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Quarks & Co
Sendung vom 09. Dezember 2008
Halbe Wahrheiten - viele Kalorien
Drei Millionen Tonnen Zucker: Soviel wird Jahr für Jahr in Deutschland umgesetzt. Über 500.000 Tonnen wird in den Haushalten genutzt: zum Kochen, Backen und beim Teetrinken. Doch der größte Teil ist sogenannter Verarbeitungszucker für die Industrie. Daraus entstehen Süßigkeiten, Backwaren und viele andere Leckereien. Zucker ist Teil unseres Lebens. Doch es gibt viele Irrtümer und Halbwahrheiten rund um den süßen Stoff. Die Quarks-Arena deckt die fünf spannendsten Mythen auf.
Falsch. Brauner Zucker enthält zwar im Vergleich zu
weißem Zucker geringe Mengen an Mineralstoffen und Vitaminen
(insbesondere Kalium, Aminosäuren und Vitamine der B-Gruppe).
Aber das ist so wenig, dass es keine Rolle spielt.
Übrigens: Der braune Zucker, den man im Supermarkt kaufen
kann, ist in der Regel nichts anderes als weißer Zucker, der
lediglich braun gefärbt wurde; zum Beispiel mit
karamellisiertem Zucker. Man kann Zucker aber auch einfach mit
braunem Sirup färben.
Daneben gibt es noch einen weiteren braunen Zucker: den sogenannten Rohzucker (auch Roh-Rohrzucker). Meist wird er aus Zuckerrohr hergestellt; die darin enthaltene Melasse färbt den Zucker braun. Doch dieser Zucker ist nicht jedermanns Geschmack und außerdem teurer als normaler Zucker.
Übrigens: Zucker ist kein Grundnahrungsmittel, sondern im Großen und Ganzen unnötiger Luxus mit hohem Kariespotenzial – egal, ob er weiß oder braun ist. Und das gilt prinzipiell übrigens auch für Honig!
Nicht richtig. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Schokoladenkonsum und unreiner Haut. Pickel entstehen durch eine verstärkte Talgproduktion und verstopfte Poren. Und das hat vor allem hormonelle Gründe. In der Pubertät produzieren sowohl Mädchen als auch Jungen männliche Sexualhormone, die auch die Talgproduktion in der Haut erhöhen.
Zwar lässt sich eine übermäßige Talgproduktion durch strenges Fasten um bis zu 30 Prozent verringern. Aber der Umkehrschluss, dass der Genuss von Schokolade die Talgproduktion erhöht, ist wissenschaftlich nicht geklärt.
In den vergangenen zwei Jahren sind neue Studien zum Thema Akne und Ernährung gemacht worden. Diese werden die Diskussion sicherlich wieder anheizen. Bisher fehlen aber überzeugende wissenschaftliche Studien zum Zusammenhang von Schokoladenverzehr und unreiner Haut.
Stimmt nicht. Es ist zwar richtig, dass Traubenzucker schnell ins Blut geht. Aber gewöhnlicher Zucker ist genauso gut für einen schnellen Energieschub.
Wo kommt der Irrglauben her? Traubenzucker (Glukose) ist genau der Zucker, der über den Darm ins Blut übergeht – ein sogenannter Einfachzucker. Der gewöhnliche Haushaltszucker (Saccharose) ist jedoch ein Zweifachzucker: Darin sind zwei verschiedene Einfachzucker chemisch verbunden. Bevor der Körper den Haushaltszucker verwenden kann, muss er also aufgespalten werden. Doch dieser Aufspaltungsprozess geht so schnell vonstatten, dass die Zeit, die der Zucker benötigt, um ins Blut zu gelangen, dadurch kaum verlängert wird.
Einen Unterschied zwischen Haushaltszucker und Traubenzucker gibt es dennoch: Um dem Körper dieselbe Menge Glukose anzubieten, muss man ungefähr die doppelte Menge Haushaltszucker nehmen. Statt zum Beispiel knapp 6 Gramm Traubenzucker aus einem "Energie-Lieferanten" zu essen, kann man auch vier Stück Würfelzucker zu je 2,7 Gramm nehmen. Schmeckt nicht ganz so gut – ist aber deutlich günstiger.
Stimmt nicht. Zucker kriegt man nicht durch Zucker – zumindest nicht ursächlich. Bei der Zuckerkrankheit unterscheidet man zwei Formen: den Diabetes Typ 1 und Typ 2. Ein Typ-1-Diabetes entsteht, wenn die insulinproduzierenden Zellen nicht mehr funktionieren - die Krankheit beginnt meist schon im Jugendalter. Ein Typ-2-Diabetes – mit 95 Prozent der Zuckererkrankungen die häufigere Form – entsteht in der Regel erst im Alter. Die Zellen dieser Menschen werden in zunehmendem Maße unempfindlich für Insulin. Und für diese Form gilt: Wer diabeteskrank wird, hat erstens eine genetische Veranlagung dazu und ist zweitens übergewichtig und bewegt sich zu wenig.
Eine kleine Wahrheit steckt aber doch in diesem Mythos: Wissenschaftler vermuten, dass im Bauchfett übergewichtiger Menschen Substanzen ausgeschüttet werden, die die Insulinresistenz der Zellen erhöhen. Und man hat herausgefunden, dass eine deutlich geringere Kalorienaufnahme gepaart mit körperlicher Bewegung wieder zu einer besseren Insulinverwertung führt. Wer also fettleibig geworden ist, weil er zu viel Süßes gegessen hat, hat im Endeffekt vielleicht doch den entscheidenden tragischen Schritt selbst getan, an Diabetes zu erkranken.
So hartnäckig sich die Vorstellung hält, dass Schokolade wie eine Droge auf das Gehirn wirkt: Sie ist leider falsch. Schokolade enthält zwar einige Stoffe, die das Hirn beeinflussen könnten – theoretisch. Doch praktisch wirkt keiner von ihnen. Die heißesten Kandidaten sind Glückshormone, Hirnbotenstoffe oder sogar Rauschdrogen. Warum sie nicht wirken, und warum Schokolade doch glücklich macht, lesen Sie hier.
Axel Bach
Stand: 25.11.2008
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