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Sendung vom 21. Oktober 2008
Dem Brustkrebs auf der Spur
Im Kampf gegen Brustkrebs hat man in Deutschland ein
großangelegtes Mammografie-Screening gestartet.
Möglichst alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren sollen alle
zwei Jahre ihre Brüste röntgen lassen. Ziel ist es,
Tumore möglichst frühzeitig zu erkennen und so die
Sterblichkeit der Brustkrebspatientinnen zu senken. Doch
während das Mammografie-Screening gerade etabliert ist,
belegen inzwischen mehrere Studien, dass es eine
zuverlässigere Methode gibt, um Frühformen von Brustkrebs
zu entdecken: die
Kernspintomographie. Weil sie als
Früherkennungsmaßnahme aber nicht anerkannt ist, zahlen
die gesetzlichen Krankenkassen diese Untersuchung nicht.
Eine Studie an der Bonner Uniklinik aus dem Jahr 2007 hat in Sachen Brustkrebsfrüherkennung für Aufruhr gesorgt. Die Radiologin Christiane Kuhl hat gezeigt, dass die Kernspintomographie Brustkrebs-Vorstufen weitaus zuverlässiger aufspürt als die herkömmliche Mammografie mit Röntgenstrahlen. Für die Studie haben die Bonner Radiologen über fünf Jahre hinweg 7.319 Frauen untersucht. Bei allen führten sie sowohl eine Kernspintomographie durch als auch eine klassische Mammografie. Bei 167 Frauen entdeckten sie Frühformen des Brustkrebses. Sie befinden sich in den Milchgängen. Manche dieser Vorstufen bleiben gutartig und auf die Milchgänge beschränkt. Andere sind aber sehr aggressiv, verlassen die Milchgänge und entwickeln sich zu größeren Tumoren, die umliegendes Gewebe, Lymphknoten oder andere Körperregionen befallen können. Diese aggressive Variante wurde von der Kernspintomographie zu 98 Prozent entdeckt, von der Mammografie hingegen nur zu 52 Prozent.
Viele Experten sind von der Eindeutigkeit der Studienergebnisse überrascht. Denn die Suche nach den Brustkrebs-Vorstufen galt bislang als Domäne der Röntgen-Mammografie. Dass die Kernspintomographie doppelt so viele aggressive Brustkrebsvorstufen gefunden hat, ist für Christiane Kuhl ein wichtiges Argument dafür, dass sie in Zukunft häufiger zur Früherkennung von Brustkrebs eingesetzt werden müsste.
Kritiker der Brustkrebs-Früherkennung durch die
Kernspintomographie argumentieren allerdings, dass die Methode die
Zahl der
Falsch-positiv-Befunde in die Höhe
treibe. Das hätte zur Folge, dass viele Frauen mit der
Diagnose Krebs konfrontiert würden, obwohl sie gar keinen
bösartigen Krebs haben. Christiane Kuhl hält das Argument
für wenig stichhaltig. Für sie ist ausschlaggebend, dass
die Kernspin-Methode die Krebsvorstufe besser erkennt. Betrachte
man das Verhältnis von solchen Fehlalarmen zur Zahl der
tatsächlich gefundenen Krebsfälle, schneide die
Kernspin-Methode eindeutig besser ab als die Mammografie.
Außerdem, so argumentiert Kuhl, seien viele
Falsch-positiv-Befunde mit der Kernspintomographie auf die
mangelnde Erfahrung von Radiologen zurückzuführen. Weil
diese Methode bei der Brustkrebs-Früherkennung so selten
eingesetzt wird, gebe es einfach nicht genügend Radiologen,
die in dieser speziellen Diagnostik gut ausgebildet sind.
Christiane Kuhl ist sich sicher, dass mit Kernspin vielen Frauen
das Leben gerettet werden könnte. Trotzdem hält sie das
Mammografie-Screening als
Früherkennungsmaßnahme für unverzichtbar. Die
Kernspintomographie sei für einen flächendeckenden
Einsatz schlichtweg zu teuer. Denn eine Untersuchung mit dem
Kernspintomographen kostet mindestens 450 Euro, eine Mammografie
hingegen nur etwa 70 Euro. Die Wissenschaftlerin versteht
allerdings nicht, dass die Kernspintomographie bei weniger
lebensbedrohlichen Krankheiten wie zum Beispiel bei Knieproblemen
oder bei Rückenschmerzen regelmäßig eingesetzt und
von den Krankenkassen bezahlt wird, bei der Brustkrebsdiagnostik
aber nur in seltenen Ausnahmefällen.
Die meisten Kernspin-Studien der Bonner Forscher hat das amerikanische Nationale Krebsinstitut (NCI) finanziert. Und die USA haben bereits auf die neue Studienlage reagiert. Die amerikanische Krebsgesellschaft empfiehlt die Kernspintomographie mittlerweile jeder Frau, die aufgrund ihrer familiären Belastung oder ihres Alters ein leicht erhöhtes Brustkrebsrisiko hat.
Markus Schall
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