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Die Intelligenz der Menschenaffen...

...und warum Menschen erfolgreicher sind

  • SendeterminDienstag, 06. Oktober 2009, 21.00 - 21.45 Uhr.
  • WiederholungsterminSamstag, 10. Oktober 2009, 12.00 - 12.45 Uhr (Wdh.).

Die Intelligenz der Menschenaffen ...
Gehirn eines Menschen und eines Menschenaffen, Aufnahmen eines
Computertomographen
  • VideoZum Videostream
    Das Gehirn eines Menschen ist etwa dreimal so groß wie das eines Schimpansen. Aber sind Menschen deshalb grundsätzlich intelligenter?

Menschenaffen ähneln den Menschen, und sie beweisen oft erstaunliche Intelligenz: Sie benutzen Werkzeuge, verfolgen gemeinsame Strategien und kommunizieren. Trotzdem muss es einen entscheidenden Unterschied geben. Schließlich beherrschen Menschen den Planeten, nicht Schimpansen oder Orang-Utans. Offensichtlich sind Menschen klüger. Aber worin besteht ihre intellektuelle Überlegenheit? Eine naheliegende Vermutung ist, dass Menschen ganz einfach grundsätzlich intelligenter sind als Menschenaffen. Dazu passt die Tatsache, dass das menschliche Gehirn durchschnittlich etwa dreimal so groß ist wie das eines Menschenaffen. Aber wie sich die kognitiven Fähigkeiten der Affen tatsächlich von den menschlichen unterscheiden, konnte bisher niemand genau sagen. Jetzt haben Forscher am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig erstmals einen Test entwickelt, mit dem sich die Intelligenz von Menschen und Menschenaffen direkt vergleichen lässt.

Intelligenzduell Mensch gegen Affe

Esther Herrmann im Portät

Die Ausgangsüberlegung der Wissenschaftler: Wenn Menschen grundsätzlich und in jeder Beziehung schlauer sind als Affen, dann müsste sich diese intellektuelle Überlegenheit auch schon bei kleinen Kindern deutlich zeigen – bei Kindern, die noch nicht Lesen oder schriftliches Rechnen gelernt haben. Um das zu überprüfen, entwickelten die Forscher sechzehn Aufgaben, um die kognitiven Fähigkeiten von Kindern und Menschenaffen erstmals systematisch zu vergleichen.

Esther Herrmann beim Versuch mit einem Schimpansen
Im Kongo, in Uganda, Indonesien und Leipzig testete die Biologin Esther Herrmann die Intelligenz von 105 Kindern und 138 Menschenaffen

105 Kinder zwischen zwei und zweieinhalb Jahren ließen Esther Herrmann und ihre Kollegen vom Max-Planck-Institut gegen 106 Schimpansen und 32 Orang-Utans unterschiedlichen Alters antreten, die meisten von ihnen aus Auffangstationen in Afrika und Asien. Ein monatelanges, mühseliges Testverfahren – mit erstaunlichen Ergebnissen!

Menschenaffen: im Umgang mit der physischen Welt genauso schlau wie Kinder

Ein Schimpanse angelt sich mit einem Stöckchen ein Stück
Banane

In der ersten Test-Serie sollten Affen und Kinder kleine Mengen addieren, verstecktes Futter finden oder Werkzeuge gebrauchen. Das überraschende Resultat: Bei diesen Aufgaben schnitten die Affen im Durchschnitt genauso gut ab wie die Kinder – gelegentlich sogar besser. In einem Test sollten die Kandidaten beispielsweise an ein Objekt herankommen: die Affen an ein Stück Banane und die Kinder an ein Spielzeug.

Ein Schimpanse angelt sich mit einem Stöckchen ein Stück
Banane
Im Gebrauch von Werkzeugen stellen sich Menschenaffen cleverer an als kleine Kinder!

Die Herausforderung dabei: Das begehrte Objekt ließ sich nur mit Hilfe eines Stöckchens angeln. 74 Prozent der Schimpansen und 38 Prozent der Orang-Utans lösten diese Aufgabe, ohne dass es ihnen jemand vorgemacht hätte. Von den Kindern wussten dagegen nur 23 Prozent, etwas mit dem Werkzeug anzufangen.

Menschliche Spezialität: Verstehen durch Kommunizieren

Ein Test, in dem Kind und Affe ein unter einem Becher verstecktes
Objekt durch eine Zeigegeste der Versuchsleiterin finden sollen

Was ihre allgemeine Intelligenz angeht, sind Schimpansen und Orang-Utans menschlichen Kindern also durchaus ebenbürtig. Um dem intellektuellen Unterschied zwischen Menschen und Affen auf die Spur zu kommen, führten die Wissenschaftler eine zweite Serie von Tests durch. Dabei ging es um soziales Verstehen: Aufgaben, bei denen die Probanden mit dem Versuchsleiter kommunizieren mussten. Und hier zeigten sich tiefgreifende Unterschiede. Bei allen Tests, bei denen es darum ging, Hinweise zu deuten oder etwas nachzumachen, waren die Kinder deutlich besser als die Affen.

Ein Test, in dem Kind und Affe ein unter einem Becher verstecktes
Objekt durch eine Zeigegeste der Versuchsleiterin finden sollen
Kinder verstehen den Fingerzeig der Versuchsleiterin sofort, Affen dagegen können damit nichts anfangen

So sollten bei einem Test Kinder und Affen ein unter einem Becher verstecktes Objekt finden, auf das die Versuchsleiterin mit dem Finger zeigte. 91 Prozent der Kinder verstanden den Fingerzeig sofort, dagegen nur 61 Prozent der Schimpansen und 65 Prozent der Orang-Utans. Noch deutlicher fiel das Ergebnis bei einem anderen Test aus, bei dem es darum ging, ein Objekt aus einem Röhrchen zu holen – so, wie es die Versuchsleiterin vorgemacht hatte: Während 86 Prozent der Kinder diese Aufgabe lösten, waren es bei den Schimpansen nur zehn und bei den Orang-Utans sieben Prozent.

Kulturelle Intelligenz: Erfolgsgeheimnis des Menschen

Die Bilder zeigen Kind und Affe, die jeweils versuchen, etwas aus
einem Plexiglasröhrchen herauszuholen

Der entscheidende Unterschied zwischen der Intelligenz von Menschen und Menschenaffen ist damit das, was die Leipziger Wissenschaftler als "kulturelle Intelligenz" bezeichnen. Es ist eine Fähigkeit, die schon kleine Kinder haben: Mühelos gelingt es ihnen, neues Wissen und neue Fertigkeiten zu erwerben, indem sie mit anderen kommunizieren und die Verhaltensweisen anderer nachahmen.

Die Bilder zeigen Kind und Affe, die jeweils versuchen, etwas aus
einem Plexiglasröhrchen herauszuholen
Kinder lernen durch Nachahmen – während Affen lieber selbst probieren

Das Erfolgsgeheimnis des Menschen gegenüber den Affen besteht also nicht in einer höheren allgemeinen Intelligenz, sondern in der Fähigkeit, Wissen und Fähigkeiten durch Kommunikation und Nachahmung miteinander zu verbinden und damit auf dem Wissen der anderen aufzubauen.

Autor:

Jakob Kneser

Stand: 06.10.2009


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