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Vom Dach direkt in die Badewanne

Lohnt sich eine solarthermische Anlage?

  • SendeterminDienstag, 08. September 2009, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 12. September 2009, 12.00 - 12.45 Uhr (Wdh.).
Nahansicht fertig montierter Röhrenkollektor ; Rechte: WDR
Ein Solarkollektor sammelt Sonnenenergie für warmes Wasser

Als Hausbesitzer hat man die Qual der Wahl: Möchte man die Sonne nutzen, um damit Strom zu produzieren, braucht man eine StichwortPhotovoltaikanlage und möglichst viel Dachfläche für die StichwortSolarmodule. Möchte der Hausbesitzer die Sonne lieber für warmes Wasser zum Duschen und Heizen nutzen, kann eine Stichwortsolarthermische Anlage mit StichwortSolarkollektoren weiterhelfen. Dafür reicht auch ein kleineres Dach. Oder man entscheidet sich für beides, wie Familie Klos aus Wipperfürth. Mit insgesamt rund 120 Quadratmetern Solarmodulen auf dem Dach sind sie schon seit einem Jahr „Mini-Stromerzeuger“. Pro Kilowattstunde eingespeistem Strom bekommen sie vom Staat knapp 47 Cent – durchschnittlich 3.700 Euro im Jahr. Das macht Lust auf mehr, darum soll jetzt noch eine solarthermische Anlage aufs Dach.

Duschen mit Solarenergie

Einfache solarthermische Anlagen nutzen die Sonnenenergie nur zur Brauchwassererhitzung. Dabei wird das Dusch-, Wasch- oder Spülwasser aufgeheizt. Solche Anlagen starten preislich bei rund 4.000 Euro – abzüglich 60 Euro StichwortFörderung pro Quadratmeter Kollektorfläche. Aufwändigere Anlagen unterstützen auch die Heizung, sparen also auch noch Heizkosten und werden mit 105 Euro pro Quadratmeter gefördert.

Familie Klos hat sich für eine solarthermische Anlage mit Heizungsunterstützung entschieden. Sie kostet um die 20.000 Euro, inklusive der auf fünf Tage angesetzten Montage. Die Handwerker arbeiten dabei parallel auf dem Dach und im Keller. Auf dem Dach müssen sie zwischen sieben und 14 Quadratmeter Solarkollektoren montieren – je nach Kollektortyp. Zur Auswahl stehen Flach- und Vakuumröhrenkollektoren. In beiden befindet sich eine Wärmeträgerflüssigkeit, die die Wärme aus der Sonne speichert und später an das Brauchwasser abgibt.

Familie Klos entscheidet sich für Vakuumröhrenkollektoren. Sie sehen aus wie langgezogene, aneinandergereihte Thermoskannen. Jede dieser Röhren besteht eigentlich aus zwei Röhren. Im inneren Rohr ist die Wärmeträgerflüssigkeit enthalten, drum herum befindet sich eine zweite Röhre aus Glas. Im Zwischenraum herrscht ein luftleerer Raum. Das Vakuum dämmt und dadurch arbeiten die Vakuumröhrenkollektoren besonders effizient. Sie sind teurer in der Anschaffung als Flachkollektoren, brauchen aber oft auch weniger Kollektorfläche.

1.000 Liter Wasser in einem Kessel

Handwerker tragen sehr großen, schweren Solarspeicher am Haus
vorbei; Rechte: WDR
Der neue Solarspeicher muss in den Keller

Im Keller bauen die Handwerker als erstes den alten Heizkessel ab und den neuen Solarspeicher auf. Das ist ein riesiger Kessel zur Warmwasserbereitung. In diesem Fall fasst er 1.000 Liter und sorgt für einen ständigen Vorrat an warmem Wasser zum Duschen, Waschen und zur Heizungsunterstützung. Solarspeicher unterscheiden sich von klassischen Speichern aber nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch die Art der Wassererwärmung. Im Gegensatz zu normalen Speichern muss der Heizkessel bei Solarspeichern nur im Notfall einspringen, die meiste Zeit liefert die Sonne die nötige Heizenergie – sofern der „Solarkreislauf“ funktioniert.

Der Solarkreislauf

Auch wenn mit den fertig montierten Solarkollektoren auf dem Dach und dem neuen Solarspeicher im Keller der Großteil der solarthermischen Anlage steht – sie funktioniert nur durch ein ausgeklügeltes System: Fühler kontrollieren auf dem Dach und im Keller ständig die Temperatur der Kollektoren und des Speicher mit dem Warmwasservorrat. Sobald die Sonne den Wärmeträger im Solarkollektor erwärmt und sich eine ausreichende Temperaturdifferenz zwischen beiden Fühlern ergibt, befördert eine Pumpe die Wärmeträgerflüssigkeit in den Solarspeicher im Keller. Dort gibt der Wärmeträger seine Energie an das Brauchwasser ab. Das registriert wiederum der Temperaturfühler im Solarspeicher und pumpt die abgekühlte Wärmeflüssigkeit wieder nach oben aufs Dach – der Solarkreislauf ist geschlossen. An besonders trüben Tagen sorgen die Fühler übrigens auch dafür, dass die Pumpe wegen der fehlenden Sonneneinstrahlung ab- und der Heizkessel angeschaltet wird. So gibt es keine kühle Überraschung.

So viel Geld kann man sparen

Wirtschaftlichkeitsrechnung geschrieben auf Solarmodulen; Rechte:
WDR
Eine solarthermische Anlage spart Energiekosten

Etwa 30 Prozent der Heiz- und Warmwasserkosten lassen sich durch eine einfache solarthermische Anlage sparen. Wird beim Aufbau gleichzeitig noch ein alter Heizkessel gegen einen neuen getauscht, sind sogar Einsparungen bis zu 50 Prozent drin. Je höher der Warmwasserverbrauch einer Familie, desto eher lohnt sich die Anschaffung. Bei einer vierköpfigen Familie können die eingesparten Energiekosten bis zu 1000 Euro im Jahr ausmachen, nach 20 Jahren hätte Familie Klos so die Kosten für Anlage und Montage in jedem Fall wieder drin. Doch die Familie hofft, dass sich ihre neue Anlage schon viel früher auszahlt, denn sie rechnen mit weiter steigenden Energiepreisen. Angenommen, Öl und Gas würden jährlich um fünf bis sieben Prozent teurer: Die Anlage könnte sich schon nach zwölf bis 14 Jahren rentieren.

Stichwörter

1 Photovoltaik
Die Photovoltaik verwendet Solarzellen, um das Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom umzuwandeln. In Solarzellen aus Silizium werden unter Zufuhr von Licht oder Wärme positive und negative Ladungsträger freigesetzt und so Gleichstrom erzeugt, der direkt Motoren antreiben oder Akkus aufladen kann. Will man ihn im Alltag zum Beispiel zum Antrieb von Haushaltsgeräten nutzen, wird dieser Gleichstrom normalerweise durch einen Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt. Zurück zum Absatz
2 Solarthermie
Bei der Solarthermie erwärmt das Sonnenlicht zum Beispiel Wasser oder Luft. Wird Solarthermie auf dem Hausdach angewandt, fließt unter einer dunklen Fläche – dem sogenannten Absorber – eine Mischung aus Wasser und dem Frostschutzmittel Glycol. Die Mischung erhitzt sich durch die Sonneneinstrahlung. Die Trägerflüssigkeit wird vom Dach in einen Wärmespeicher im Keller geleitet. Dort heizt die Wärme dann zum Beispiel das Brauchwasser auf. In solarthermischen Kraftwerken wird dagegen im großen Maßstab Thermoöl oder Luft erhitzt und die entstandene Wärme im zweiten Schritt in Strom umgewandelt. Zurück zum Absatz
3 Solarkollektor
Ein Solarkollektor sammelt die im Sonnenlicht enthaltene Energie. Ein sogenannter Solarabsorber wandelt dabei die Lichtenergie der Sonne in Wärme um und gibt diese an einen Wärmeträger weiter, der sich im Inneren des Solarkollektors befindet. Zurück zum Absatz
4 Solarmodul
Ein Solarmodul wandelt das Licht der Sonne direkt in elektrische Energie um. Als wichtigste Bestandteile enthält es mehrere Solarzellen, die heutzutage meist aus Silizium bestehen. Der Vorteil von Silizium: Sein Grundstoff, der Quarzsand, ist in ausreichender Menge auf der Erde vorhanden. Und Silizium ist umweltverträglich. Die Solarzellen können aus mono- und polykristallinem Silizium bestehen. Monokristallin bedeutet, dass es sich um einen einzigen Kristall handelt. Polykristallin bedeutet: Mehrere Siliziumschichten wurden zu einem Block gepresst und dann in dünne Scheiben zersägt. Zurück zum Absatz
5 Förderung
Für solarthermische Anlagen gibt es zwar keine Einspeisevergütung, dafür aber andere Fördermöglichkeiten. Zusätzlich zu den im Text beschriebenen Förderungen seien hier Folgende genannt: Für den Austausch eines Heizkessels ohne Brennwerttechnik gegen einen Kessel mit Brennwerttechnik gibt es momentan 750 Euro. Besonders effiziente Solarpumpen werden zurzeit mit 50 Euro gefördert. Weitere Informationen erteilt die Energieagentur NRW oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Zurück zum Absatz
Autorin:

Sonja Kolonko

Stand: 08.09.2009


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