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Von Sockenschläfern und Schlafwandlern

Die Mythen des Schlafs

  • SendeterminDienstag, 10. März 2009, 20.15 - 21.45 Uhr.
  • WiederholungsterminSamstag, 14. März 2009, 15.00 - 16.30 Uhr (Wdh.).

Platz 5: In kühlen Räumen schlafen ist gesünder

Mann mit Socken im Bett
Mit Socken ins Bett?

Stimmt. Optimal sind 16 bis 17 Grad Raumtemperatur. Das unterstützt den Körper, der beim Einschlafen seine Temperatur abends um etwa ein Grad Celsius absenkt. Aber kälter als 16 Grad Celsius sollte es im Schlafzimmer nicht sein. Wenn es an Händen und Füßen fröstelt, kann man schlecht einschlafen. Selbst Wissenschaftler greifen dann schon mal zu Socken. Der Hintergrund: In einem Versuch konnten italienische Forscher zeigen, dass sich die Haut an den Extremitäten, also Füßen und Händen, bei zu tiefen Temperaturen zusammenzieht und keine Wärme mehr abgeben kann. Trotz übergroßer Kälte erreicht der Körper seine Schlaftemperatur nicht. Einschlafen wird da schwer – da sind Sockenschläfer klar im Vorteil.

Platz 4: Ältere Menschen brauchen weniger Schlaf.

Mann auf Sofa
Auch das Nickerchen zählt zur Schlafenszeit

Das stimmt nicht. Ebenso wenig stimmt der Eindruck vieler Senioren, sie würden nicht mehr soviel schlafen. Neuere Forschungen gehen von einem Schlafvolumen von sieben bis acht Stunden bei jungen Erwachsenen aus. Dieser Wert wird bei Senioren nicht wesentlich unterschritten. Allerdings schlafen ältere Menschen nicht alles davon an einem Stück in der Nacht, besonders dann nicht, wenn sie sehr früh zu Bett gehen und auch früh wieder aufwachen. Zudem machen Senioren häufig auch tagsüber ein Nickerchen. Beim Schlaf werden von Senioren erheblich weniger StichwortHormone ausgeschüttet und der Schlaf selber ist nicht so tief.

Platz 3: Schlafwandler darf man nicht wecken

Mann auf Dach
Schlafwandler haben keine schlafwandlerische Sicherheit

Stimmt nicht. Man sollte sie sogar wecken; nämlich, bevor sie in Gefahr geraten: Schlafwandler befinden sich im StichwortTiefschlaf und verfügen keineswegs über die sprichwörtliche schlafwandlerische Sicherheit. Schlafwandler haben diese Sicherheit nicht eingebaut, sie folgen den erreichbaren Lichtquellen. Früher war das der Mond, heute sind es Straßenlaternen und anderes künstliches Licht. Deshalb besser wecken, bevor gefährliche Situationen eintreten. Bei den Schlafwandlern, bei denen das Problem bekannt ist – das sind meist Kinder und Jugendliche –, kann man Vorsorge treffen und Fenster und Türen so verschließen, dass die Schlafwandler sie nicht öffnen können.

Platz 2: Der Schlaf vor Mitternacht ist der wertvollste Schlaf

Mann im Bett mit Schlafphasen
Tiefschlaf und REM-Schlaf sind wichtig, vor oder nach Mitternacht ist egal

Das ist falsch. Alle Schlafphasen sind wichtig, unabhängig davon, ob mit dem Schlaf vor oder nach Mitternacht begonnen wird. Die erste Hälfte des Schlafes ist im Normalfall dem Tiefschlaf vorbehalten. Dabei werden Wachstumshormone ausgeschüttet. In der zweiten Hälfte träumen wir besonders stark im sogenannten StichwortREM-Schlaf. Auch wer als ausgemachter StichwortAbendtyp erst nach Mitternacht ins Bett geht, schläft ausreichend, solange er alle Schlafphasen durchmacht.

Platz 1: Bei Vollmond schläft man schlechter

Mann mit Vollmond und Straßenlaterne
Jede Straßenlaterne ist heller als der Vollmond

Stimmt nicht: Der Mond hat – anders als auf die Gezeiten (Ebbe und Flut) – keinen messbaren Einfluss auf die Zellen und Moleküle des menschlichen Körpers. Bei vielen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigten sich keine Unterschiede zwischen dem Schlaf in einer Vollmondnacht und in anderen Nächten. Auch die Daten einer großen Schlaf-Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die sich die Forscher extra für die Quarks-Arena auf mögliche Unterschiede hin noch einmal angesehen haben, zeigen keinen signifikanten Unterschied zwischen dem Schlaf bei Vollmond und in Nächten ohne Vollmond. Allerdings, so geben die DLR-Forscher zu bedenken, könnte es jenseits aller Wahrscheinlichkeit Menschen geben, die – aus welchen Gründen auch immer – besonders sensibel auf Vollmond reagieren. Und sei es nur, dass sie bestehende Schlafstörungen dem Vollmond anlasten.

Übrigens: Am Licht des Vollmonds kann es kaum liegen. Dieser hat eine Helligkeit von gerade einmal 0,25 Lux. Jede Straßenlaterne ist mit 10 Lux 40 Mal so hell.

Stichwörter

2 Hormone im Schlaf
Das erste für den Schlaf wichtige Hormon ist das Melatonin. Es wird im Gehirn in der Zirbeldrüse gebildet. Es steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers. Melatonin wird in den Abendstunden vermehrt ausgeschüttet und trägt zur Schlafeinleitung bei. In der ersten Nachthälfte, während des Tiefschlafs werden Wachstumshormone ausgeschüttet. In der zweiten Nachthälfte, wenn größere REM-Schlafphasen vorkommen, werden Stresshormone ausgeschüttet. Zurück zum Absatz
3 Tiefschlaf
Im gesunden Schlaf synchronisieren sich die Nervenzellen des Gehirns und feuern in einem gleichmäßigen Takt, den die Forscher messen können und der ihnen Aufschluss über die jeweilige Schlafphase gibt. Im Allgemeinen wird zwischen vier Schlafphasen (I–IV), sowie dem sogenannten REM-Schlaf unterschieden. Die Schlafphasen III und IV nennen die Forscher Tiefschlaf. Hier sind die Nervenzellen am besten synchronisiert und die Signale, die die Forscher messen, zeigen eine gleichmäßige Wellenform. Die Forscher sprechen denn auch vom Tiefschlaf als langwelligen Schlaf oder Delta-(Wellen-)Schlaf. Zurück zum Absatz
4 REM-Schlaf
Der REM-Schlaf ist der Schlaf mit den schnellen Augenbewegungen ("REM" steht für Rapid Eye Movement) und wird salopp auch Traumschlaf genannt. Im REM-Schlaf wird die Synchronisierung der Nervenzellen aufgehoben. Sie feuern wild: Anders als in den anderen Schlaf-Phasen ist das Gehirn im REM-Schlaf sehr aktiv. Atemfrequenz, Herzfrequenz und Blutdruck steigen an. Lediglich die Muskulatur bleibt unbeeindruckt. Zurück zum Absatz
5 Abendtyp
In der Wissenschaft wird zwischen dem Morgentyp, der früh aufsteht, weil seine innere Uhr es ihm so vorgibt und dem Abendtyp, der auch zu später Stunde noch ein Aktivitätshoch hat und entsprechend spät ins Bett geht, unterschieden. Der Unterschied zwischen den beiden Typen ist genetisch bedingt. Zurück zum Absatz
Autor:

Tilman Wolff

Stand: 10.03.2009


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