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Sendung vom 10. Februar 2009
Der Hund – ein Sonderfall der Evolution?
Hunde sind aus unserem Leben kaum noch wegzudenken, egal ob wir nun in der Stadt leben oder in einer einsamen Gegend auf dem Land. Sie erfüllen zahlreiche Aufgaben als Spür- und Rettungshunde, als Hüte- oder Jagdhunde. Die meisten Hunde aber leben als ganz normale Familienhunde mit ihren Menschen. Der Hund ist der älteste tierische Begleiter des Menschen. Der wichtigste Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sich Mensch und Hund im Wortsinne gut verstehen. Sie leben in ähnlichen Sozialstrukturen und sind sehr kommunikativ.
Ganz sicher sind sich die Wissenschaftler nicht, aber vieles spricht dafür, dass der Wolf den ersten Schritt tat. Als erster Kulturfolger suchte er die Nähe des Menschen. Das gilt allerdings nur für einige Tiere. Möglicherweise profitierten sie von den Jagdaktivitäten des Menschen. Sicher haben diese steinzeitlichen Jäger irgendwann die ersten jungen Wölfe mit der Hand aufgezogen. Studien bei heute noch steinzeitlichen Völkern in Südamerika und Asien legen die Vermutung nahe, dass das zunächst völlig zweckfrei geschah. Denn auch bei ihnen haben die meisten Hunde keine Aufgabe. Aber die Menschen vor 15000 bis 20000 Jahren müssen schnell gemerkt haben, dass man Wölfen auch etwas beibringen kann. Wolf und Mensch gewöhnten sich aneinander und die Wölfe veränderten sich. Äußerlich ähnelten sie noch lange ihren wilden Vorfahren, aber sie wurden zahmer und fixierten sich mehr auf den Menschen als Begleiter.
Im Wolfsforschungszentrum im österreichischen Grünau versuchen Wissenschaftlerinnen, die Unterschiede von Wölfen und Hunden zu erforschen. Die Verwandten sind sich ähnlich und doch unterscheiden sie sich in vielen Punkten. Wölfe sind Wildtiere und angepasst an ein Leben in der Natur. Sie sind stets misstrauisch, wachsam und sehr an Nahrung interessiert. Der Hund hat den Menschen als seine ökologische Nische entdeckt. Er versteht es ausgezeichnet, seine Bedürfnisse mitzuteilen und den Menschen für seine Belange einzuspannen. Sein Sozialpartner ist der Mensch. Im Forschungszentrum kann man das an einem einfachen Experiment beobachten: Stellt man einen Teller mit Fleisch in einen Käfig, den Wolf und Hund nicht selbstständig öffnen können, versucht der Wolf mit Kraft und Gewalt an das Futter zu kommen. Der Hund wendet sich – sobald er die Aussichtslosigkeit der Lage erahnt – mit Blicken und Lauten an seinen Menschen. Dieser soll die Türe öffnen. Im übertragenen Sinne machen Hundebesitzer das jeden Tag: Sie öffnen Schränke, Tüten und Dosen, sie kaufen Futter und tragen es nach Hause. Der Hund bekommt seine Nahrung, ohne etwas dafür zu tun oder gar etwas riskieren zu müssen und wird er krank, wird er sogar zum Arzt gebracht. Diese evolutionär erfolgreiche Strategie lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. Allein in Deutschland leben über fünf Millionen Hunde. Wölfe gibt es nur noch einige Tausend weltweit. Die Anpassung an den Menschen war für die Vorfahren der Hunde also der erfolgreiche Schritt in der Evolution, der ihnen eine hohe Nachkommenzahl und eine große Formenvielfalt bescherte – denn das ist evolutionärer Erfolg.
Ob Wolf und Hund enge Verwandte sind – oder doch eine Art: Darüber sind sich Hundeforscher nicht ganz einig. Die klassische biologische Art-Definition sagt, dass Individuen dann eine Art sind, wenn sie zusammen gesunde und fruchtbare Nachkommen zeugen können. Das trifft auf Wolf und Hund zu. Allerdings gelingt das nur in Gefangenschaft unter Einfluss des Menschen oder aus Mangel an anderen Partnern. Lebensweise und ökologische Spezialisierung sind zu unterschiedlich. Ein Hund, der in der Natur in ein ganzes Wolfsrudel geriete, hätte wahrscheinlich kaum eine Überlebenschance. Forscher, die mit Hunden und Wölfen arbeiten, sprechen davon, dass diese beiden am Beginn einer Aufspaltung in getrennte Arten stehen, diese aber wahrscheinlich nie ganz abgeschlossen wird, da der Mensch immer wieder Wölfe in Hundelinien einkreuzt und verwilderte Hunde sich mit Wölfen paaren.
Lars Westermann
Stand: 10.02.2009
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