Karten, die das Leben erleichtern

OpenStreetMap für Rollstuhlfahrer

  • Dienstag, 15. September 2009, 21.00 - 21.45 Uhr
  • Samstag, 19. September 2009, 12.00 - 12.45 Uhr (Wdh.)

Szenenbild aus der Sendung Quarks & Co

Karten, die das Leben erleichtern

Wenn Rollstuhlfahrer in der Stadt unterwegs sind, benötigen sie ganz andere Informationen als Menschen, die zum Beispiel zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch die Straßen eilen. Oft versperren zum Beispiel parkende Autos oder Treppen den Weg – ein Problem vor allem, wenn ein Rollstuhlfahrer alleine unterwegs ist. Geographen von der Universität in Bonn wollen deshalb genau die Informationen sammeln, die Rollstuhlfahrer brauchen und bisher meist nicht bekommen. Daraus soll dann eine Karte im Internet entstehen – ein Routenplaner, der den Rollstuhlfahrern zeigt, welcher Weg der Beste ist.

Wikipedia als Landkarte

Der Rollstuhl-Routenplaner der Bonner Geographen ist Teil von OpenStreetMap, der größten freien Weltkarte im Internet. Seit 2004 gibt es das Projekt. Hierbei sammeln Freiwillige alle möglichen geographischen Informationen in einer Datenbank – zum Beispiel den Verlauf von Straßen, Flüssen oder Eisenbahnlinien. Aus all diesen Daten können dann Karten oder Navigationsprogramme wie der Routenplaner für Rollstuhlfahrer entstehen. OpenStreetMap ist ein loser Zusammenschluss von Leuten, die diese Informationen sammeln. Weltweit schreiben rund 100.000 Menschen am OpenStreetMap-Projekt und verfeinern es mit immer mehr Details. So entsteht eine immer genauere Karte, die in manchen Gegenden beispielsweise auch schon die Position vom Löwengehege im Zoo oder die Lage der besten Skipiste anzeigen kann. Doch die OpenStreetMap-Karte ist noch lange nicht fertig. Es gibt viele Orte, an denen zahlreiche Daten fehlen. Eigentlich wird diese Karte auch nie richtig fertig, da ständig weitere geographische Details aufgenommen werden können. Und die Erdoberfläche verändert sich ja ständig: Neue Straßen werden gebaut, Häuser werden abgerissen und neue errichtet, U-Bahn und Eisenbahnlinien gebaut oder Wanderwege werden eingerichtet.

Ausschnitt aus einer OpenStreetMap-Karte im Internet

OpenStreetMap ist das Wikipedia der Karten – die Internetkarte bekommt immer mehr Details

Das Prinzip von OpenStreetMap ist in etwa dasselbe wie beim Online-Lexikon Wikipedia: Jeder kann mitmachen. Außerdem sind die Daten frei und kostenlos. Das heißt, ohne eine Lizenzgebühr kann eine Karte von OpenStreetMap verwendet und zum Beispiel auch auf die eigene Homepage gestellt werden. Das macht das Projekt einzigartig im Vergleich zu anderen Internetkarten.

Mit Winkelmesser und Wasserwaage

Zollstockmessung an einer Bordsteinkante

Hohe Bordsteinkante – Hürde für Rollstuhlfahrer

Um Straßen und Wege zu vermessen und die Daten für OpenStreetMap zu sammeln, benötigt man ein GPS-Gerät. Darüber kann ständig der Ort bestimmt werden, an dem man sich befindet. Mit Bleistift und Papier notieren sich die „Mapper“ die Daten und Eigenschaften ihrer aktuellen Aufenthaltsorte.

Für den Rollstuhlfahrer-Routenplaner sind dies ganz besondere Informationen. Mit einem Zollstock vermessen die Bonner Geographen zum Beispiel die Höhe der Bordsteinkante. Bis zu drei Zentimeter sollte sie eigentlich nur hoch sein, damit die Rollstuhlfahrer dort ohne Probleme rauf und runter kommen. Auch das Gefälle beziehungsweise die Steigung einer Straße ist eine wichtige Information für Rollstuhlfahrer. Sechs Prozent sollte jeder Rollstuhlfahrer schaffen. Doch auch schon vier Prozent können auf einem langen Stück anstrengend werden. Alles wichtige Daten, die die Bonner Geographen mit Winkelmesser und Wasserwaage vermessen und notieren. Auch Parkplätze oder Toiletten für Behinderte sollen in der Karte verzeichnet sein – wichtige Informationen für einen Rollstuhlfahrer unterwegs.



Zeichnen der Karte

Frau im Rollstuhl auf einer Straße in der Stadt; eine andere Frau zeigt ihr ein kleines GPS-Gerät

Mehr Selbstbestimmung mit dem Routenplaner für Rollstuhlfahrer

Aus all den gesammelten Daten wird aber erst eine Karte, wenn die Mapper nach ihren Streifzügen durch die Stadt die gesammelten Daten ins System von OpenStreetMap übertragen. Dazu wird als erstes das GPS-Gerät an einen Computer angeschlossen. So werden die aufgenommenen Wegmarkierungen ins Programm überführt. Zu den GPS-Koordinaten müssen dann die Eigenschaften der Wege, zum Beispiel die Höhe der Bordsteinkante, das Gefälle der Straße oder die Lage der Behindertentoilette eingetragen und hochgeladen werden. Aus all diesen Daten entwickeln die Bonner Geographen schließlich den Routenplaner für Rollstuhlfahrer.

Diesen Spezial-Routenplaner gibt es zwar erst mal nur für Bonn - als Testgebiet. Doch wenn auch anderswo Mapper ausschwärmen und vermessen, dann entstehen hoffentlich bald mehr OpenStreetMap-Karten speziell für Rollstuhlfahrer.



Autor: Carsten Binsack


Stand: 08.09.2009


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GPS
Die Abkürzung GPS steht für Global Positioning System, deutsch: Globales Positionsbestimmungssystem. Es wurde in den 1980er-Jahren vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium zur weltweiten Positionsbestimmung und Zeitmessung entwickelt. Seine Grundlage bildet ein System aus Satelliten, die die Erde in einer Höhe von circa 20.000 Kilometern umkreisen. Von jedem Punkt unseres Planeten und zu jedem beliebigen Zeitpunkt sind die Signale von mindestens vier GPS-Satelliten zu empfangen. Jeder Satellit strahlt charakteristische Funksignale ab, die auch ein äußerst genaues Zeitsignal enthalten. Der Empfänger auf der Erde vergleicht die Signale der Satelliten und berechnet daraus seine Position auf der Erdoberfläche.