Schokolade macht glücklich!

Nur funktioniert es anders als man denkt

  • Dienstag, 09. Dezember 2008, 20.15 - 21.45 Uhr
  • Samstag, 13. Dezember 2008, 10.20 - 11.50 Uhr (Wdh.)

Szenenbild aus der Sendung Quarks & Co

Tafel Schokolade

Warum macht Schokolade glücklich?

Im Internet geistert die These durch unzählige Foren, und viele, die Schokolade mögen, würden es beschwören: Schokolade macht glücklich, und zwar, weil sie Substanzen enthält, die das Gehirn beeinflussen. Aber wir verraten Ihnen, warum nichts davon, was in der Schokolade steckt, für einen Glückskick im Gehirn verantwortlich sein kann. Und am Schluss verraten wir noch etwas: Schokolade macht trotzdem glücklich! Dazu haben wir in der Quarks-Arena ein medizinisches Experiment gemacht und einer echten Schokoliebhaberin ins Gehirn geschaut.

Zunächst aber zu den heißesten Kandidaten für den Glückskick - und warum keiner von ihnen wirkt.



• das Glückshormon Phenethylamin (PEA)

Dieses Hormon haben auch frisch Verliebte im Blut. Tatsächlich ist etwas PEA in Schokolade nachweisbar. Doch kommt der Stoff mit der Nahrung in den Körper, bauen Enzyme das Hormon schnell ab. Man müsste 100 Schokotafeln essen, damit eine wirksame Dosis in den Körper, ins Gehirn und ins Blut gelangt.

• die Rauschdroge Anandamid

Hanfpflanzen

Hauptquelle Hanf: Anandamid, die Droge aus der Cannabis-Pflanze

Diese Substanz kommt auch in Haschisch vor. Doch die Menge, die in Schokolade enthalten ist, ist viel zu gering für eine Wirkung.

• die Aufputschmittel Koffein und Theobromin

Tasse Kaffe

Macht auch nicht high: Koffein

Beide Stoffe sind Nervengifte, mit denen sich die Kakaopflanze gegen Fressfeinde wehrt. Beim Menschen wirken sie in geringen Dosen anregend auf Herz und Kreislauf. Koffein wirkt aber nicht stimmungsaufhellend, oder löst gar einen Glücksrausch aus. Sonst müsste eine Tasse Kaffee high machen, denn sie enthält mehr Koffein als eine ganze Tafel Schokolade. Theobromin wirkt zwar als Arzneimittel leicht stimmungsaufhellend, wenn man hohe Dosen in Reinform gibt. Aber dafür ist in der Schokolade viel zu wenig enthalten.

• der Glücksstoff Serotonin

Bananen

In Bananen ist mehr Serotonin drin als in Schokolade

Diesen Botenstoff stellt das Gehirn selbst her. Serotonin ist wichtig für vielerlei Vorgänge und spielt zum Beispiel bei Depressionen eine Rolle: Depressive haben nachweislich weniger Serotonin im Gehirn zur Verfügung. Doch Schokolade hilft dagegen nicht. Sie enthält nicht viel von dem Stoff - viel weniger Serotonin als etwa Walnüsse, Bananen oder Tomaten. Und selbst die gelten gemeinhin nicht gerade als Glücklichmacher. Denn Tatsache ist, dass Serotonin aus Nahrungsmitteln gar nicht erst ins Gehirn gelangen kann. Das empfindliche Organ ist durch eine Barriere geschützt. Diese sogenannte Blut-Hirn-Schranke sitzt in den Wänden der Adern im Gehirn und lässt nur bestimmte Stoffe durch. Viele Substanzen aus Nahrung und Verdauung schwimmen zwar durch die Adern, können aber die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren und daher nicht ins Nervengewebe des Gehirns vordringen. So ist es auch mit dem Glücksbotenstoff Serotonin: Nur vom Gehirn selbst produziertes Serotonin wirkt auch dort.

• der Eiweißbaustein Tryptophan

gebratenes Steak

Fleisch macht irgendwie auch glücklich. Oder nicht?

Auch Tryptophan soll zum Glückskick beim Schoko-Esser beitragen. Tryptophan ist eine Aminosäure, aus der im Gehirn Serotonin und andere wichtige Stoffe hergestellt werden. Doch erstens gibt es Lebensmittel, die viel mehr Tryptophan enthalten als Schokolade: Fleisch, Käse, Milch, Eier, Butter und alles, was viel Eiweiß enthält. Sie gelten, wie oben Bananen oder Tomaten, nicht als Glücklichmacher. Das müsste aber der Fall sein, wenn Tryptophan eine unmittelbare Wirkung hätte. Zum Vergleich: Eine Tafel Milchschokolade von 100 Gramm enthält 50 bis 70 Milligramm Tryptophan, 100 Gramm Käse dagegen zwischen 250 und 500 Milligramm. Aber macht Käse wirklich so glücklich? Außerdem dauert die Umwandlung von Tryptophan in Serotonin ihre Zeit. Deshalb kann auch Tryptophan nicht der Grund für den Glückskick beim Schokoessen sein.

Warum macht Schokolade trotzdem glücklich?

Frau beißt in Tafel Schokolade

Viele behaupten, dass Schokolade glücklich macht. Aber woran kann es liegen?

Schokoladenforscher wissen es schon lange: Die Legende von Rauschmitteln oder Glücksstoffen in der Schokolade ist haltlos. Auch die Schokoexperten von Nestlé in der Schweiz winken ab – es gibt keine Stoffe in der Schokolade, die eine echte Wirkung auf das Gehirn haben. Doch eines lässt sich nicht bestreiten: Viele Menschen fühlen sich glücklich, beruhigt, getröstet oder befriedigt, wenn sie Schokolade essen. Alles nur Einbildung?

Erfüllte Erwartungen stimulieren das Gehirn

Kernspintomographie Gehirn

Der Botenstoff Dopamin löst Euphorie aus

Nicht ganz, sagen die Fachleute: Es kann so etwas wie einen Glückskick beim Schokoessen wirklich geben. Doch der kommt einfach davon, dass derjenige, der Schokolade isst, Schokolade mag. Und zwar das köstliche Aroma, den zarten Schmelz auf der Zunge, den süßen Geschmack. Dazu kommt noch die Gewohnheit, Schokolade in besonderen Situationen zu essen – als Trost etwa, oder als Belohnung. So gewinnt die Schokolade an emotionaler Bedeutung, und diese Gewohnheit verankert sich im Gehirn: Sobald Schokolade in der entsprechenden Situation gegessen wird, reagiert das sogenannte Belohnungssystem. Es umfasst eine Reihe von Arealen, die immer dann aktiv sind, wenn Menschen Erfolg haben, wenn ihnen etwas glückt, oder wenn ein Plan gelingt. Schon seit Jahren ist bekannt, dass das Belohnungssystem bei Menschen anspringen kann, wenn sie Dinge essen, die sie mögen. Dabei schütten die Hirnzellen einen bestimmten Botenstoff aus, das Dopamin. Das Glücksgefühl beim Schokoessen entsteht durch diesen Vorgang im Gehirn – und nicht, weil etwa Dopamin in der Schokolade steckt.

Reine Geschmackssache: Schokolade

Kernspintomographie Gehirn

Gehirn unter der Lupe - der Kernspin zeigt, wo es vermehrte Aktivität gibt

Bei echten Schokoliebhabern springt das Belohnungszentrum schon an, wenn sie nur Bilder von Schokolade sehen. Allein die Aussicht auf den Lieblingsstoff bringt das Gehirn in Wallung. Bei Menschen, die auf Schokolade nicht besonders scharf sind, gibt es diese Reaktion nicht – und so war es bei unseren Testkandidaten im Quarks-Arena-Experiment: Wir haben zwei Freiwillige von Hirnforscher Dr. Bernd Weber am Institut Life&Brain in Bonn untersuchen lassen. Die Probanden lagen in einem Kernspin-Gerät und sahen Bilder von Schokolade und Bilder von anderen Lebensmitteln – Gemüse, oder Wiener Würstchen. Das Kernspin-Gerät zeichnete währenddessen auf, wo sich in ihrem Gehirn die Durchblutung verstärkt. Und es gab einen deutlichen Unterschied: Heike van Beek, ausgesprochene Schokoliebhaberin, reagierte auf die Schokobilder mit einer erhöhten Aktivität im Belohnungszentrum. Dagegen gab es bei Sebastian Limprecht, der Schokolade nicht besonders mag, keinen nennenswerten Ausschlag. Hirnforscher sagen: Wichtig für den Glückskick ist die Präferenz, die individuelle Vorliebe, der eigene Wunsch, den man sich erfolgreich erfüllt. Und so macht sie doch glücklich, die Schokolade. Und zwar jeden, der sie mag.

Autorin: Johanna Bayer


Stand: 25.11.2008