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Es fühlt sich einfach gut an!

Wie das Gehirn auf Schönes reagiert

  • SendeterminDienstag, 05. August 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 09. August 2008, 09.30 - 10.15 Uhr (Wdh.).
grafik: leuchtendes Belohnungszentrum im Gehirn
Schönheit steigt zu Kopf: Das Belohnungszentrum reagiert

Es ist fast wie ein Drogenrausch. Der Anblick eines schönen Menschen versetzt uns augenblicklich in ein Hochgefühl – umso mehr, wenn uns der andere direkt in die Augen schaut und dann auch noch lächelt: Schönheit aktiviert das StichwortBelohnungszentrum und bewirkt, dass dort Glücksbotenstoffe ausgeschüttet werden. Dabei sind dieselben Hirnregionen aktiv, die auch bei anderen Lustempfindungen reagieren. Ein schöner Anblick wirkt im Kopf also ganz ähnlich, als würden wir gerade etwas besonders Leckeres essen, Sex haben oder Drogen zu uns nehmen.

Auch Fotos lösen den Rausch aus

Foto: attraktives, lächelndes Frauengesicht
Noch schöner: Ein attraktives Lächeln

Es muss noch nicht einmal der echte Mensch sein. Der Anblick eines Fotos reicht und das Belohnungssystem springt an - so als stünde die Person vor uns. Das haben Neurowissenschaftler in Experimenten bewiesen. Einige Experimente zeigten auch, dass der Kick nur kommt, wenn der Mensch auf dem Foto direkt in die Kamera blickt, also den Betrachter scheinbar fixiert und dabei lächelt. Wenn die Person auf dem Bild sich vom Betrachter abwendet oder einen neutralen Gesichtsausdruck zeigt, gerät das Hirn nicht in Wallung. Nach Forschungsergebnissen des Gehirnspezialisten Knut Kampe ist die Reaktion des Belohnungssystems sogar unabhängig davon, welches Geschlecht der Betrachter und die betrachtete Person haben: Das Belohnungssystem einer Frau reagiert laut Kampe also auch bei einem Bild von einer attraktiven Frau mit Glücksgefühlen; umgekehrt reagieren auch Männer auf Bilder von attraktiven Männern. Andere Wissenschaftler teilen diese Meinung nicht: Ein Züricher Forscherteam fand heraus, dass heterosexuelle Frauen und homosexuelle Männer intensiver auf den Anblick attraktiver Männergesichter als auf attraktive Frauengesichter reagieren.

Werbung – ein Spiel mit dem Belohnungszentrum?

Foto: Proband wird in Kernspintomograf gefahren
Kernspintomographie: So bekommen die Forscher Bilder aus dem Inneren des Kopfes

Macht diese Reaktion des Gehirns auf Schönheit Menschen verführbar und beeinflussbar? Zum Beispiel für die Wirkung von Werbung, die häufig lächelnde, attraktive Gesichter verwendet um Produkte anzupreisen? Welche Werbeanzeigen im Belohnungszentrum am besten ankommen, wollte eine Gruppe um Neurowissenschaftler Michael Deppe in Münster genauer wissen. Die Wissenschaftler baten 22 Probanden, sich in einen StichwortKernspintomografen zu legen und sich Werbeanzeigen anschauen. Mit einer Tastatur sollten die Probanden die Anzeigen bewerten, gleichzeitig zeichnete der Kernspintomograf Bilder ihrer Hirnaktivität auf. So können die Forscher dem Gehirn der Probanden bei der Arbeit zusehen und registrieren, wann das Belohnungssystem aktiv ist.

Schöner Luxus: Reaktion nicht nur auf Gesichter

Foto: Forscher vor Kernspin-Bildern auf Bildschirm
Schöner Luxus oder ein schönes Gesicht: Worauf reagiert das Gehirn stärker?

Wie erwartet, aktivierten die lächelnden Gesichter von Models das Belohnungszentrum der Testteilnehmer. Doch auch luxuriöse Gegenstände wie ein schicker Sportwagen, ein schöner Ring oder eine teure Uhr bekamen von den Probanden per Tastatur die Wertung „schön“ – und dabei war ihr Belohnungszentrum aktiv. Die Wirkung einer bestimmten Anzeige mit einem schicken Sportwagen übertraf dabei sogar noch die Wirkung der hübschen Gesichter. Dieses Ergebnis ist nicht trivial – denn dasselbe System im Gehirn, das auf Schönheit reagiert, motiviert uns auch zum Handeln: Das Belohnungssystem gibt zum Beispiel den Anstoß ins Geschäft zu gehen und eine schöne, teure Uhr anzusteuern. Die Wahrnehmung des schönen Gegenstands in der Anzeige führt zwar nicht automatisch dazu, dass man sich für den Kauf entscheidet. Aber das Belohnungszentrum liefert dafür zumindest einen ersten Impuls.

Schönheit motiviert

Foto: Frau an Eiscafé-Tisch - Männerhinterkopf im
Anschnitt
Schönheit motiviert: zum Beispiel dazu, auf Unbekannte zuzugehen

Denn der Belohnungsreiz, sagen die Forscher, ist immer ein Handlungsantrieb. Ein schöner Anblick erleichtert die Entscheidung, aktiv zu werden – und das gilt nicht nur für den Impuls, etwas Schönes zu kaufen. Es kann auch bedeuten, dass man auf die schöne, unbekannte Person zugeht, man schon seit einer Stunde am Nebentisch beobachtet – und sie anspricht. Schönheit macht also nicht nur glücklich, sie motiviert und bringt in Bewegung. Eine folgenreiche Entscheidung, zum Beispiel über den Kauf eines teuren Sportwagens, entsteht allerdings im Zusammenspiel mehrerer Hirnregionen. Zum Glück. Denn zu den Instanzen, die dabei mitarbeiten, gehört auch das Gedächtnis – und dort ist wahrscheinlich der letzte Kontostand abgespeichert.

Stichwörter

1 Belohnungszentrum
Das Belohnungszentrum ist für Lustempfindungen verschiedenster Art zuständig. Nach Erkenntnissen der Neurowissenschaft erstreckt sich das Belohnungszentrum im Gehirn von einem Bereich etwa in Höhe der Nasenwurzel bis zwischen die Augenbrauen und umfasst außerdem eine Hirnstruktur, die in der Mitte des Gehirns liegt, nämlich im oberen Teil des Hirnstamms. Alle drei Regionen sind in der Abbildung oben zum ersten Absatz im Text zu sehen. Die Fachbegriffe für diese Regionen sind: Nucleus Accumbens, medialer präfrontaler Cortex, medialer orbitofrontaler Cortex und ventrales Tegmentum). Neueste Forschungsergebnisse – unter anderem die des britischen Attraktivitätsforschers David Perrett - lassen annehmen, dass noch weitere Hirnregionen dabei im Spiel sind. Zurück zum Absatz
2 Kernspintomograf
Die Kernspin-Untersuchung oder Kernspintomografie wird wissenschaftlich korrekt als Magnetresonanztomografie (MRT) bezeichnet. Mit der MRT können Querschnittsbilder vom Inneren des Körpers hergestellt werden. Dabei kommt der Patient in ein starkes, gleichmäßiges Magnetfeld – die berühmte Röhre, in die man geschoben wird. Das Verfahren basiert auf der Schwingung von Wasserstoffatomen im Körper. Es bildet die Weichteile ab, nicht aber Knochen wie etwa ein Röntgenbild. Kernspin-Untersuchungen kommen daher vor allem in der Hirnforschung zum Einsatz. Im Gegensatz zum Röntgen belasten sie den Patienten nicht mit Strahlung. Zurück zum Absatz
Autorin:

Scarlet Löhrke

Stand: 11.09.2007


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