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Hauptsache schön!

Jugendliche und ihr Körperbewusstsein

  • SendeterminDienstag, 05. August 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 09. August 2008, 09.30 - 10.15 Uhr (Wdh.).
Foto: Mädchen mit Bild eines Topmodels
Der Vergleich mit Topmodels nährt die Selbstzweifel

Das Ideal vom schlanken, schönen Körper lässt viele Jugendliche die eigene Figur in einem deutlich negativen Licht sehen: Bereits im Alter von zwölf Jahren haben 18 Prozent der Mädchen und 5 Prozent der Jungen schon einmal eine Diät gemacht, so die Deutsche Gesellschaft für Essstörungen. Und fast ein Drittel der Jugendlichen zwischen 13 und 16 ist unzufrieden mit der eigenen Figur. Doch nicht nur das Gewicht wird beim Blick auf den eigenen Körper kritisch beäugt, auch vermeintlich zu kurze Beine, zu große Füße oder die angeblich zu dicke Nase stören das Selbstbild. Einige Mädchen würden sogar eine Operation in Betracht ziehen, um ihren Körper zu verschönern: Der Aussage „Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich eine Schönheitsoperation machen lassen“ stimmten in einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) immerhin 7 Prozent mit „vollständig“ und 10 Prozent mit „ziemlich“ zu. Im Jahr 2005 befragte die BZGA dazu erstmals 2500 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren zu ihrem subjektiven Körperempfinden und ihrem Körperbewusstsein. Die Untersuchung zeigte auch, dass die Beschäftigung mit dem eigenen Körper mittlerweile für beide Geschlechter sehr wichtig ist. Denn auch junge Männer achten laut BZGA verstärkt auf ihr Äußeres.

Vorbild Filmstar

Foto: Mädchen hängt Poster von Filmstar an die Wand
Vorbild Filmstar – eine ungleiche Schönheitskonkurrenz

Der Vergleich mit Topmodels, Schauspielern und Popstars nährt die Selbstzweifel der Jugendlichen dabei zusätzlich – denn die Vorbilder stehen ständig vor Augen: Film, Fernsehen und Hochglanzzeitschriften präsentieren superschöne Körper und Gesichter, die oft noch mit grafischen Tricks auf maximale Attraktivität getrimmt wurden. Insbesondere beim Streben nach dem Ideal-Gewicht spielt die Bilderflut offensichtlich eine Rolle: Nach Heike Hölling vom Robert Koch-Institut gehört die gesellschaftlich vermittelte Koppelung von Schönheit und Schlankheit mit Erfolg, Anerkennung und Attraktivität mit zu den potenziellen Auslösern von Essstörungen.

Traumfigur – Hauptsache dünn?

Foto: Totale Seminarleiterin mit Jugendlichen
Präventionsworkshops stärken das Selbstbewusstsein

Doch vor allem junge Mädchen wollen schön schlank sein: Wie die Sozialwissenschaftlerinnen Angelika Heßling und Heidrun Bode in einer Studie der BZGA im Jahr 2005 feststellten, fühlt sich rund ein Viertel der Mädchen zwischen 14 und 17 zu dick, bei den Jungen sind es etwa halb so viele. Der starke Wunsch, dünn und damit schön zu sein, erhöht die Gefahr, dass die Jugendlichen eine StichwortEss-Störung wie Magersucht oder Bulimie entwickeln, so Heßling und Bode. Unter solchen ernsthaften Essstörungen leidet laut einer anderen Studie über ein Fünftel aller 11-bis 17jährigen, wieder vor allem Mädchen. Neben Auslösern wie dem Vergleich mit Medienvorbildern gibt es allerdings für diese krankhaften Essstörungen tiefer liegende Ursachen, betont das Robert-Koch-Institut, das die Studie durchführte. Diese Ursachen sind vielfältig und ergeben sich immer aus einer Mischung gesellschaftlicher, familiärer und persönlicher Risikofaktoren.

„Jeder ist auf seine Weise schön“

Foto: Mädchen malt Aufschrift „Meine Füße
sind zu groß“ beim Präventionsworkshop
Sich selbst in einem guten Licht sehen - manche müssen das erst lernen

Damit sich Jugendliche von überzogenen Schönheitsidealen lösen und sich mit ihrem eigenen Körper anfreunden, unterstützt die BZGA bundesweit Projekte und Institutionen: Die Veranstalter kommen auf Einladung von Schulen oder Jugendzentren und halten Workshops ab. Denn Jugendliche brauchen Unterstützung, um sich gegen Modediktate zu wehren, Schönheitsideale kritisch zu hinterfragen und ein gesundes Körpergefühl zu entwickeln, so Experten. Die Diskussionsangebote und Aktionen, sollen dazu beitragen, Selbstvertrauen und positives Körperbewusstsein der Jugendlichen zu stärken und die Aufmerksamkeit einem kritischen Essverhalten gegenüber zu schärfen.

Eltern können helfen

Foto: Mädchen malt Herzchen auf die Schulter ihrer Freundin
Gerade für Mädchen ist es wichtig, den eigenen Körper zu akzeptieren

Auch die Situation in der Familie spielt eine große Rolle: Studienergebnisse zeigen, dass sich Jugendliche, die Vertrauen zu ihren Eltern haben und sich von ihnen angenommen fühlen, ein besseres Verhältnis zu ihrem Körper entwickeln – sie fühlen sich in ihrer Haut eher wohl als Teenager, die keine gute Beziehung zu den Eltern haben. Zudem können offene Gespräche in der Familie – zum Beispiel über Schönheitsideale und Vorbilder – dazu beitragen, das Selbstvertrauen der Jugendlichen in der Auseinandersetzung mit den gängigen Idealen zu stärken.

Stichwörter

1 Ess-Störungen
Essstörungen zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Unter dem Begriff „Ess-Störungen“ versteht man im Wesentlichen die drei Krankheitsbilder der Magersucht („Anorexia nervosa“), Ess-Brechsucht („Bulimie“) und Esssucht („psychogene Adipositas“). Während es bei der Magersucht darum geht, das eigene Essverhalten – und damit den eigenen Körper - so weit zu kontrollieren, bis die Nahrungsaufnahme gegen null geht, ist die Ess-Brechsucht von Heißhungerattacken mit anschließenden Schuldgefühlen geprägt. Das „verbotene Essen“ wird durch das Brechen in der Vorstellung der Kranken wieder rückgängig gemacht. Bei der krankhaften Esssucht hingegen dient das Essen zunächst der Erfüllung emotionaler Bedürfnisse wie Belohnung oder Trost. In der Folge nehmen Esssüchtige regelmäßig große Mengen Nahrung zu sich, ohne dabei noch ein Gefühl für Sättigung erreichen zu können, sie fühlen sich ihren Ess-Attacken hilflos ausgeliefert. Bei allen Formen der Essstörung handelt es sich um ernsthafte psychosomatische Erkrankungen, die Züge einer Sucht aufweisen und die bei schweren Verläufen lebensbedrohlich sein können. Prävention und Behandlung orientieren sich häufig an Konzepten der Suchtprävention und –Therapie.
Autorin:

Scarlet Löhrke

Stand: 11.09.2007


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