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Sendung vom 23. Dezember 2008
Warum hat der Adventskalender 24 Türchen?
"Wann ist Weihnachten?" Diese Frage ist vielleicht die meistgestellte zwischen dem 1. und 24. Dezember. In der Vorweihnachtszeit sind Kinder besonders ungeduldig, denn schließlich warten sie auch auf Geschenke. Die Antwort "in siebzehn Tagen" wäre viel zu abstrakt. Kinder brauchen etwas Anschauliches, um die Wartezeit zu begreifen: Da ist ein Adventskalender gerade richtig. Mit ihm geht es ganz einfach. Weihnachten ist dann, wenn das letzte Türchen auf ist.
Die ersten Adventskalender entstehen Mitte des 19. Jahrhunderts; natürlich noch selbstgebastelt. In manchen Familien hängen Kinder täglich ein neues Bildchen an die Wand. Manche Kinder zünden gemeinsam mit ihren Eltern für jeden Tag eine neue Kerze an. Verbreitet ist auch der Brauch, für jeden Adventstag einen Strohhalm in die Krippe zu legen. Heiligabend kommt dann das Jesuskind dazu. Die sparsamste Lösung sind Kreidestriche am Türrahmen: Für jeden Tag im Advent wird ein Strich weggewischt. Bleibt nur noch einer übrig, dann ist Weihnachten. Eines haben diese Bräuche gemeinsam: Es gibt nichts zu naschen! Das denkt sich auch eine schwäbische Pastorenfrau namens Selma Lang und bastelt gegen Ende des 19. Jahrhunderts den ersten Adventskalender mit Gebäck. Überliefert ist diese Pioniertat übrigens von ihrem Sohn Gerhard. Er ist von der Idee seiner Mutter so beeindruckt, dass er als Erwachsener Adventskalender professionell herstellt. Und so erscheint um das Jahr 1904 herum sein erster gedruckter Kalender – sozusagen der "Ur-Adventskalender". Er nennt ihn "Im Land des Christkinds". Für jeden Tag gibt es etwas zum Lesen, Ausschneiden und Aufkleben. Als Mitbesitzer einer Druckerei produziert Gerhard Lang über dreißig Jahre lang Adventskalender. Die Schokolade kommt allerdings erst um 1925 hinter die Türchen.
Aber auch ohne Schokolade werden die liebevoll gestalteten Adventskalender von Jahr zu Jahr beliebter – nicht nur in Deutschland. Bereits in den 1950er Jahren werden deutsche Adventskalender exportiert. Besonders begehrt sind sie in den USA. Das verdanken sie auch dem damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower. Er ließ seine Enkel mit einem Kalender aus Deutschland fotografieren. Das fanden die Amerikaner so süß, dass viele plötzlich einen German Adventskalender wollten.
Aber warum hat ein Adventskalender ausgerechnet vierundzwanzig Türchen, obwohl die Adventszeit doch in jedem Jahr unterschiedlich lang ist? Das liegt daran, dass Adventskalender sich heute am Datumskalender orientieren. Wären sie echte Adventskalender müssten sie sich nach der Länge des Advents richten, also nach dem Kirchenkalender. Der Advent beginnt mit dem ersten Adventssonntag. Und der liegt, je nach Jahr, zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember. Würden sich Kalenderhersteller also heute streng nach dem Kirchenkalender richten, müssten Adventskalender jedes Jahr eine andere Anzahl von Türchen haben: In manchen Jahren wären es nur 22 Türchen bis Heiligabend, in anderen Jahren sogar 28. Das wäre zwar spannend für die Kleinen, aber nicht für die Hersteller: Für die ist der 24-Tage-Kalender viel praktischer. So müssen sie ihre Kalender nicht jedes Jahr neu entwerfen und drucken.
Der Kalender mit 24 Türchen ist heute Standard. Die Auswahl ist riesig und jedes Jahr werden in Deutschland genug Adventskalender verkauft, um über 2.400 Tonnen Süßigkeiten reinzupacken. Und wer keine Süßigkeiten mag – für den gibt es sogar Adventskalender mit Hundekuchen.
Heinz-Peter Brück, Georg Gilcher
Stand: 17.12.2008
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