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Quarks & Co
Sendung vom 08. September 2009
Vom Dach direkt in die Badewanne
Als Hausbesitzer hat man die Qual der Wahl: Möchte man die
Sonne nutzen, um damit Strom zu produzieren, braucht man eine
Photovoltaikanlage und möglichst viel
Dachfläche für die
Solarmodule. Möchte der Hausbesitzer die
Sonne lieber für warmes Wasser zum Duschen und Heizen nutzen,
kann eine
solarthermische Anlage mit
Solarkollektoren weiterhelfen. Dafür
reicht auch ein kleineres Dach. Oder man entscheidet sich für
beides, wie Familie Klos aus Wipperfürth. Mit insgesamt rund
120 Quadratmetern Solarmodulen auf dem Dach sind sie schon seit
einem Jahr „Mini-Stromerzeuger“. Pro Kilowattstunde
eingespeistem Strom bekommen sie vom Staat knapp 47 Cent –
durchschnittlich 3.700 Euro im Jahr. Das macht Lust auf mehr, darum
soll jetzt noch eine solarthermische Anlage aufs Dach.
Einfache solarthermische Anlagen nutzen die Sonnenenergie nur
zur Brauchwassererhitzung. Dabei wird das Dusch-, Wasch- oder
Spülwasser aufgeheizt. Solche Anlagen starten preislich bei
rund 4.000 Euro – abzüglich 60 Euro
Förderung pro Quadratmeter
Kollektorfläche. Aufwändigere Anlagen unterstützen
auch die Heizung, sparen also auch noch Heizkosten und werden mit
105 Euro pro Quadratmeter gefördert.
Familie Klos hat sich für eine solarthermische Anlage mit Heizungsunterstützung entschieden. Sie kostet um die 20.000 Euro, inklusive der auf fünf Tage angesetzten Montage. Die Handwerker arbeiten dabei parallel auf dem Dach und im Keller. Auf dem Dach müssen sie zwischen sieben und 14 Quadratmeter Solarkollektoren montieren – je nach Kollektortyp. Zur Auswahl stehen Flach- und Vakuumröhrenkollektoren. In beiden befindet sich eine Wärmeträgerflüssigkeit, die die Wärme aus der Sonne speichert und später an das Brauchwasser abgibt.
Familie Klos entscheidet sich für Vakuumröhrenkollektoren. Sie sehen aus wie langgezogene, aneinandergereihte Thermoskannen. Jede dieser Röhren besteht eigentlich aus zwei Röhren. Im inneren Rohr ist die Wärmeträgerflüssigkeit enthalten, drum herum befindet sich eine zweite Röhre aus Glas. Im Zwischenraum herrscht ein luftleerer Raum. Das Vakuum dämmt und dadurch arbeiten die Vakuumröhrenkollektoren besonders effizient. Sie sind teurer in der Anschaffung als Flachkollektoren, brauchen aber oft auch weniger Kollektorfläche.
Im Keller bauen die Handwerker als erstes den alten Heizkessel ab und den neuen Solarspeicher auf. Das ist ein riesiger Kessel zur Warmwasserbereitung. In diesem Fall fasst er 1.000 Liter und sorgt für einen ständigen Vorrat an warmem Wasser zum Duschen, Waschen und zur Heizungsunterstützung. Solarspeicher unterscheiden sich von klassischen Speichern aber nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch die Art der Wassererwärmung. Im Gegensatz zu normalen Speichern muss der Heizkessel bei Solarspeichern nur im Notfall einspringen, die meiste Zeit liefert die Sonne die nötige Heizenergie – sofern der „Solarkreislauf“ funktioniert.
Auch wenn mit den fertig montierten Solarkollektoren auf dem Dach und dem neuen Solarspeicher im Keller der Großteil der solarthermischen Anlage steht – sie funktioniert nur durch ein ausgeklügeltes System: Fühler kontrollieren auf dem Dach und im Keller ständig die Temperatur der Kollektoren und des Speicher mit dem Warmwasservorrat. Sobald die Sonne den Wärmeträger im Solarkollektor erwärmt und sich eine ausreichende Temperaturdifferenz zwischen beiden Fühlern ergibt, befördert eine Pumpe die Wärmeträgerflüssigkeit in den Solarspeicher im Keller. Dort gibt der Wärmeträger seine Energie an das Brauchwasser ab. Das registriert wiederum der Temperaturfühler im Solarspeicher und pumpt die abgekühlte Wärmeflüssigkeit wieder nach oben aufs Dach – der Solarkreislauf ist geschlossen. An besonders trüben Tagen sorgen die Fühler übrigens auch dafür, dass die Pumpe wegen der fehlenden Sonneneinstrahlung ab- und der Heizkessel angeschaltet wird. So gibt es keine kühle Überraschung.
Etwa 30 Prozent der Heiz- und Warmwasserkosten lassen sich durch eine einfache solarthermische Anlage sparen. Wird beim Aufbau gleichzeitig noch ein alter Heizkessel gegen einen neuen getauscht, sind sogar Einsparungen bis zu 50 Prozent drin. Je höher der Warmwasserverbrauch einer Familie, desto eher lohnt sich die Anschaffung. Bei einer vierköpfigen Familie können die eingesparten Energiekosten bis zu 1000 Euro im Jahr ausmachen, nach 20 Jahren hätte Familie Klos so die Kosten für Anlage und Montage in jedem Fall wieder drin. Doch die Familie hofft, dass sich ihre neue Anlage schon viel früher auszahlt, denn sie rechnen mit weiter steigenden Energiepreisen. Angenommen, Öl und Gas würden jährlich um fünf bis sieben Prozent teurer: Die Anlage könnte sich schon nach zwölf bis 14 Jahren rentieren.
Sonja Kolonko
Stand: 08.09.2009