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Sendung vom 18. November 2008
Fahrstühle der Zukunft
Weltweit wachsen die Hochhäuser immer höher, müssen Fahrstühle immer mehr Menschen in kurzer Zeit transportieren. Eine Herausforderung für Johannes de Jong, Ingenieur und Experte für Aufzüge. Seine Arbeit führt ihn tief unter die Erde, in ein außergewöhnliches Forschungszentrum in einem Bergwerk im Süden Finnlands. Früher fuhren hier Kumpel in rasselnden Eisenkabinen untertage. Dann hat die finnische Firma Kone – viertgrößter Aufzug-Hersteller der Welt – die Mine zur größten Aufzugs-Testanlage der Welt umgebaut. De Jong blickt 350 Meter tief hinab – das ist mehr als zweimal die Länge des Kölner Doms. Er selbst kennt das unangenehme Gefühl in einem Aufzug: Je länger die Fahrt dauert, desto bedrohlicher wirken in dem engen Raum selbst kleinste Wackler und Ruckler. Es ist die Angst vor einem Absturz oder vor dem Steckenbleiben, gegen das de Jong und seine Kollegen unter Tage kämpfen.
Ihre wichtigste Taktik gegen Ruckler: möglichst gerade und glatte Schienen, an denen die Fahrstühle auf- und abgleiten. Im Schacht arbeiten sie dafür auf zwei Ebenen: auf dem Dach des Fahrstuhls und im Inneren. Mit einem hochempfindlichen Vibrationsmessgerät am Boden der Kabine überprüft de Jong Starts, Fahrten und Stopps. Er ist erst zufrieden, wenn die Bewegung des Fahrstuhls kaum noch zu spüren ist. Eine senkrecht stehende Münze zeigt für die Kamera, dass kaum Vibrationen entstehen. Zudem misst de Jong die Lautstärke. Sie darf 50 dBA nicht überschreiten – kaum mehr als ein Flüstern.
Auf dem Dach der Kabine kontrolliert Kollege Giovanni Hawkins, wo noch Unebenheiten sind. Kritisch sind die Verbindungen der Eisenschienen - alle fünf Meter werden sie von großen Schrauben und Fixierungen zusammengehalten. Hier können gefährliche Hubbel entstehen. Genau wie an den Befestigungen der Schienen an den Schachtwänden. Erst das Ergebnis der Messungen zeigt, ob das Profil der Schienen so glatt ist, wie es sein soll: Maximal zwei Millimeter dürfen die Hubbel hoch sein. So schaffen die Finnen einen Weltrekord im Testschacht: Aufzüge mit einer Geschwindigkeit von 17 Metern pro Sekunde. Über 60 Stundenkilometer – so schnell sind sonst nur die Fahrstühle im derzeit höchsten Gebäude der Welt, im „Taipei 101“ in Taiwan. In Finnland haben sie dafür die Motoren getestet.
Um immer mehr Menschen in kürzester Zeit in immer luftigere Höhen zu transportieren, müssen Aufzüge auch immer mehr Menschen fassen. Normalerweise bräuchten sie dafür mehr Platz im Gebäude, für mehr Schächte. Da das nicht möglich ist, haben Johannes de Jong und seine Kollegen eine völlig neue Idee entwickelt: Doppeldecker-Aufzüge. Wie in einem Doppeldeckerbus sollen sie Menschen auf gleich zwei Etagen transportieren und so mehrere Stockwerke gleichzeitig bedienen. Im Testschacht prüfen sie eine weitere Neuheit: Die beiden Kabinen sollen während der Fahrt über eine Schraubtechnik ihren Abstand voneinander anpassen können. Für unterschiedliche Deckenhöhen, je nachdem ob die hohe Eingangshalle oder niedrigere obere Etagen angefahren werden. Schon sind hunderte dieser Fahrstühle bestellt, für neue Wolkenkratzer in London, Tokio und Dubai.
Um Doppeldecker und normale Aufzüge noch effizienter zu
machen, setzt Johannes de Jong zusätzlich auf ein neuartiges
Steuerungssystem. In der 18-stöckigen Forschungszentrale in
Helsinki, in der täglich hunderte Menschen arbeiten, testet er
die „
Zielwahlsteuerung“. Das Software-System
soll die Wartezeit vor dem Aufzug verkürzen. Schon nach etwa
30 Sekunden Wartezeit, so Psychologen, werden Menschen ungeduldig.
Vor allem, wenn sie nicht wissen, welcher Fahrstuhl wann kommen
wird. Deshalb bringt de Jong den Fahrstühlen mit auf
sogenannter
Fuzzy-Logik basierender Software das Denken
bei: Die Passagiere wählen schon vor der Fahrt ihr Ziel, und
das „Fahrstuhl-Hirn“ schickt genau den Aufzug los, der
am schnellsten da sein kann. Es merkt sich zudem, zu welchen Zeiten
welche Stockwerke besonders häufig angefahren werden und
bereitet sich immer besser auf solche Stoßzeiten vor.
Sarah Zierul
Stand: 04.03.2008
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