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Quarks & Co
Sendung vom 03. Februar 2009
Der Kreislauf des Geldes
Die ganze Welt zittert, wenn eine Bank in den USA pleitegeht. Die Reaktionen der Finanzwelt und der Politiker machen es deutlich. Der weltweite Finanzstrom darf unter keinen Umständen ins Stocken geraten. Quarks & Co hat sich den Fluss des Geldes genauer angeschaut und fragt: Wer oder was treibt ihn an und warum darf er nicht zu langsam aber auch nicht zu schnell fließen? Finanzen und Banken – das ist alles wie ein großes Spiel – allerdings mit echtem Geld. Das Quarks-Bankenspiel macht deutlich, welche Rollen die verschiedenen Mitspieler haben: die Sparer, die Kreditnehmer, die Banken, die Zentralbank und die Wirtschaftsunternehmen. Und welches alleinige Ziel sie alle vereint.
Wir beginnen im Kleinen. Im Bankenspiel gibt es – wie im echten Leben – Mitspieler, die mehr Geld haben, als sie aktuell ausgeben wollen. Dieses Geld können sie zur Bank bringen. Dort wird es erstens sicher verwahrt und bringt zweitens zusätzliche Einnahmen. Denn die Bank zahlt für Spareinlagen Zinsen. Für 1000 Euro, die der Sparer zur Bank bringt, bekommt er bei einem Zinssatz von vier Prozent nach einem Jahr 1040 Euro. Das lohnt sich für die Bank natürlich nur deswegen, weil sie mit dem Geld des Sparers weitere Geschäfte machen kann. Zum Beispiel indem sie es an andere Mitspieler verleiht. Wer sich bei der Bank Geld leiht, also einen Kredit aufnimmt, muss dafür Leihgebühren zahlen. Für 1000 Euro werden zum Beispiel bei einem Geldleih-Zinssatz von acht Prozent nach einem Jahr 1080 Euro fällig. Die Bank bekommt also mehr Geld von den Leuten zurück, die sich bei ihr Geld leihen, als sie ihren Sparern zahlen muss. An diesem Geschäft verdient die Bank. Als "Zwischenhändler für Geld" vermittelt sie zwischen denen, die zu viel, und denen, die zu wenig Geld haben.
Eine einzelne Bank vermittelt täglich viele solcher Geldgeschäfte. Dadurch hält sie den Geldstrom, der alle Mitspieler versorgt, am Laufen. Nicht jede Ein- oder Auszahlung ist dabei vorhersehbar. Da kann es schon mal vorkommen, dass einer Bank kurzfristig das Geld ausgeht und sie es sich selbst leihen muss. Das kann sie entweder bei einer anderen Bank tun – oder bei der Zentralbank. Und hier kommt der Leitzins ins Spiel. Denn der besagt ganz einfach, zu welchem Zinssatz sich die Banken bei der Zentralbank Geld leihen können. Das wiederum beeinflusst direkt den Zinssatz, den die Bank ihren Sparern zahlen kann, und ihren Kreditnehmern abknöpfen muss.
Bei der Festsetzung des Leitzinses kann die Zentralbank verschiedene Strategien verfolgen. Setzt sie einen hohen Zinssatz an, muss eine Bank viel für das Geld bezahlen, das sie sich von der Zentralbank leiht. Das heißt, dass sie von ihren Kunden auch höhere Zinsen für ihre Kredite verlangen muss. Das führt dazu, dass – wegen der höheren Kosten – weniger Kredite von Firmen und Verbrauchern nachgefragt werden. So ist weniger Geld im Umlauf, und die Währung bleibt stabil. Wenn die Zentralbank allerdings einen niedrigen Leitzins ansetzt, kommt die Bank sehr günstig an Geld und kann ihre Kunden mit günstigen Krediten versorgen. Sparen lohnt sich bei niedrigem Zinssatz weniger. Dadurch ist bei niedrigem Leitzins mehr Geld im Umlauf. Wenn aus diesem Grund Menschen mehr kaufen, kann das in "schlechten Zeiten" den Verkauf ankurbeln und damit Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben. Wie immer ist alles eine Frage der Dosis: Ein sehr hoher Leitzins hält zwar die Währung stabil, verringert aber unter Umständen die Kaufbereitschaft der Mitspieler. Ein sehr niedriger Leitzins erleichtert das Geldleihen bei der Bank, kann aber auch dazu führen, dass zu viel Geld im Umlauf ist. Das bedeutet dann Inflation: Das Geld verliert seinen Wert, weil so viel davon vorhanden ist, dass es keinen entsprechenden Gegenwert mehr gibt.
Wenn man sich die Verbindungen zwischen den vielen Mitspielern vor Augen führt, wird klar: Das Geld muss fließen, damit das Spiel nicht ins Stocken gerät. Wenn eine Bank pleitegeht, kann das schnell auch eine andere Bank "austrocknen". Die Banken sind auf gegenseitige Kredite angewiesen. Es ist der Strom des Geldes, der letztendlich alle Mitspieler versorgt und am Leben hält. Dabei sind alle gleichzeitig davon abhängig und auch selber dafür verantwortlich, dass der Fluss in Bewegung bleibt.
Amanda Mock
Stand: 03.02.2009
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