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Der Streit ums Fett

Cholesterin: zwischen Hysterie und Leichtsinn

  • SendeterminDienstag, 09. Dezember 2008, 20.15 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 13. Dezember 2008, 10.20 - 11.50 Uhr (Wdh.).

Schadet Cholesterin dem Körper?

Geköpftes Frühstücksei
Das Frühstücksei enthält einen lebenswichtigen Stoff: Cholesterin

Cholesterin ist kein „Feind“, der Körper braucht es für viele Funktionen: zum Beispiel in den Zellen, für das Blut, um Sexual- und Stresshormone zu bilden, um Vitamin D herzustellen, außerdem für das Immunsystem und das Gehirn. Cholesterin gehört zusammen mit anderen Stoffen zu den sogenannten Blutfetten – das sind Fette und fettähnliche Substanzen, die im Blut enthalten sind. Außer Cholesterin sind das zum Beispiel auch die sogenannten Triglyzeride. Alle diese Fettstoffe werden mit dem Blut zu Zellen und Organen transportiert.

Woher kommt das Cholesterin?

Butterflocke
Die gute Butter musste lange Jahre der Margarine weichen. Damit ist jetzt Schluss

Das Cholesterin, das der Körper braucht, stellt er überwiegend selbst her, nämlich etwa 90 Prozent seines Bedarfs. Hauptproduktionsort ist die Leber, aber auch Darmschleimhaut, Nebennieren und andere Organe können Cholesterin produzieren - und das Gehirn: Es erzeugt sein eigenes Cholesterin, weil Cholesterin aus der Nahrung, aus dem Darm oder der Leber nicht ins Gehirn gelangen kann. Lebensmittel, die Cholesterin enthalten, sind unter anderem Eier, Innereien und Butter, doch dieses Nahrungscholesterin wirkt sich im Körper kaum aus. Einen gewissen Einfluss haben aber gesättigte Fettsäuren, wie sie in Fleisch, Wurst, Käse anderen tierischen Produkten vorkommen. Sie können den Cholesterinspiegel steigen lassen.

Was heißt „gutes“ und „böses“ Cholesterin?

Eigentlich ist es Unsinn, Cholesterin als „böse“ zu bezeichnen, denn der Stoff selbst ist für den Körper unentbehrlich. Andererseits gibt es zwei verschiedene Erscheinungsformen. Cholesterin ist ein Fettstoff, der sich im Blut nicht gut löst. Daher gibt es Transport-Vehikel für das Cholesterin. Sie umhüllen die Cholesterinmoleküle und verpacken sie so, dass sie im Blut schwimmen. Die Leber entlässt Cholesterin immer zusammen mit diesen Vehikeln ins Blut, und zwar in zwei verschiedenen Ausführungen: als StichwortHDL-Cholesterin oder LDL-Cholesterin Das HDL transportiert Cholesterin durch das Blut wieder zurück in die Leber, wo es abgebaut und ausgeschieden wird. Viel HDL im Blut bedeutet, dass viel Cholesterin abgebaut wird. Das LDL bringt Cholesterin in die Zellen: In den Zellwänden sitzen Andockstellen, an die sich das LDL bindet, um seine Fettladung in die Zelle zu bringen. Das ist seine natürliche Aufgabe, sonst kann der Körper das lebensnotwendige Fett nicht verwerten. Letztlich geht es beim Cholesterinspiegel im Blut darum, an welche Transportvehikel das Fett gebunden ist. Kommt es als LDL-Cholesterin ins Blut, kann es in die Zellen gelangen – zum Beispiel auch dort, wo es eigentlich nicht in so großer Menge hingehört, nämlich in die Wände von Arterien. Deshalb nennt man dieses LDL auch das „böse“, und das andere, die HDL-Form, das „gute“ Cholesterin.

Ist falsche Ernährung schuld an hohen Cholesterinwerten?

Flasche Olivenöl
Olivenöl kann sich günstig auf den Cholesterinwert auswirken – aber das reicht nicht aus

Kaum zu glauben: Für den Körper ist die Zufuhr von Cholesterin, das in Eiern oder Butter steckt, praktisch nicht von Bedeutung. Das hat die neueste Forschung gezeigt. Ein gesunder Körper scheidet überschüssiges Cholesterin, das aus Lebensmitteln stammt, wieder aus. Und selbst wenn man alles Cholesterin aus der Nahrung weglässt, ist damit nur eine durchschnittliche Senkung von 10 – 15 Prozent am Gesamtcholesterinwert zu erreichen! Olivenöl und pflanzliche Fette statt vieler tierischer Fette können den Cholesterinwert zwar günstig beeinflussen. Aber auch hier werden nur Durchschnittszahlen von etwa 10 Prozent Senkung erreicht. Wer also einen entgleisten Wert von über 300 Gesamtcholesterin hat, erreicht alleine durch anderes Essen kaum etwas. Und bei manchen Patienten tut sich trotz Ernährungsumstellung und neuem Lebensstil überhaupt nichts. Denn sie haben eine genetische Veranlagung zu erhöhten Cholesterin-Werten, oder eine Fettstoffwechselstörung. Das betrifft erstaunlich viele Menschen, etwa 10 Millionen Deutsche, schätzen Experten. Und darunter sind nicht nur Übergewichtige. Auch Schlanke können erhöhte Cholesterinwerte haben und einen Herzinfarkt bekommen.

Was passiert bei Arteriosklerose?

Arterie
Gefürchtet und geheimnisvoll: die Arterienverkalkung. Dabei spielt das LDL-Cholesterin eine Rolle

Die Arteriosklerose, salopp „Verkalkung“ genannt, ist eine Krankheit der Blutgefäße. Dabei verändert sich die Gefäßwand – warum, weiß man nicht genau. Ein hoher LDL-Anteil scheint die Krankheit zu begünstigen. Die Rede von der Verkalkung ist allerdings etwas irreführend: Tatsächlich lagert sich Cholesterin keineswegs an den Wänden ab wie Kalk, das in einem alten Wasserrohr ausfällt. Das LDL tut nur, was es soll – es bringt Cholesterin in die Wand des Blutgefäßes. Doch wenn zu viel LDL im Blut ist, können sich unter dem Einfluss anderer Faktoren innen in der Gefäßwand die gefürchteten Ablagerungen bilden. Entzündungen, kleine Verletzungen und Risse in der Wand, Immunreaktionen, vielleicht auch freie StichwortRadikale und StichwortOxidationsprozesse spielen eine Rolle. Irgendwann ist eine so genannte Plaque entstanden, die Cholesterin enthält. Dann wölbt sich die Wand von innen in die Ader hinein und verengt sie. Wenn so eine Stelle aufreißt, verstopft das Gefäß – und passiert das in den Herzkranzgefäßen, ist der Herzinfarkt da. Raucher sind für Arteriosklerose besonders anfällig: Und Rauchen ist auch der wichtigste Risikofaktor für den Herzinfarkt – vor Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Stress. Ein erhöhter LDL-Wert sowie hohe Triglyzerid-Werte liegen zusammen mit dem Rauchen weit vorne. Doch alleine der Gesamtcholesteringehalt im Blut macht noch keinen Herzinfarkt und lässt auch keine Aussage über das Herzinfarktrisiko zu.

Worauf muss man achten beim Cholesterinwert?

Blutbefund mit Cholesterinwert und Triglyzeriden
Nur ein Anhaltspunkt: der Gesamtcholesterinwert

Ganz wichtig ist: Einen starren Grenzwert gibt es nicht. Es gibt auch keine Norm, die für alle gilt. Die Empfehlung von Experten lautet: Ab 200 Milligramm Gesamtcholesterin auf 100 Milliliter Blut sollte man mit dem Arzt sprechen. Doch der Gesamtwert ist nur ein Anhaltspunkt, betonen Fachleute wie Prof. Dr. Achim Weizel von der Lipid-Liga (DGFF) in München sowie Dr. Anja Vogt von der Charité Berlin. Wichtig ist der LDL-Spiegel. Der Gesamtcholesterinspiegel von 200 Milligramm ist dafür nur eine Art Indikator. Und ein höherer Gesamtwert muss nicht krankhaft sein - Menschen mit 250 Milligramm Gesamtcholesterin können, so Weizel, kerngesund sein, wenn sie viel HDL im Blut und sonst keine Risikofaktoren haben.

Was soll man tun?

Joggende Menschen
Ein gesunder Lebensstil ist bei erhöhten Cholesterinwerten wichtig

Es ist – leider - banal: Nichts ist besser für den Cholesterinspiegel als eine gesunde Lebensweise mit genügend Bewegung, ohne Rauchen und ohne Übergewicht. Moderate, regelmäßige Bewegung ist sehr wichtig, dreimal 30 Minuten Ausdauersport in der Woche reichen. Die Bedeutung von Cholesterin und Fett aus der Nahrung wird dagegen oft überschätzt. Man sollte aber seine persönlichen Risikofaktoren im Blick haben, und bei einem Gesamtwert über 200 mit dem Arzt sprechen. Nutzen kann man dazu den Gesundheitscheck mit Blutbild, den die Krankenkasse ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre bezahlt. Zum Blutbild gehört auch die Bestimmung der StichwortTriglyzeride – ebenfalls ein wichtiger Risikofaktor beim Herzinfarkt. Ansonsten sind weder Panik noch fett- und freudloses Essen angesagt. Verantwortungslosigkeit aber auch nicht, so die Lipid-Liga in München: „Jeder sollte seine Werte kennen“, lautet ihr Slogan.

Stichwörter

1 Freie Radikale
Freie Radikale sind Moleküle, die sehr leicht mit anderen Molekülen in ihrer Nähe Verbindungen eingehen. Sie entstehen zu Zehntausenden jeden Tag in den Körperzellen, beim Atmen und bei ganz normalen Verbrennungsvorgängen in der Zelle. Zumeist tragen sie ein reaktionsfreudiges Sauerstoff-Atom, es gibt aber auch Sauerstoff-Stickstoffradikale und andere. Freie Radikale entstehen auch durch äußere Einflüsse wie Sonnenlicht, Radioaktivität, Ozon oder durch Rauchen. Viele freie Radikale können Zellen schädigen und werden für Krankheiten sowie für Alterungsprozesse verantwortlich gemacht. Zurück zum Absatz
2 Oxidationsprozesse
Eine Oxidation liegt dann vor, wenn bestimmte Moleküle mit Sauerstoff reagieren, zum Beispiel das LDL-Cholesterin. Es verändert sich dann chemisch. Zurück zum Absatz
3 HDL / LDL
HDL bedeutet “high density lipoprotein”, also ein Fettstoff mit hoher Dichte. LDL bedeutet „low density lipoprotein”, ein Fettstoff mit niedriger Dichte. Zurück zum Absatz
4 Triglyzeride
Die Triglyzeride gehören wie Cholesterin zu den lebensnotwendigen Blutfetten. Bei bestimmten Krankheiten wie Fettstoffwechselstörungen, Nierenschwäche oder Diabetes steigen die Werte an. Auch bei Alkoholikern und Übergewichtigen sind die Triglyzeridwerte erhöht - sie sind deshalb wichtige Anzeichen für den Arzt. Ein hoher Triglyzeridwert ist auch ein erheblicher Risikofaktor für Arteriosklerose und Herzinfarkt. Deshalb werden die Triglyzeride beim Hausarzt zusammen mit Cholesterin bestimmt, um das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten abzuschätzen. Zurück zum Absatz
Autorin:

Johanna Bayer

Stand: 25.11.2008


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