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Quarks & Co
Sendung vom 09. Dezember 2008
Bier auf Wein, das lass sein...
Jeder Deutsche trinkt im Durchschnitt 10 Liter reinen Alkohol im Jahr. Das entspricht rund einem halben Liter Bier täglich. Und obwohl inzwischen klar ist, dass Alkohol nicht gerade die Gesundheit fördert, gehört er zum sozialen Leben dazu. Daher gibt es viele Ratschläge für den richtigen Umgang – oder besser für den nicht ganz so folgenschweren Umgang – mit Alkohol. Leider halten die Tipps nicht das, was sie versprechen. Die Quarks-Arena hat die fünf größten Alkoholmythen unter die Lupe genommen.
Wer Probleme mit dem Einschlafen oder Durchschlafen hat, dem
wird häufig ein Bierchen am Abend, ein Glas Wein oder
ähnliches empfohlen. Doch das ist kein guter Rat. Es ist zwar
richtig, dass Alkohol ab einer gewissen Menge ermüdend wirkt
und man schnell einschläft, aber er verschlechtert
gleichzeitig die Qualität des Schlafes. Der Grund: Der
Alkoholisierte träumt nicht. Im Schlaflabor konnte man zeigen,
dass die wichtigen sogenannten
REM-Phasen nach Alkoholgenuss zugunsten eines
oberflächlichen Schlafes unterdrückt werden. Der
Körper benötigt jedoch alle Schlafphasen für eine
anhaltende Erholung. Auch wenn man das Gefühl hat, wie ein
„Stein“ geschlafen zu haben, ist man nach einer
alkoholisierten Nacht daher weniger fit.
Nein – Alkohol trinken kann man nicht trainieren. Der Körper kann mit Alkohol nichts anfangen und er kann ihn auch nicht speichern. Daher wird er sofort, vorrangig und so schnell wie möglich abgebaut. Dafür ist in der Leber das Enzym „Alkoholdehydrogenase“ zuständig. Es liegt allerdings nur in begrenztem Maße vor und kann seine Arbeit auch bei hoher Alkohol-Konzentration nicht beschleunigen. Daher erfolgt der Abbau des Alkohols fast linear mit einer festen Rate zwischen 0,1 und 0,2 Promille pro Stunde. Das lässt sich weder durch Sport, frische Luft, Kaffee, Wasser noch Aspirin beschleunigen.
Das Gehirn lernt jedoch, mit der Wirkung des Alkohols umzugehen. Wer häufig Alkohol trinkt, fühlt sich nicht so schnell betrunken - der Promillewert im Blut ist jedoch genauso hoch wie beim Gelegenheitstrinker. Bei der Verkehrskontrolle ist der Lappen ab 0,5 Promille auf alle Fälle weg, auch wenn man sich noch so gut fühlt.
Es gehört für viele Menschen nach einem reichhaltigen, vor allem fettigen Essen dazu, als Abschluss einen Verdauungsschnaps zu trinken. Angeblich wirkt der Alkohol an zwei Stellen. Zum einen soll er dafür sorgen, dass der volle Magen schneller leer wird und zum anderen konkret die Verdauung von Fett unterstützen. Doch beides konnte in mehreren Studien widerlegt werden. Erstens: Der volle Magen entleert sich mit einem Verdauungsschnaps nicht schneller als ohne. Auch das subjektive Völlegefühl vermindert sich nicht, jedenfalls nicht mehr als bei einer gleichen Menge Wasser. Die Untersuchungen haben sogar gezeigt: Wenn man den Alkohol schon vor oder während des Essens trinkt, verlangsamt sich die Magenentleerung. Zweitens: Alkohol verschlechtert sowohl die aktive als auch die passive Aufnahme von Nahrungsbestandteilen, inklusive Fett. Darüber hinaus hemmt Alkohol die Fettverbrennung, so dass rund drei Viertel der Kalorien des Alkohols indirekt als Fett gespeichert werden - der Bierbauch lässt grüßen.
Den Strohhalm-Effekt gibt es nicht. Tatsächlich ist das Alkohol-Molekül so klein, dass es von alleine durch alle Arten von Schleimhäuten gelangt. Es gelangt in der Tat auch durch die Mundschleimhaut ins Blut – allerdings nur zu einem kleinen Teil. Entscheidend ist dabei nämlich die Größe der Oberfläche. Die Mundschleimhaut bringt es gerade mal auf 0,02 Quadratmeter, das entspricht ungefähr der Fläche von zwei Bierdeckeln: Viel zu klein, um davon betrunken zu werden. Man müsste den Alkohol schon stundenlang im Mund behalten, um einen Effekt zu erzielen. Die Magenschleimhaut ist mit der Größe einer Stoffserviette (0,2 Quadratmeter) immerhin schon zehnmal so groß. Das ist jedoch immer noch klein im Vergleich zur Oberfläche des Dünndarms mit rund 100 Quadratmetern - das entspricht der Grundfläche einer Vierzimmerwohnung. Das bedeutet: Im Dünndarm wird der Großteil des Alkohols aufgenommen, rund 1 Gramm pro Minute – und nicht im Mund. Entscheidend für den Strohhalm-Effekt ist vielmehr die Psychologie, denn wie betrunken wir uns fühlen, hängt nicht nur vom Promillewert ab, sondern auch von unserem persönlichen Empfinden und unserer Erwartung. Wenn wir gut gelaunt sind und betrunken werden wollen, dann spüren wir die gleiche Menge Alkohol viel stärker, als wenn wir alleine vor dem Fernseher sitzen und eher einen ruhigen Abend verleben.
Die Reihenfolge der Getränke soll nicht nur auf den Rausch, sondern vor allem auf den Kater am nächsten Tag einen entscheidenden Einfluss haben. Doch das ist ein Irrtum! Alkohol ist Alkohol - es kommt auf die Menge an, nicht auf die Art des alkoholischen Getränks, die Reihenfolge oder den Mix. Tatsächlich ist es aber in der Regel so, dass man insgesamt mehr Alkohol trinkt, wenn man die Getränke wechselt. Normalerweise startet man mit einem Getränk und bleibt relativ lange dabei. Aber selbst wenn es das Lieblingsgetränk ist, nimmt mit jedem Schluck das Verlangen ab. Das bedeutet, man trinkt irgendwann langsamer oder hört ganz auf. Ein neues Getränk bringt dagegen einen neuen Geschmack und einen größeren Anreiz, wieder schneller und insgesamt mehr zu trinken. Das wirkt sich dann sowohl auf den Rausch als auch auf den Kater aus.
Ulrich Grünewald
Stand: 25.11.2008
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