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Barbie beim Gesundheits-Check

Ärzte besorgt um die berühmteste Puppe der Welt

  • SendeterminDienstag, 05. August 2008, 21.00 - 21.45 Uhr.
  • WiederholungsterminSamstag, 09. August 2008, 09.30 - 10.15 Uhr (Wdh.).
Foto: BArbie auf der Bare

Barbie findet sich in jedem Mädchenzimmer durchschnittlich sieben Mal, ihr Bekanntheitsgrad beträgt nahezu 100 Prozent. Als Alternative zu den Babypuppen der fünfziger Jahre konzipiert, sollten die ersten Barbies ein emanzipiertes Frauenbild verkörpern. Das Mannequin im Maßstab 1 zu 6 war im Gegensatz zu ihrer traditionellen Konkurrenz nicht etwa dafür gemacht auf die Mutterrolle vorzubereiten. Schon 1961 präsentierte sich das bekannteste Spielzeug der Welt revolutionär mit Doktorhut und –robe. Heute jedoch vermarktet sich die Puppe vor allen Dingen über aktuelle Mode, begnügt sich nunmehr damit die neusten Make Up- und Frisurentrends abzubilden anstatt etwa Mädchen zu akademischen Berufen zu motivieren. Dass besonders junge Mädchen Barbie in der Rolle der über die Maßen idealisierten Schönheit als Vorbild annehmen, bewies jüngst eine Studie der englischen Forscherin Helga Dittmar von der University of Sussex: Ihre Untersuchungen zeigten, dass Mädchen, die mit Barbie spielen, ein geringeres Selbstbewusstsein bezüglich ihrer Erscheinung und einen stärkeren Wunsch nach einem dünneren Körper haben als andere Mädchen

Barbies Proportionen mehr als unwahrscheinlich

Foto: Barbie beim Orthopäden

Das moderne Schlankheitsideal findet sich in den Proportionen von Barbie bis ins Unnatürliche übersteigert: Große Oberweite, schmale Taille, lange Beine. Zahlreiche medizinische Untersuchungen haben belegt wie unwahrscheinlich es ist, dass ein Frauenkörper die Maße der Barbiepuppe aufweist. Die Wissenschaftler Pedersen und Markee etwa errechneten, dass ein standardisiertes lebensgroßes Modell der Puppe zwischen 1,88m und 2,26m groß sein würde. Mittels einer speziellen Körpermaßlehre, der StichwortAnthropometrie, konnte eine weitere Gruppe von Wissenschaftlern 1996 ermitteln, dass die Wahrscheinlichkeit für Barbies Proportionen bei einer lebendigen Frau geringer ist als 1 zu 100.000.

Barbie wird auf Herz und Nieren untersucht

Die Unwahrscheinlichkeit einer Barbie-Frau wirft eine weitere Frage auf: Kann ein Mensch mit Barbies Proportionen überhaupt normal leben? Mit ihrem immer währenden Lächeln wirkt sie, als erfreue sie sich bester Gesundheit, doch Quarks & Co wollte es genauer wissen und brachte Barbie zum Arzt. Im Universitätsklinikum zu Köln wurde eine lebensgroße Barbie eingehend von drei Medizinern unterschiedlicher Fachrichtungen untersucht.

Orthopädie: Arthrose und Bandscheibenvorfall

Die Diagnose von Dr. Timm Koy ist eindeutig: Der Orthopäde vom Kölner Uniklinikum kommt zu dem Schluss, dass Barbie mit einer ganzen Reihe von orthopädischen Problemen zu kämpfen hätte. Allein ihre Vorliebe für hochhackige Schuhe würde ihr in der Realität zum Verhängnis werden. Durch die unnatürliche Fußstellung drohe Barbies Füßen ein abgespreizte Zeh (Hallux Valgus). Koy diagnostiziert außerdem aufgrund der unproportionalen Körpermaße Fehlstellungen in Knie- und Hüftgelenk. Langfristig käme es dadurch zu Knorpelschäden (Arthrose). Diese Fehlstellung führe außerdem vermehrt zu Hohlkreuzhaltung und erhöhe dadurch die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls.

Innere Medizin: Eingeschränkte Funktion der Organe und Atemnot

Foto: Barbie beim Internisten

Dem Internisten Dr. Thorsten Schneider fällt seine Diagnose ebenfalls leicht: Die extrem schmale Taille biete kaum genügend Platz für die Organe. Diese wären wahrscheinlich gestaucht und könnten als Folge in ihrer Funktion eingeschränkt sein. Des Weiteren fragt sich der Internist in Anbetracht des sehr schmalen Körperbaus, ob eine Frau mit Barbies Proportionen Bauchatmung durchführen könnte. Das heißt: Eine Frau mit dem Aussehen der Puppe bekäme wahrscheinlich schlecht Luft.

Gynäkologie: Unfruchtbarkeit und Osteoporose

Foto: Barbie bei der Frauenärztin

Auch für Dr. Dolores Foth, Gynäkologin am Uniklinikum Köln, ist der Fall klar: Barbie ist zu dünn. Sie würde zu wenig weibliche Geschlechtshormone produzieren, da ihr dazu schlicht ausreichend Fettgewebe fehle. Folge sei das Ausbleiben der Regel und des Eisprungs. De facto wäre sie also unfruchtbar. Des Weiteren führe der Hormonmangel zu verheerenden Langzeitfolgen: Das Ausbleiben bestimmter Hormone, der Östrogene führe nämlich außerdem zu einer verringerten Produktion von Knochenmark und damit zu StichwortOsteoporose.

Eine eindeutige Diagnose

Die drei Mediziner vom Uniklinikum Köln sind zu einem einhelligen Urteil gekommen: Eine Frau mir Barbies Proportionen würde für ihr Aussehen einen hohen Preis zahlen müssen. Schmerzende Füße und einen Bandscheibenvorfall für modebewusstes Schuhwerk, Atemprobleme für die Wespentaille und Unfruchtbarkeit und Osteoporose für den überdünnen Körper. Doch haben die Barbies den jungen Mädchen, die mit ihnen spielen, etwas voraus: Sie sind nur 32 Zentimeter groß, aus Kunststoff, nicht lebendig - sie können dem Schönheitsideal genügen auch ohne dafür zu leiden.

Stichwörter

1 Anthropometrie
Anthropometrie ist die Lehre der Ermittlung und Anwendung der Maße des menschlichen Körpers. Zurück zum Absatz
2 Osteoporose
Osteoporose ist eine Alters-Erkrankung des Knochens, die ihn für Brüche anfällig macht. Die auch als Knochenschwund bezeichnete Krankheit ist gekennzeichnet durch eine geringe Knochenmasse und den übermäßig raschen Abbau der Knochensubstanz und -struktur. Zurück zum Absatz
Autoren:

Gerret von Nordheim, Benedikt Borchers

Stand: 11.09.2007


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