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Wenn das Vergessen kommt

Alzheimer auf der Spur

  • SendeterminDienstag, 02. Dezember 2008, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 06. Dezember 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Pinwand mit Familienfotos, die zum Teil verblasst sind
Nach und nach verblassen die Erinnerungen an das eigene Leben

Unsere Welt ist angefüllt mit Dingen, die wir uns merken müssen. Unser Gehirn wird tagtäglich mit Informationen überflutet. Da ist es sogar wichtig, dass wir ab und an vergessen. Bei der Krankheit Alzheimer wird das Vergessen jedoch übermächtig. Wenn wir den Autoschlüssel nicht an seinem gewohnten Platz wiederfinden, ist das noch kein Hinweis auf eine Alzheimer-Erkrankung. Kritisch wird es, wenn wir vergessen, dass wir überhaupt ein Auto besitzen, obwohl der Schlüssel an seinem gewohnten Platz liegt. Alzheimer bedeutet mehr, als Namen und Dinge zu vergessen. Mit dem Vergessen kommt bei den Betroffenen auch oft Orientierungslosigkeit, Unsicherheit und Angst. Bislang gibt es keinen Wirkstoff, der den Verfall im Gehirn aufhält. Finden die Forscher keinen Durchbruch in Therapie und Medizin, wird sich die Zahl der Alzheimerkranken bis zum Jahr 2040 verdoppeln.

Alois Alzheimer gibt der Krankheit seinen Namen

Prognose Demenz-Kranke in Deutschland
Auguste Deter war Alois Alzheimers erste Patientin, die ihn berühmt machte

1906 wird die Krankheit von dem Arzt und Neuropathologen Alois Alzheimer zum ersten Mal beschrieben. Hinter dem geistigen Verfall seiner Patientin Auguste Deter vermutet er als einziger eine biologische Ursache. Als sie mit 56 Jahren stirbt, obduziert Alzheimer ihr Gehirn und findet die Bestätigung: Eiweißablagerungen in der Hirnrinde und den Verlust von Nervenzellen, die ihr Gehirn und ihren Geist geschädigt hatten. 1906 wird sein Vortrag über seine Entdeckung noch nicht ernst genommen: Es passt nicht in das damalige psychologische Weltbild, das eher besagte, dass StichwortDemenz ein Schwachsinn in Folge von unzüchtigem Lebenswandel sei.

Die Krankheit beginnt schon Jahre vor dem Ausbruch

Trotz dieser Entdeckung vor über hundert Jahren liegen die genauen Ursachen noch immer im Dunkeln. Wissenschaftler forschen auf Hochtouren, um dem Rätsel der Krankheit Alzheimer auf die Spur zu kommen. Alzheimer, so die Vermutung der Fachleute, beginnt schon Jahre vor dem Ausbruch, ohne dass man es merkt. Eine genaue Diagnose, so frühzeitig wie möglich, ist deshalb Ziel ihrer Arbeit. Daneben werden neue Medikamente entwickelt. Bislang können die gängigen Präparate nur Symptome lindern und den Verlauf der Krankheit eine Zeit lang bremsen.

Tendenz steigend

Prognose der Zahl von Demenz-Kranken in Deutschland bis 2050
Statistiker gehen davon aus, dass deutschlandweit und auch weltweit immer mehr Menschen an Demenz leiden werden

Weltweit schätzen Experten die Zahl der Demenzkranken auf 26 Millionen. In Deutschland leiden heute 1,1 Millionen an einer Form von Demenz. Wie viele dieser Patienten an Alzheimer leiden, kann man nur schätzen. Denn eine wirklich eindeutige Diagnose von Alzheimer ist oft erst durch Gehirnuntersuchungen nach dem Tod möglich. Die werden aber nur selten gemacht. Schätzungen zufolge haben über 70 Prozent der Demenzkranken Alzheimer. Damit ist sie die am weitesten verbreitete Demenz-Erkrankung. Und ihre Bedeutung wird weiter zunehmen, denn die Gesellschaft wird immer älter. Mit zunehmendem Alter steigt für jeden die Gefahr, an einer Demenz wie Alzheimer zu erkranken. 2050 könnten den Hochrechnungen zufolge 2,6 Millionen Menschen in Deutschland dement sein.

Eine Krankheit des Alters

"Anteil der Demenz-Kranken"
Mit dem Alter steigt der Anteil der Demenz-Kranken (orange Säule) und damit auch der der Alzheimer-Kranken (rote Säule) rapide an

Fluch und Segen liegen nahe beieinander: Die Chance, alt zu werden beinhaltet das Unglück, eventuell an Demenz zu erkranken. Die überwiegende Zahl der Erkrankten sind bereits über 80 Jahre alt, wenn sie die Diagnose Alzheimer bekommen. Der Anteil der Demenzkranken an der Bevölkerung nimmt mit dem Alter zu: Im Alter von 70 bis 75 Jahren ist statistisch jeder Sechsunddreißigste an Demenz erkrankt, im Alter von 85 bis 90 bereits fast jeder Vierte, bei den Über-90-Jährigen ist jeder Dritte betroffen. Eine bestimmte Form von Alzheimer kann auch jüngere Menschen treffen: Sie ist genetisch bedingt. 20.000 solcher Fälle gibt es in Deutschland.

Prominente Kranke: Der Diagnose die Peinlichkeit nehmen

Ronald Reagan, ehemaliger US-Präsident und Schauspieler
Der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan machte seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich

"Ich sehe seinem Entschwinden zu", so beschreibt Inge Jens, Frau des Philologen und Literaturhistorikers Walter Jens, die Alzheimer-Krankheit ihres Mannes 2008 in einem Interview. Im Jahr 1994 gibt Ronald Reagan, amerikanischer US-Präsident und Schauspieler, 83-jährig in einem persönlichen Brief an die US-Bevölkerung seine Krankheit bekannt mit den Worten, er beginne die Reise „zum Sonnenuntergang seines Lebens". Er lebte noch zehn Jahre mit der Krankheit. Prominente Alzheimerkranke und deren Angehörige gehen mittlerweile immer offener mit der Krankheit um. Es ist ein Signal, dem krankhaften Gedächtnisschwund nicht mehr länger als Tabu zu behandeln. Das war nicht immer so. Als Rita Hayworth, Schauspielerin und das Sexsymbol ihrer Zeit, im Alter immer verwirrter wurde, unterstellte die Presse, dass sie unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen stünde. Erst nach ihrem Tod veröffentlicht ihre Tochter die Diagnose: Alzheimer. Die englische Kinderbuchautorin Enid Blyton, die 1968 mit 71 Jahren an Alzheimer starb, bemühte sich, so lange wie möglich für die Öffentlichkeit das Bild einer geistig aktiven Frau aufrecht zu erhalten und ihre Krankheit zu verbergen.

Stichwörter

1 Demenz
Den Begriff Demenz (de = ohne, mens = Verstand) prägte der französische Arzt Philippe Pinel 1797. Er hatte festgestellt, dass es hochbetagte Menschen gibt, die ohne erkennbare Ursachen eine reduzierte Gedächtnisleistung und Verstandeskraft haben. Mit dem allgemeinen Begriff sind Krankheitsbilder zusammengefasst, die einen Verlust von geistigen Fähigkeiten bewirken. Alzheimer ist nicht gleichzusetzen mit Demenz, sondern eine spezielle Form des generellen Begriffes Demenz. Da sich die Merkmale ähneln, ist die Unterscheidung schwierig: Gefäßerkrankungen oder Hirntumore können beispielsweise auch eine Demenz auslösen. Zudem gibt es Krankheiten mit Alzheimer-ähnlichen Symptomen wie etwa die Pick-Krankheit (eine Degeneration des Stirnlappens im Gehirn), die Lewy-Körperchen-Krankheit (Sinnestäuschungen durch Einschlüsse in den Nervenzellen), Durchblutungsstörungen im Gehirn (zerebrovaskuläre Krankheiten) oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (Veränderung der Hirnrinde durch krankmachende Proteine). Zurück zum Absatz
Autorin:

Anke Rau

Stand: 25.11.2008


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