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Tod durch Masern

Gefährliche Kinderkrankheit

  • SendeterminDienstag, 10. Juni 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 14. Juni 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Foto: Flur mit Schülern; Rechte: WDR
Die Masern hatten unter den 1000 Schülern der Gesamtschule leichtes Spiel

Im Jahr 2006 gab es nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts in Deutschland 2.307 Maserninfektionen. Über die Hälfte davon, nämlich 1.749 in Nordrhein-Westfalen. Allein die Stadt Duisburg hatte 614 Fälle, es war eine regelrechte Epidemie. Die Gesamtschule Duisburg-Süd war besonders betroffen: Im April 2006 bekamen einige Schüler die Masern, schnell infizierten sich Dutzende von Jugendlichen. Etliche hatten über Wochen hinweg mit einem schweren Verlauf zu kämpfen. Neben dem fleckigen Ausschlag machten ihnen großes allgemeines Unwohlsein und hohes Fieber zu schaffen. Experten des Robert Koch-Instituts untersuchten, warum es zu dem Ausbruch gekommen war. Ergebnis: Ganze Jahrgänge waren nicht oder nur unzureichend geimpft. Zum Glück überstanden alle Jugendlichen die Epidemie.

Säuglinge sind der Gefahr schutzlos ausgeliefert

Foto: Röntgenaufnahmen von Joels Gehirn; Rechte: WDR
Aufnahmen vom Gehirn des kleinen Joel. Der Arzt zeigt die schweren Entzündungsherde

Anders war das bei Säuglingen, die sich ebenfalls in Duisburg ansteckten. Bei sehr kleinen Kindern ist die Blut-Hirn-Schranke, die natürliche Schutzbarriere zwischen Gehirn und Blutkreislauf, noch nicht ausgereift und so kann es leicht passieren, dass die gefährlichen Masernviren ins Gehirn vordringen. Dort führen sie zu einer schweren Entzündung, die bei Babys häufig tödlich verläuft - so wie bei dem kleinen Joel im Film. Er steckte sich während des Duisburger Masernausbruchs wahrscheinlich in der Familie an. Nach kurzer Zeit kündigten epileptische Anfälle an, dass sein Gehirn geschädigt war. Es ging ihm immer schlechter, wahrscheinlich konnte er zuletzt weder sehen noch hören. Auch sein Immunsystem war dramatisch geschwächt. Im April 2007 starb Joel an den Folgen der Maserninfektion. Eine Impfung kam für ihn nicht in Frage – erst ab dem Alter von 11 Monaten kann man Kinder gegen Masern impfen. Gerade Säuglinge sind deshalb darauf angewiesen, dass Menschen in ihrer Umgebung einen kompletten Impfschutz haben, so dass sie die ungeschützten Kinder nicht anstecken.

Ausbruch erst nach Jahren

Erst seit relativ kurzer Zeit ist bekannt, dass es bei den Masern auch zu einer Spätfolgeerkrankung kommen kann, die erst Jahre nach der eigentlichen Infektion ausbricht. Es handelt sich dabei um eine besonders schwere Form einer Gehirnentzündung (SSPE: Subakute sklerotisierende Panenzephalitis). Auch in diesem Fall dringen die Masernviren bei Säuglingen und Kleinkinder bis in das Gehirn vor. Das Tückische ist, dass sie dort mehrere Jahre unbemerkt ruhen können. Erst nach vier bis zehn Jahren werden dann erste Symptome bemerkbar. Der neunjährige Micha hatte sich als Säugling mit Masern angesteckt, entwickelte sich danach jedoch bis zu seinem fünften Lebensjahr ganz normal. Die Krankheit war sozusagen eingeschlafen. Doch später brach die Gehirnentzündung aus. Heute sitzt Micha, der früher ein sportlicher, lebensfroher Junge war, im Rollstuhl. Wie lange er noch leben wird, ist ungewisse, da sich die fortlaufende Schädigung des Gehirns auf alle seine wichtigen Körperfunktionen auswirkt – die Spätform der Gehirnentzündung SSPE ist nicht heilbar.

Bösartige Masern-Variante bleibt oft unentdeckt

Foto: Junge im Rollstuhl; Rechte: WDR
Micha, 9 Jahre, kann nicht mehr laufen. Bei ihm brach die Variante SSPE 4 Jahre nach der Maserninfektion aus

Aktuell sind in der Bundesrepublik 14 Fälle von SSPE bekannt. Doch wie viel Spätinfektionen es wirklich gibt ist unklar. Denn das Ausmaß dieser schlimmen Folge der Maserninfektion, war lange Zeit nicht bekannt, oftmals wurden Fehldiagnosen gestellt. Noch gibt es für SSPE keine Meldepflicht. Bisher ging man davon aus, dass es unter einer Million Masernpatienten ein bis zwei SSPE-Fälle gibt. Neue Untersuchungen aus England und den USA sprechen jedoch für ein Verhältnis von 1:10.000 bei Kindern, die sich nach dem ersten Lebensjahr mit dem Virus angesteckt haben. Bei Säuglingen unter einem Jahr geht man mittlerweile schon von einem Verhältnis von 1:5000 aus. Da die Hirnentzündung früher oft nicht als Spätfolge der Masern erkannt wurde, hat man sie der Krankheit auch nicht zugeordnet. Dank verbesserter diagnostischer Methoden muss man davon ausgehen, dass die Zahlen in Zukunft noch weiter nach oben korrigiert werden müssen.

Heute gibt es dank Hirnwasseruntersuchung gute Nachweismöglichkeiten, die eine Maserninfektion als Ursache deutlich machen.

Konsequentes Impfen

Die Masern in Weilheim

Um die Masern und ihre schlimmen Folgen einzudämmen, kommen nur konsequente Impfprogramme in Frage. So handhabt es die USA, so verfahren aber auch 13 afrikanische Länder mit Erfolg: Viele Länder gelten als masernfrei. In den skandinavischen Ländern dürfen ungeimpfte Kinder gar nicht erst in die Schulen aufgenommen werden. Epidemien wie in Duisburg sind dort undenkbar.

Autor:

Wolfgang Huhn


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