Hauptnavigation

Sonntag, 27.05.2012

Suche im Redaktionsangebot von Quarks & Co
  • Tipps zur vergrößerten Ansicht.
  • Kontakt zur Redaktion.
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z.
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de.
  • Hilfe.
  • Multimedia.

Navigation


Zurück: April 2012 Sendeplan für Mai 2012 Weiter: Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05 06
07 08 09 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31

Sie befinden sich hier: > WDR.de > WDR Fernsehen > Wissen > Quarks & Co > Sendung vom 06. Oktober 2009 > Auch Menschenaffen lachen


Auch Menschenaffen lachen

Je höher sie entwickelt sind, desto menschlicher klingt es

  • SendeterminDienstag, 06. Oktober 2009, 21.00 - 21.45 Uhr.
  • WiederholungsterminSamstag, 10. Oktober 2009, 12.00 - 12.45 Uhr (Wdh.).

Auch Menschenaffen lachen
Pflegerin im Gehege hinter Glasscheibe kitzelt Gorilla in der
Handfläche Rechte:
  • VideoZum Videostream
    Zehn Jahre lang kitzelten die Forscher für die Wissenschaft

Affenbabys kichern, wenn sie gekitzelt werden – genau wie Menschenbabys. Es hört sich zwar etwas anders an als beim Menschen, aber Forscher sind sich sicher: Auch Menschenaffen lachen. Erstmals haben Forscher das Lachen von Menschen-Kindern und allen vier Menschenaffen-Arten (Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos) mit modernen physikalischen Methoden verglichen und analysiert. Ein internationales Team aus Verhaltens- und Evolutionsforschern wählte für den Versuch eine ungewöhnliche Methode: Die Forscher kitzelten die Probanden kräftig durch und zeichneten die Lachlaute dabei auf. Die Methode eignet sich gut: Auf das Kitzeln erfolgte zuverlässig bei fast allen Probanden Lachen als Reflex – sowohl bei den Menschen als auch bei den Affen! Zehn Jahre lang kitzelten die Forscher für die Wissenschaft; die Kinder in den Privathaushalten der Eltern, die Affen in verschiedenen Zoos in Europa und Malaysia. Dabei achteten die Forscher darauf, dass die Kinder nicht älter als zwei Jahre alt waren – denn nur bis zu diesem Zeitpunkt ist das menschliche Lachen wirklich "ursprünglich", also weder gestellt noch bewusst eingesetzt, um zu manipulieren. Auch die Affen waren in der Regel noch sehr jung: Erwachsene Affen lassen sich nämlich nicht so einfach durchkitzeln. Bei ihrer Analyse stellten die Wissenschaftler fest: Je verwandter die Menschenaffen dem Menschen sind, desto menschenähnlicher ist ihr Lachen. Die Forscher vermuten, dass sich das Lachen im Laufe der Evolution immer weiterentwickelt hat und schon bei dem gemeinsamen Vorfahr von Mensch und Menschenaffe existierte.

Die Analyse des Lachens

Frau kitzelt Schimpansen, im Vordergrund sieht man ein Mikrofon
Die Forscher zeichneten insgesamt 800 Lachlaute von Affen- und Menschen-Kindern auf

Insgesamt zeichnete das Forscherteam bei seinen Kitzelaktionen 800 Lachlaute auf, untersuchte deren Schallfrequenz anschließend im Computer und verglich die menschlichen Lacher mit dem Lachen der Menschenaffen. Dabei prüften die Forscher die Dauer der Lacher, die Lachmelodie und analysierten die Atmung beim Lachen. Dabei stellten sie unter anderem fest, dass das Lachen der Menschenaffen genau wie beim Menschen aus Silben besteht, die stakkatoartig aneinandergereiht werden. Zudem können Menschenaffen, genau wie der Mensch, die beim Ausatmen entstehenden Lachlaute auf eine Dauer ausdehnen, die dem Drei- bis Vierfachen ihrer gewöhnlichen Atemzeit entspricht. Sowohl Mensch als auch Menschenaffe können dadurch die Dauer ihres Lachens stark verlängern. Die Forscher fanden auch heraus, dass Schimpansen und Bonobos ähnlich stimmhaft lachen wie der Mensch – ihre Lachmelodie ähnelt unserem "Hahaha". Gorilla und Orang-Utan dagegen lachen eher hechelnd.

Die Analyse des Lachens

Menschenaffen lachen nicht nur, wenn sie gekitzelt werden. Das Affenlachen hat, wie bei uns Menschen, eine wichtige soziale Funktion. Es signalisiert dem Gegenüber friedliche Absichten. Mit dem sogenannten "Spielgesicht" beim Herumbalgen zeigt der Menschenaffe, dass er "nur Spaß macht" und verhindert damit ernsthafte Auseinandersetzungen. Beim Spielgesicht ist in der Regel die untere, aber nicht die obere Zahnreihe zu sehen. Meistens gibt der Affe dabei auch Lachlaute von sich. Aber die Verständigung funktioniert auch lautlos: Bei Orang-Utans haben Forscher beobachtet, dass ein Anlächeln erwidert wird. Lachen scheint also auch beim Menschenaffen ansteckend zu sein. Der Vorteil des lauten Lachens: Nicht nur das direkte Gegenüber bekommt die friedlichen Absichten mit, sondern auch alle anderen Artgenossen, die sich in der Nähe aufhalten. Das friedensstiftende Signal überträgt sich also auf die ganze Gruppe – ein wichtiger sozialer Faktor und damit ein Evolutionsvorteil.

Die Entwicklung des Lachens

Bonobo nah, daneben die Schallfrequenzkurve seines Lachlautes
Das Lachen des Bonobo ähnelt dem menschlichen Lachen sehr

Das wichtigste Ergebnis der Lachanalyse: Je näher eine Affenart mit dem Menschen verwandt ist, desto ähnlicher wird das Lachen. Schimpanse und Bonobo lachen menschenähnlicher als Gorilla und Orang-Utan. Das Forscherteam hat diese Erkenntnis in einem "Lach-Stammbaum" festgehalten und dabei stellte sich heraus: Der Lach-Stammbaum entspricht genau dem phylogenetischen Stammbaum, also der stammesgeschichtlichen Entwicklung von Affe und Mensch.

Phylogenetischer Stammbaum
Stammbaum der vier Menschenaffen und des Menschen

Danach ist vor zwölf bis 14 Millionen Jahren der Orang-Utan entstanden, vor sieben bis acht Millionen Jahren der Gorilla und vor sechs Millionen Jahren Schimpanse und Bonobo, bis schließlich vor etwa 200.000 Jahren der moderne Mensch, Homo sapiens, entstanden ist. Die Forscher sehen hier eine Parallele: Das Lachen muss sich in den gleichen zeitlichen Dimensionen entwickelt und sich dabei immer wieder verändert haben. Die Menschenaffen haben im Laufe der Zeit immer menschenähnlicher gelacht. Für die Forscher ist deshalb klar: Auch der gemeinsame Vorfahre von Affe und Mensch hat gelacht – das sogenannte Urlachen. Es hat vermutlich ähnlich geklungen wie das Lachen des Orang-Utans. Denn er ist der Menschenaffe, der uns Menschen am unähnlichsten ist.

Stichwörter

1 Forscherteam
Für das große Lachexperiment taten sich drei Wissenschaftler von verschiedenen Instituten aus aller Welt zusammen: Die Verhaltens- und Evolutionsforscherinnen Dr. Marina Davila Ross (Centre for the Study of Emotion, Psychology Department, University of Portsmouth, England), Prof. Dr. Elke Zimmermann (Tierärztliche Hochschule Hannover) und der Psychologe und Neurowissenschaftler Prof. Dr. Michael J. Owren (Department of Psychologie, Georgia State University, Atlanta, USA).
Autorin:

Ilka aus der Mark

Stand: 06.10.2009


Alle Beiträge


Beitragsvideos


Schlag den Affen


Schlag den Affen - für Ihr Handy

Der Quarks & Co Gedächtnistest auf auf Ihrem Handy

Testen Sie Ihr Kurzzeitgedächtnis – auch unterwegs auf Ihrem Handy. Viel Vergnügen! [mehr]


Quarks-Affen-Quiz

Quarks-Affen-Quiz

Sind Sie auf Du und Du mit den Menschenaffen? [mehr]


Mehr zum Thema


Verwandte Themen



Vorschauvideo

Edelschimmel und Scheibletten - die Wissenschaft vom Käse


Die Top10 Videos
im April

Schriftzug "Top10" vor blauem Hintergrund

Schauen Sie sich hier die beliebtesten Quarks & Co-Videos aus dem April an. [mehr]


Neu: Quarks & Co eBook

Titel Dossier

Entdeckungen im
Kölner Dom

Das Dossier gibt es jetzt als interaktives eBook für das iPad im ibookstore.


Die Quarks-Symphonie


Die Top10 Videos der Zuschauerfragen

Schriftzug "Zuschauerfragen" vor blauem Hintergrund

Hier sehen Sie die beliebtesten Zuschauerfragen und ihre Auflösungen. [mehr]


Unsere Fan-Seite


Wissen macht Spaß


Service

Skript, Newsletter, Mitschnitt & Co. [mehr]


Sendetermine


  • Seite empfehlen.

Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.