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Die Geschwister Mendelssohn Bartholdy

Eine Beziehung zwischen Liebe und Rivalität

  • SendeterminDienstag, 28. Oktober 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 01. November 2008, 08.45 - 09.30 Uhr (Wdh.).
Ein gezeichnetes Portrait von Fanny Hensel
Obwohl Fanny Hensel über 400 Werke komponiert hat, ist sie bis heute kaum bekannt

Es ist das Jahr 1805. Fanny Hensel wird als älteste Tochter von Lea und Abraham Mendelssohn Bartholdy geboren. Vier Jahre später folgt ihr Bruder Felix. Die beiden Kinder bekommen schon bald gemeinsamen Musikunterricht. Ihre außergewöhnliche Begabung fällt früh auf. Die Eltern suchen die besten Lehrer, um ihre Kinder zu fördern. Für die Ausbildung in Musiktheorie und Komposition engagierte Abraham Mendelssohn Carl Friedrich Zelter, den Leiter der Berliner Singakademie und Freund Goethes. Bald ist Fanny im Freundes- und Bekanntenkreis der Mendelssohns nicht nur als hervorragende Pianistin, sondern auch als Komponistin von Liedern und Klavierstücken bekannt. Über das gemeinsame Musizieren entwickelt sich eine enge Bindung zwischen den Geschwistern.

Es kommt zum Bruch

Zeichnung von Fanny Hensel und ihrem Mann Wilhelm

Ihr Mann Wilhelm Hensel unterstützt Fannys musikalisches Bestreben

Trotz ihrer Begabung wird Fanny bald schon weniger unterstützt als ihr Bruder. "Die Musik wird für Deinen Bruder Felix vielleicht zum Beruf, während sie für Dich stets nur Zierde, niemals Grundbass Deines Seins und Thuns werden kann und soll …", schreibt der Vater 1820 an seine vierzehnjährige Tochter aus Paris. Fanny beugt sich dem Druck. Die Eltern wachen mit strenger Hand über die Erziehung ihrer Kinder. Bildung und das Befolgen gesellschaftlicher Rollenbilder sind in der wohlhabenden Familie wichtig.

1821 nimmt der Kompositionslehrer Carl Zelter Felix mit zu seinem Freund Johann Wolfgang von Goethe. Dieser ist von Felix musikalischem Talent sehr angetan. Felix wird umjubelt, während Fanny alleine zurückbleibt. Die Geschwister beginnen, sich voneinander zu entfernen. Dieser Prozess setzt sich fort, als der Vater kurz darauf mit Felix nach Paris reist, wo er berühmte Komponisten trifft und von ihnen lernt. Fanny kann nur über die Briefe ihres Bruders an dessen Reisen teilnehmen. Im Elternhaus in Berlin wird sie auf die Rolle der Hausfrau und Mutter vorbereitet – die Musik darf für sie nur Freizeitbeschäftigung sein.

Das Ringen um Anerkennung

Ein Notenblatt mit Malerei

Wilhelm Hensel hat viele Werke von Fanny verziert

1829 folgt sie dem Wunsch der Familie und heiratet den Maler Wilhelm Hensel. Ein Jahr später wird ihr einziger Sohn Sebastian geboren. Doch die Musik lässt Fanny nicht los. Regelmäßig lädt sie zu Sonntagsmusiken ein, die unter den Künstlern der damaligen Zeit hohes Ansehen genießen. Während dieser Konzerte führt sie auch immer wieder eigene Kompositionen auf.

Für Felix, der inzwischen ein angesehener Komponist ist, ist sie die wichtigste Beraterin. Bevor er ein Werk veröffentlicht, muss Fanny es prüfen. Doch immer, wenn Fanny ihn bittet, sie bei eigenen Publikationen zu unterstützen, verweigert er ihr die Hilfe. Es sei gegen seine Ansicht und Überzeugung. Unterstützung erfährt sie jedoch von ihrem Mann. Wilhelm Hensel verziert viele ihrer Noten und bekräftigt Fanny, sie zu veröffentlichen. Doch Fanny ist das Wort ihres Bruders wichtiger. In diesen Jahren ereilt Fanny ein schwerer Schicksalsschlag. Sie hat eine Fehlgeburt und leidet infolgedessen an Depressionen. Schließlich bittet auch die Mutter ihren Sohn Felix, Fanny bei einer Veröffentlichung zu unterstützen. Sie hofft, dass sie so neuen Lebensmut findet; aber Felix lehnt es trotzdem ab.

Die allmähliche Emanzipation

Im Jahr 1839 wird ein großer Traum für Fanny wahr: Sie reist mit ihrer Familie durch Italien. Dort erhält sie von anderen Musikern große Anerkennung. Es sind ihre glücklichsten Monate. Sie kehrt inspiriert – und vermutlich auch vom Einfluss ihres Bruders emanzipiert – nach Berlin zurück. Hier komponiert sie ihr bedeutendstes Werk, den Klavierzyklus "Das Jahr". 1846 findet Fanny endlich den Mut, sich von den familiären Banden zu befreien: Sie lässt einen Teil ihrer Kompositionen veröffentlichen und begeistert damit einen Großteil der Kritiker. Doch ihre neu gewonnene Freiheit währt nicht lange. Ein halbes Jahr, nachdem der erste Band mit Liedern von Fanny Hensel erschienen ist, stirbt sie am 14. Mai 1847 – während einer Probe – im Alter von nur 41 Jahren an einem Schlaganfall. Den frühen Tod seiner Schwester scheint Felix nicht verkraften zu können. Nur wenige Monate später, am 4. November 1847, stirbt auch er.

Autorinnen:

Lena Rumler, Christiane Meister

Stand: 28.10.2008


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