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Quarks & Co
Sendung vom 18. November 2008
Per Aufzug durch die Galaxis
Die Idee, einen Weltraumaufzug zu bauen, wurde 1979 durch den
Science Fiction Roman „Fountains of Paradise“ von
Arthur Clarke populär. Mittlerweile tüfteln ehemalige
NASA-Mitarbeiter, verschiedene Wissenschaftler und
weltraumbegeisterte Amateure tatsächlich an dieser Idee. Und
das ist die Vision: Der Weltraumaufzug besteht aus einer im Meer
verankerten Plattform, einem Gegengewicht im Weltraum und einem
Band, das beide verbindet. Wegen der Rotation der Erde wird das
Band durch die
Fliehkraft straff gehalten. An ihm entlang
fahren die Aufzugkabinen. Auf etwa 36.000 Kilometer Höhe, im
geostationären Orbit, wird eine
Raumstation errichtet. Von hier aus könnte man sogar noch
weiter in den Weltraum vorstoßen. Der Aufzug selbst wird vom
Boden aus durch gigantische Laser mit Energie versorgt. Er
befördert sowohl Fracht als auch Passagiere, viel preiswerter
und sicherer als bislang ein Space Shuttle.
Um die Idee des Weltraumaufzugs in der Öffentlichkeit bekanntzumachen und möglichst viele Menschen zum Mitdenken zu bewegen, wurde 2005 ein Wettbewerb ins Leben gerufen: die Space Elevator Games. Die amerikanische Weltraumbehörde NASA stiftete das Preisgeld. Seitdem treffen sich jedes Jahr Hobbybastler und Studentengruppen aus der ganzen Welt in New Mexico bzw. Utah und lassen ihre Weltraumfahrstühle im Miniformat um die Wette auf- und absteigen. Die sogenannten Climber müssen an einem Band nach oben fahren und dürfen nur vom Boden aus Energie erhalten - zum Beispiel durch Laser oder umgelenktes Sonnenlicht. 2007 waren über 20 Teams am Start. Um das Preisgeld von immerhin 500.000 Dollar zu gewinnen, sollten die Climber 100 Meter in 50 Sekunden schaffen. Das hat allerdings bisher noch keiner hinbekommen. Für die nächsten Spiele im Herbst 2008 werden die Anforderungen sogar noch erhöht: Eine Strecke von einem Kilometer muss dann bewältigt werden.
Auch eine Gruppe deutscher Studenten hat es sich zum Ziel gesetzt, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. 25 Maschinenbau- und Physikstudenten der Technischen Hochschule München haben vor einem Jahr begonnen, einen eigenen Weltraumaufzug zu konstruieren. Bei der Energieübertragung setzen sie auf Mikrowellen. Laser waren ihnen nicht effektiv genug. Doch um ihre Aufzugmaschine einen Kilometer in die Luft zu schicken, benötigen sie eine Sendeantenne mit einem Durchmesser von 30 Metern. Die können sie zurzeit nicht finanzieren. Ob sie eines Tages tatsächlich einmal am Wettbewerb teilnehmen können, hängt daher auch von möglichen Sponsoren ab.
Der Weltraumaufzug ist von den Planern schon bis ins Detail
durchdacht. Für viele technische Details haben die
Visionäre bereits Lösungen gefunden. So soll die
Entwicklung einer Maschine, die an einem Band bis ins All
aufsteigen kann, bei allen Schwierigkeiten nur eine Frage der Zeit
sein. Das größte Problem ist das geeignete Material
für das Band. Es muss enorm stabil und unempfindlich gegen
äußere Einwirkungen sein. So ein Material gibt es
bislang nicht. Stahl würde sich durch sein Eigengewicht selbst
zerstören. Die Hoffnung ruht auf Kohlenstoffatomen. Schon
lange ist bekannt, dass sie starke Bindungen untereinander
eingehen. So bilden sie Diamant, Graphit und
Fullerene. Vor zehn Jahren hat man
außerdem entdeckt, dass Kohlenstoffatome sich auch zu
kleinsten Röhrchen vereinigen können. Diese
Carbonanoröhrchen sind von enormer Festigkeit, viel stabiler
und leichter als Stahl. Sie sollen die Zugfestigkeit von Stahl
sogar um das Hundertfache übertreffen. Für die Planer des
Weltraumaufzugs sind sie das optimale Material für das
Aufzugsband. Allerdings haben diese Röhrchen lediglich einen
Durchmesser von einem millionstel Millimeter und eine Länge
von tausendstel Millimetern. Bislang gibt es in der Nanowelt keine
Werkzeuge, um daraus längere Bänder herzustellen. Schon
gar nicht, wenn diese Bänder Tausende von Kilometern lang sein
sollen. Ob sie dann überhaupt noch die gewünschten
Eigenschaften hätten, ist ebenfalls ungewiss.
Zurzeit weiß niemand, ob es jemals einen Weltraumaufzug geben wird. Optimisten, wie der ehemalige NASA-Berater Brad Edwards, der sich ganz dieser Idee verschrieben hat, glauben, dass sie ihn noch erleben werden. Sie träumen von einer Reihe von untereinander vernetzten Raumstationen und von der Eroberung nah gelegener Planeten. Noch scheint das alles unglaublich, aber es gab schon andere Visionen, die schließlich den Sprung geschafft haben. So hatte der Autor Arthur Clarke bereits 30 Jahre vor seinem Roman über den Weltraumaufzug eine Idee, die damals auch viele unglaublich fanden: Kommunikation mit Hilfe von Satelliten zu betreiben. Das war 1945.
Eva Schultes
Stand: 04.03.2008
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