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Quarks & Co
Sendung vom 05. August 2008
Barbie beim Gesundheits-Check
Barbie findet sich in jedem Mädchenzimmer durchschnittlich sieben Mal, ihr Bekanntheitsgrad beträgt nahezu 100 Prozent. Als Alternative zu den Babypuppen der fünfziger Jahre konzipiert, sollten die ersten Barbies ein emanzipiertes Frauenbild verkörpern. Das Mannequin im Maßstab 1 zu 6 war im Gegensatz zu ihrer traditionellen Konkurrenz nicht etwa dafür gemacht auf die Mutterrolle vorzubereiten. Schon 1961 präsentierte sich das bekannteste Spielzeug der Welt revolutionär mit Doktorhut und –robe. Heute jedoch vermarktet sich die Puppe vor allen Dingen über aktuelle Mode, begnügt sich nunmehr damit die neusten Make Up- und Frisurentrends abzubilden anstatt etwa Mädchen zu akademischen Berufen zu motivieren. Dass besonders junge Mädchen Barbie in der Rolle der über die Maßen idealisierten Schönheit als Vorbild annehmen, bewies jüngst eine Studie der englischen Forscherin Helga Dittmar von der University of Sussex: Ihre Untersuchungen zeigten, dass Mädchen, die mit Barbie spielen, ein geringeres Selbstbewusstsein bezüglich ihrer Erscheinung und einen stärkeren Wunsch nach einem dünneren Körper haben als andere Mädchen
Das moderne Schlankheitsideal findet sich in den Proportionen
von Barbie bis ins Unnatürliche übersteigert: Große
Oberweite, schmale Taille, lange Beine. Zahlreiche medizinische
Untersuchungen haben belegt wie unwahrscheinlich es ist, dass ein
Frauenkörper die Maße der Barbiepuppe aufweist. Die
Wissenschaftler Pedersen und Markee etwa errechneten, dass ein
standardisiertes lebensgroßes Modell der Puppe zwischen 1,88m
und 2,26m groß sein würde. Mittels einer speziellen
Körpermaßlehre, der
Anthropometrie, konnte eine weitere Gruppe
von Wissenschaftlern 1996 ermitteln, dass die Wahrscheinlichkeit
für Barbies Proportionen bei einer lebendigen Frau geringer
ist als 1 zu 100.000.
Die Unwahrscheinlichkeit einer Barbie-Frau wirft eine weitere Frage auf: Kann ein Mensch mit Barbies Proportionen überhaupt normal leben? Mit ihrem immer währenden Lächeln wirkt sie, als erfreue sie sich bester Gesundheit, doch Quarks & Co wollte es genauer wissen und brachte Barbie zum Arzt. Im Universitätsklinikum zu Köln wurde eine lebensgroße Barbie eingehend von drei Medizinern unterschiedlicher Fachrichtungen untersucht.
Die Diagnose von Dr. Timm Koy ist eindeutig: Der Orthopäde vom Kölner Uniklinikum kommt zu dem Schluss, dass Barbie mit einer ganzen Reihe von orthopädischen Problemen zu kämpfen hätte. Allein ihre Vorliebe für hochhackige Schuhe würde ihr in der Realität zum Verhängnis werden. Durch die unnatürliche Fußstellung drohe Barbies Füßen ein abgespreizte Zeh (Hallux Valgus). Koy diagnostiziert außerdem aufgrund der unproportionalen Körpermaße Fehlstellungen in Knie- und Hüftgelenk. Langfristig käme es dadurch zu Knorpelschäden (Arthrose). Diese Fehlstellung führe außerdem vermehrt zu Hohlkreuzhaltung und erhöhe dadurch die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls.
Dem Internisten Dr. Thorsten Schneider fällt seine Diagnose ebenfalls leicht: Die extrem schmale Taille biete kaum genügend Platz für die Organe. Diese wären wahrscheinlich gestaucht und könnten als Folge in ihrer Funktion eingeschränkt sein. Des Weiteren fragt sich der Internist in Anbetracht des sehr schmalen Körperbaus, ob eine Frau mit Barbies Proportionen Bauchatmung durchführen könnte. Das heißt: Eine Frau mit dem Aussehen der Puppe bekäme wahrscheinlich schlecht Luft.
Auch für Dr. Dolores Foth, Gynäkologin am Uniklinikum
Köln, ist der Fall klar: Barbie ist zu dünn. Sie
würde zu wenig weibliche Geschlechtshormone produzieren, da
ihr dazu schlicht ausreichend Fettgewebe fehle. Folge sei das
Ausbleiben der Regel und des Eisprungs. De facto wäre sie also
unfruchtbar. Des Weiteren führe der Hormonmangel zu
verheerenden Langzeitfolgen: Das Ausbleiben bestimmter Hormone, der
Östrogene führe nämlich außerdem zu einer
verringerten Produktion von Knochenmark und damit zu
Osteoporose.
Die drei Mediziner vom Uniklinikum Köln sind zu einem einhelligen Urteil gekommen: Eine Frau mir Barbies Proportionen würde für ihr Aussehen einen hohen Preis zahlen müssen. Schmerzende Füße und einen Bandscheibenvorfall für modebewusstes Schuhwerk, Atemprobleme für die Wespentaille und Unfruchtbarkeit und Osteoporose für den überdünnen Körper. Doch haben die Barbies den jungen Mädchen, die mit ihnen spielen, etwas voraus: Sie sind nur 32 Zentimeter groß, aus Kunststoff, nicht lebendig - sie können dem Schönheitsideal genügen auch ohne dafür zu leiden.
Gerret von Nordheim, Benedikt Borchers
Stand: 11.09.2007
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