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Quarks & Co
Sendung vom 05. August 2008
Es fühlt sich einfach gut an!
Es ist fast wie ein Drogenrausch. Der Anblick eines schönen
Menschen versetzt uns augenblicklich in ein Hochgefühl –
umso mehr, wenn uns der andere direkt in die Augen schaut und dann
auch noch lächelt: Schönheit aktiviert das
Belohnungszentrum und bewirkt, dass dort
Glücksbotenstoffe ausgeschüttet werden. Dabei sind
dieselben Hirnregionen aktiv, die auch bei anderen Lustempfindungen
reagieren. Ein schöner Anblick wirkt im Kopf also ganz
ähnlich, als würden wir gerade etwas besonders Leckeres
essen, Sex haben oder Drogen zu uns nehmen.
Es muss noch nicht einmal der echte Mensch sein. Der Anblick eines Fotos reicht und das Belohnungssystem springt an - so als stünde die Person vor uns. Das haben Neurowissenschaftler in Experimenten bewiesen. Einige Experimente zeigten auch, dass der Kick nur kommt, wenn der Mensch auf dem Foto direkt in die Kamera blickt, also den Betrachter scheinbar fixiert und dabei lächelt. Wenn die Person auf dem Bild sich vom Betrachter abwendet oder einen neutralen Gesichtsausdruck zeigt, gerät das Hirn nicht in Wallung. Nach Forschungsergebnissen des Gehirnspezialisten Knut Kampe ist die Reaktion des Belohnungssystems sogar unabhängig davon, welches Geschlecht der Betrachter und die betrachtete Person haben: Das Belohnungssystem einer Frau reagiert laut Kampe also auch bei einem Bild von einer attraktiven Frau mit Glücksgefühlen; umgekehrt reagieren auch Männer auf Bilder von attraktiven Männern. Andere Wissenschaftler teilen diese Meinung nicht: Ein Züricher Forscherteam fand heraus, dass heterosexuelle Frauen und homosexuelle Männer intensiver auf den Anblick attraktiver Männergesichter als auf attraktive Frauengesichter reagieren.
Macht diese Reaktion des Gehirns auf Schönheit Menschen
verführbar und beeinflussbar? Zum Beispiel für die
Wirkung von Werbung, die häufig lächelnde, attraktive
Gesichter verwendet um Produkte anzupreisen? Welche Werbeanzeigen
im Belohnungszentrum am besten ankommen, wollte eine Gruppe um
Neurowissenschaftler Michael Deppe in Münster genauer wissen.
Die Wissenschaftler baten 22 Probanden, sich in einen
Kernspintomografen zu legen und sich
Werbeanzeigen anschauen. Mit einer Tastatur sollten die Probanden
die Anzeigen bewerten, gleichzeitig zeichnete der Kernspintomograf
Bilder ihrer Hirnaktivität auf. So können die Forscher
dem Gehirn der Probanden bei der Arbeit zusehen und registrieren,
wann das Belohnungssystem aktiv ist.
Wie erwartet, aktivierten die lächelnden Gesichter von Models das Belohnungszentrum der Testteilnehmer. Doch auch luxuriöse Gegenstände wie ein schicker Sportwagen, ein schöner Ring oder eine teure Uhr bekamen von den Probanden per Tastatur die Wertung „schön“ – und dabei war ihr Belohnungszentrum aktiv. Die Wirkung einer bestimmten Anzeige mit einem schicken Sportwagen übertraf dabei sogar noch die Wirkung der hübschen Gesichter. Dieses Ergebnis ist nicht trivial – denn dasselbe System im Gehirn, das auf Schönheit reagiert, motiviert uns auch zum Handeln: Das Belohnungssystem gibt zum Beispiel den Anstoß ins Geschäft zu gehen und eine schöne, teure Uhr anzusteuern. Die Wahrnehmung des schönen Gegenstands in der Anzeige führt zwar nicht automatisch dazu, dass man sich für den Kauf entscheidet. Aber das Belohnungszentrum liefert dafür zumindest einen ersten Impuls.
Denn der Belohnungsreiz, sagen die Forscher, ist immer ein Handlungsantrieb. Ein schöner Anblick erleichtert die Entscheidung, aktiv zu werden – und das gilt nicht nur für den Impuls, etwas Schönes zu kaufen. Es kann auch bedeuten, dass man auf die schöne, unbekannte Person zugeht, man schon seit einer Stunde am Nebentisch beobachtet – und sie anspricht. Schönheit macht also nicht nur glücklich, sie motiviert und bringt in Bewegung. Eine folgenreiche Entscheidung, zum Beispiel über den Kauf eines teuren Sportwagens, entsteht allerdings im Zusammenspiel mehrerer Hirnregionen. Zum Glück. Denn zu den Instanzen, die dabei mitarbeiten, gehört auch das Gedächtnis – und dort ist wahrscheinlich der letzte Kontostand abgespeichert.
Scarlet Löhrke
Stand: 11.09.2007
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