen auch die Fließrichtung von Flüssen und Bächen in Unordnung. Das Problem ist: Die Oberfläche sackt, aber der Fluss, in den der Bach münden soll, wird mit Deichen oben gehalten. Der Bach kann also nicht mehr abfließen und benötigt nun ein eigenes Pumpwerk. Die Pumpen müssen so stark sein, dass sie auch noch bei sehr viel Regen den Bach nach oben befördern können. Das Ruhrgebiet ist von Pumpen abhängig: Jährlich werden 900 Millionen Kubikmeter Wasser in Rhein und Ruhr gepumpt. Das ist der Wasserverbrauch aller privaten Haushalte in NRW, oder in 56 Jahren so viel, wie das Wasser im Bodensee. Für Wasserpumpen und Schäden an Häusern zahlt die Ruhrkohle AG jährlich 200 Millionen Euro, allein im Ruhrgebiet und am Niederrhein. Diese Kosten müssen in den Preis der Kohle mit eingerechnet werden.
Reinhart Brüning
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