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Quarks & Co
Sendung vom 06. Oktober 2009
Gedächtniskünstler Ayumu
Schimpansen sind wahre Gedächtniskünstler. In Sachen Kurzzeitgedächtnis lassen sie Menschen alt aussehen. Das ist das Ergebnis einer aufsehenerregenden Studie japanischer Wissenschaftler. Im Jahr 2004 beginnt das Training für drei junge Schimpansen am Primate Research Institute der Universität Kyoto. Mit Hilfe eines Touchscreen-Monitors bringen die Forscher den vierjährigen Schimpansen die arabischen Zahlen von Eins bis Neun bei. Aber das ist nur der Vorlauf für die eigentliche Herausforderung. Mit Hilfe der Zahlen wollen die Forscher das Gedächtnis der Schimpansen testen. Der Test-Aufbau ist simpel: Auf einem Monitor erscheinen die neun Zahlen von Eins bis Neun in zufälliger Anordnung. Nach Berühren der Zahl Eins verwandeln sich die restlichen Zahlen in weiße Quadrate, und die getesteten Affen müssen die weißen Quadrate in der richtigen, den Zahlen entsprechenden Reihenfolge, berühren. Alle Schimpansen bewältigen den Gedächtnis-Test – und nicht nur das: Sie brauchen durchschnittlich weniger Zeit für diese Aufgabe als Menschen, die den Test zum Vergleich auch gemacht hatten! Besonders einer der jungen Affen stellt alle anderen in den Schatten: der damals fünfjährige Schimpanse Ayumu.
Um die Gedächtnisleistung von Schimpansen und Menschen systematisch vergleichen zu können, entwickelten die Forscher eine zweite Testvariante. Die neue Herausforderung: Die Zeitspanne, in der die Zahlen auf dem Bildschirm zu sehen sind, ist genau festgelegt. Außerdem wird die Anzahl der erscheinenden Zahlen jetzt auf fünf beschränkt. Neun Studenten stellen sich dem Vergleich mit den Affen. Im ersten Durchgang bleiben die Zahlen 0,65 Sekunden lang auf dem Monitor stehen. Bei diesem Wert können die Menschen noch gut mithalten: In 80 Prozent der Versuche erinnern sie die Zahlen richtig. In einem zweiten Durchlauf verringern die Forscher die Zeitspanne. Nur noch 0,43 Sekunden lang sind die Zahlen auf dem Bildschirm zu sehen. Die Studenten erzielen jetzt nur noch eine Trefferquote von 60 Prozent. Der beste Affe, Ayumu, liegt dagegen immer noch bei knapp über 80 Prozent. In einer dritten Runde ist die Einprägezeit nur noch bei 0,21 Sekunden. In dieser extrem kurzen Zeit kann die Testperson den Bildschirm nicht mehr durch Augenbewegungen erkunden, die Zahlen müssen mit einem einzigen Blick erfasst werden. Jetzt stürzte die Trefferquote der Menschen auf unter 40 Prozent ab. Ayumu schaffte es dagegen noch immer in knapp 80 Prozent der Fälle, die Zahlen richtig zu erinnern! Seine Fehlerquote hatte mit der Verweildauer der Zahlen nur minimal abgenommen.
In der japanischen Studie war der Schimpanse Ayumu mit seiner Gedächtnisleistung den menschlichen Kandidaten haushoch überlegen. Möglicherweise dank eines fotografischen Gedächtnisses – der Fähigkeit, ein detailliertes Bild einer Szene oder eines Musters für eine gewisse Zeit im Gedächtnis zu behalten. Quarks & Co wollte herausfinden, ob es einen Menschen gibt, der mit entsprechendem Training Ayumu Paroli bieten kann. Im Internet haben wir über einen Zeitraum von fünf Wochen zu einem einzigartigen Experiment aufgerufen. Mit Hilfe eines Trainingsmoduls konnten Quarks- Zuschauer ihre Fähigkeit im Zahlen-Memory trainieren und sich für den Gedächtniswettkampf im Kölner "Odysseum" qualifizieren. Über 37.000-mal wurde die Trainingsseite von Quarks & Co. aufgerufen. Die 55 schnellsten Bewerber haben wir eingeladen – zum "Schlag den Affen"-Wettkampf.
In insgesamt 5 Runden wurde der Wettkampf ausgetragen. In Runde 1 konnten sich die 55 Teilnehmer die Zahlen 1,3 Sekunden lang ansehen. 25 Teilnehmern qualifizierten sich für die zweite Runde, in der die Zahlen nur noch 0,65 Sekunden lang auf dem Bildschirm standen. In Runde 3 war eine Zeit von 0,43 Sekunden vorgegeben. Die beiden Gewinnerinnen schließlich kämpften bei 0,35 Sekunden um den Einzug ins Finale gegen Ayumu, der mit einer Trefferquote von 80 Prozent bei 0,21 Sekunden Merkzeit die Latte extrem hoch legt.
Jakob Kneser
Stand: 06.10.2009
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