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Quarks & Co
Sendung vom 04. November 2008
Wahrheit und Mythos
Was denken Mitarbeiter eines Jobcenters über Menschen mit Autismus? Kennen sie die Störung gut genug, um Autisten erfolgreich zu vermitteln? Diesen Fragen geht die Autismus-Forschungs-Kooperation (AFK) nach. Sie ist ein Zusammenschluss von etwa 30 Autisten und Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin. Als gemischte Gruppe von Autisten und Nichtautisten wollen sie Fragen verfolgen, die für Menschen mit Autismus relevant sind. Im Mittelpunkt der Forschung steht die Lebens- und Erfahrungswelt autistischer Erwachsener. Dazu gehören auch deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
In einer ihrer Studien befragte die Forschergruppe Mitarbeiter in Berliner Jobcentern, was sie über Autisten denken. Besonders interessierte sie, wie die Berufsberater typische Verhaltensweisen von Autisten bewerten wie geringer Augenkontakt oder ständige Unruhe. Dazu hat das Forscherteam einen speziellen Fragebogen entwickelt und an 57 Mitarbeiter der Berliner Jobcenter Marzahn-Hellersdorf und Charlottenburg-Wilmersdorf verteilt. Zum Vergleich ließ die Forschergruppe 20 Psychologen und Psychiater aus Therapiezentren für Autismus von Unikliniken aus Deutschland und der Schweiz ebenfalls die Fragen auf dem Bogen bearbeiten. So konnten die Forscher am Ende vergleichen, ob mehr Wissen über Autismus die Bewertung beeinflusst.
Die Untersuchungen zeigen, dass die Mitarbeiter der Jobcenter typische Verhaltensweisen von Autisten wie etwa den geringen Blickkontakt eindeutig negativer bewerten als die Autismus-Experten. Die Forscher vermuten, dass dies mit ihrem geringeren Wissen über Autismus zusammenhängen könnte. Das kann Folgen für die Jobsuche haben. Ein Berufsberater, der Autisten vermitteln will, kann nur dann erfolgreich sein, wenn er ihre Schwächen und Stärken kennt. Hier sieht die Berliner Forschergruppe Handlungsbedarf. Ihr mittelfristiges Ziel ist es, Wissen über Autismus in Jobcentern und später auch in anderen Institutionen zu verbessern. Dadurch will sie langfristig die Vermittlungschancen für Autisten auf dem Arbeitsmarkt steigern.
Nicole Schuster
Stand: 28.10.2008
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