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Per Aufzug durch die Galaxis

Reisen wir in Zukunft mit dem Weltraumfahrstuhl ins All?

  • SendeterminDienstag, 18. November 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 22. November 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Eine Plattform im Meer, ähnlich einer Ölbohrinsel
So könnte das „Erdgeschoss“ des Weltraumaufzugs aussehen: eine Plattform im Meer. Von hier aus soll die Reise losgehen

Die Idee, einen Weltraumaufzug zu bauen, wurde 1979 durch den Science Fiction Roman „Fountains of Paradise“ von Arthur Clarke populär. Mittlerweile tüfteln ehemalige NASA-Mitarbeiter, verschiedene Wissenschaftler und weltraumbegeisterte Amateure tatsächlich an dieser Idee. Und das ist die Vision: Der Weltraumaufzug besteht aus einer im Meer verankerten Plattform, einem Gegengewicht im Weltraum und einem Band, das beide verbindet. Wegen der Rotation der Erde wird das Band durch die StichwortFliehkraft straff gehalten. An ihm entlang fahren die Aufzugkabinen. Auf etwa 36.000 Kilometer Höhe, im Stichwortgeostationären Orbit, wird eine Raumstation errichtet. Von hier aus könnte man sogar noch weiter in den Weltraum vorstoßen. Der Aufzug selbst wird vom Boden aus durch gigantische Laser mit Energie versorgt. Er befördert sowohl Fracht als auch Passagiere, viel preiswerter und sicherer als bislang ein Space Shuttle.

Ein Wettbewerb für Weltraumaufzüge

Studenten sitzen am Besprechungstisch
Studenten der TU München opfern seit einem Jahr jede Menge Freizeit für ihren Traum: die Teilnahme am Wettbewerb für Weltraumfahrstühle

Um die Idee des Weltraumaufzugs in der Öffentlichkeit bekanntzumachen und möglichst viele Menschen zum Mitdenken zu bewegen, wurde 2005 ein Wettbewerb ins Leben gerufen: die Space Elevator Games. Die amerikanische Weltraumbehörde NASA stiftete das Preisgeld. Seitdem treffen sich jedes Jahr Hobbybastler und Studentengruppen aus der ganzen Welt in New Mexico bzw. Utah und lassen ihre Weltraumfahrstühle im Miniformat um die Wette auf- und absteigen. Die sogenannten Climber müssen an einem Band nach oben fahren und dürfen nur vom Boden aus Energie erhalten - zum Beispiel durch Laser oder umgelenktes Sonnenlicht. 2007 waren über 20 Teams am Start. Um das Preisgeld von immerhin 500.000 Dollar zu gewinnen, sollten die Climber 100 Meter in 50 Sekunden schaffen. Das hat allerdings bisher noch keiner hinbekommen. Für die nächsten Spiele im Herbst 2008 werden die Anforderungen sogar noch erhöht: Eine Strecke von einem Kilometer muss dann bewältigt werden.

Auch eine Gruppe deutscher Studenten hat es sich zum Ziel gesetzt, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. 25 Maschinenbau- und Physikstudenten der Technischen Hochschule München haben vor einem Jahr begonnen, einen eigenen Weltraumaufzug zu konstruieren. Bei der Energieübertragung setzen sie auf Mikrowellen. Laser waren ihnen nicht effektiv genug. Doch um ihre Aufzugmaschine einen Kilometer in die Luft zu schicken, benötigen sie eine Sendeantenne mit einem Durchmesser von 30 Metern. Die können sie zurzeit nicht finanzieren. Ob sie eines Tages tatsächlich einmal am Wettbewerb teilnehmen können, hängt daher auch von möglichen Sponsoren ab.

Kohlenstoffatome als Hoffnungsträger

Modell von drei Kohlenstoffröhrchen
Die enorme Festigkeit der einzelnen Carbonanoröhrchen macht sie zum idealen Material für das Band des Weltraumaufzugs - zumindest theoretisch

Der Weltraumaufzug ist von den Planern schon bis ins Detail durchdacht. Für viele technische Details haben die Visionäre bereits Lösungen gefunden. So soll die Entwicklung einer Maschine, die an einem Band bis ins All aufsteigen kann, bei allen Schwierigkeiten nur eine Frage der Zeit sein. Das größte Problem ist das geeignete Material für das Band. Es muss enorm stabil und unempfindlich gegen äußere Einwirkungen sein. So ein Material gibt es bislang nicht. Stahl würde sich durch sein Eigengewicht selbst zerstören. Die Hoffnung ruht auf Kohlenstoffatomen. Schon lange ist bekannt, dass sie starke Bindungen untereinander eingehen. So bilden sie Diamant, Graphit und StichwortFullerene. Vor zehn Jahren hat man außerdem entdeckt, dass Kohlenstoffatome sich auch zu kleinsten Röhrchen vereinigen können. Diese Carbonanoröhrchen sind von enormer Festigkeit, viel stabiler und leichter als Stahl. Sie sollen die Zugfestigkeit von Stahl sogar um das Hundertfache übertreffen. Für die Planer des Weltraumaufzugs sind sie das optimale Material für das Aufzugsband. Allerdings haben diese Röhrchen lediglich einen Durchmesser von einem millionstel Millimeter und eine Länge von tausendstel Millimetern. Bislang gibt es in der Nanowelt keine Werkzeuge, um daraus längere Bänder herzustellen. Schon gar nicht, wenn diese Bänder Tausende von Kilometern lang sein sollen. Ob sie dann überhaupt noch die gewünschten Eigenschaften hätten, ist ebenfalls ungewiss.

Vom Traum zur Wirklichkeit?

Zurzeit weiß niemand, ob es jemals einen Weltraumaufzug geben wird. Optimisten, wie der ehemalige NASA-Berater Brad Edwards, der sich ganz dieser Idee verschrieben hat, glauben, dass sie ihn noch erleben werden. Sie träumen von einer Reihe von untereinander vernetzten Raumstationen und von der Eroberung nah gelegener Planeten. Noch scheint das alles unglaublich, aber es gab schon andere Visionen, die schließlich den Sprung geschafft haben. So hatte der Autor Arthur Clarke bereits 30 Jahre vor seinem Roman über den Weltraumaufzug eine Idee, die damals auch viele unglaublich fanden: Kommunikation mit Hilfe von Satelliten zu betreiben. Das war 1945.

Stichwörter

1 Fliehkraft
Bewegt sich ein Körper im Kreis, wirkt die Fliehkraft, auch Zentrifugalkraft genannt. Sie ist nach außen gerichtet und wächst mit der Geschwindigkeit der Kreisbewegung (Winkelgeschwindigkeit) und dem Abstand vom Mittelpunkt des Kreises. Zurück zum Absatz
2 Geostationärer Orbit
Orbit ist die Umlaufbahn, auf der sich ein Objekt periodisch um die Erde bewegt. Der geostationäre Orbit befindet sich in rund 35.800 Kilometern Höhe. In dieser Umlaufbahn stehen die Objekte relativ zur Erdoberfläche still, das heißt, sie befinden sich immer über dem gleichen Punkt der Erde. Zurück zum Absatz
3 Fullerene
Kohlenstoff existiert im festen Zustand in mehreren Formen, je nachdem wie sich die Atome anordnen. Am längsten bekannt sind Diamant und Graphit. Kohlenstoffatome können sich aber auch zu kugelförmigen Molekülen verbinden. Das sind die Fullerene. Zurück zum Absatz
Autor:

Eva Schultes

Stand: 04.03.2008


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