Per Web ins Weiße Haus
Barack Obama und sein Online-Wahlkampf
- Dienstag, 20. Oktober 2009, 21.00 - 21.45 Uhr
- Samstag, 24. Oktober 2009, 12.00 - 12.45 Uhr (Wdh.)
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Jesse Jackson ist überwältigt von Obamas Wahlsieg
Er steht da und weint. Er weint still in sich hinein. Tränen laufen über sein Gesicht. Ein Finger berührt zaghaft seine Zähne, so als wollte er seinen Atem spüren. Als wollte er spüren, ob denn wahr ist, was gerade passiert oder ob er es doch nur träumt. Das Bild des weinenden Jesse Jackson ging um die Welt. Es war der 4. November 2008. Barack Obama hatte gerade die Wahlen zum US-Präsidenten gewonnen. In dessen Wohnort Chicago versammeln sich Hunderttausende und warten euphorisch auf die erste Rede des Wahlsiegers. Mitten unter ihnen steht Jesse Jackson. Doch er ist nicht irgendein Unterstützer von Barack Obama. Jackson selbst hatte zweimal bei den Präsidentschaftswahlen kandidiert. Und er war beide Male schon bei den Vorwahlen der Demokraten gescheitert. Jetzt, genau zwanzig Jahre nach seiner letzten Kandidatur, wird sein Traum vom ersten US-Präsidenten mit dunkler Hautfarbe doch noch Realität.
Neue Maßstäbe
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Obamas Wahlsieg war das Ergebnis eines klar durchdachten Wahlkampfes – auch online
Barack Obama hat einen überwältigenden Sieg eingefahren, einen historischen Sieg. Schon mit seinem Wahlkampf hat er neue Maßstäbe gesetzt. Nicht nur, weil er den Menschen einen wirklichen Wechsel versprach. Sondern auch, weil er in seinem Wahlkampf das Internet nutzte, wie kein anderer Kandidat vor ihm. Dabei verfolgte er von Anfang an eine klar durchdachte Strategie. Experten sind sich einig: Die Rolle des World Wide Web für den Sieg von Barack Obama kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Die Hausaufgabe
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Barack Obama nutzte seine Homepage, um zu zeigen, wie er sich den Wechsel vorstellte
Schon Anfang 2007 geht seine Homepage www.barackobama.com ins Netz. Eigentlich nichts Besonderes, denn ein solcher Auftritt im Internet gehört heute zu den Hausaufgaben eines jeden ambitionierten Politikers. Und doch nutzt Obama seine Seite hervorragend, um sein Projekt "Change" – also "Wechsel" – mit Inhalt zu füllen. Zu über 30 zentralen Themen, wie Bildung, Gesundheit, Wirtschaft und Steuern, bezieht er dort klar Stellung und vergleicht jede seiner Positionen mit denen seiner Kontrahenten. So ist seine Homepage für die ständig steigende Zahl seiner Sympathisanten immer ein wichtiger Anlaufpunkt.
Die Innovation
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In einem speziellen Netzwerk konnten sich Obamas Unterstützer online organisieren
Das wohl eindeutig wichtigste Instrument in Obamas Online-Kampagne ist die Seite my.barackobama.com. Sie funktioniert wie andere soziale Netzwerke im Internet auch. Nur, dass sich auf dieser Seite die Unterstützer von Barack Obama eintragen können. Über zwei Millionen Menschen melden sich im Laufe des Wahlkampfes dort an, erstellen ein Profil und vernetzen sich untereinander. So haben sie die Möglichkeit, selbst für ihren Favoriten aktiv zu werden. Sie organisieren lokale Wahlkampfveranstaltungen, schreiben E-Mails an potenzielle Unterstützer, sammeln und spenden Geld. Detailliert wird für jeden einzelnen Nutzer angezeigt, wie viele Menschen er angerufen hat, um für Obama zu werben, wie viel Geld er einsammeln konnte und an wie vielen Haustüren er oder sie geklingelt hat, um von der Kandidatur des Demokraten zu berichten. Experten nennen die Seite my.barackobama.com "einen Quantensprung für die Führung politischer Kampagnen".
An allen Fronten
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In der Online-Welt war Obama ständig und überall präsent – und dadurch nah an seinen Wählern
Doch damit nicht genug. Obama ist in zwölf der meist genutzten sozialen Internet-Netzwerken präsent. Allein bei Facebook bringt er es auf mehrere Millionen Unterstützer. So ist er die ganze Zeit immer nur einen Mausklick von ihnen entfernt und kann jederzeit ohne großen Aufwand direkt Kontakt mit ihnen aufnehmen. Und nicht nur auf diesem Wege. Insgesamt sammelt Obama im Laufe seiner Kampagne 13 Millionen E-Mail-Adressen – und macht kräftig Gebrauch davon. Er verschickt Informationen und reagiert blitzschnell auf neue Positionen oder Vorwürfe seiner Konkurrenten. Den Empfängern dieser E-Mails vermittelt er so das Gefühl, ständig am Puls des Wahlkampfes und immer aus erster Hand informiert zu sein. Und er treibt auch das noch auf die Spitze: Über drei Millionen Sympathisanten werden von Obama über SMS angesprochen. So erfahren sie über ihr Mobiltelefon manches Wichtige eher als die Pressevertreter. Als zum Beispiel feststeht, dass Joe Biden sein Kandidat für den Posten des Vizepräsidenten sein soll, schickt Obama diese Neuigkeit zuerst als SMS durch die Vereinigten Staaten – erst danach als Pressemitteilung. Seinen Unterstützern gibt er so das eindeutige Gefühl: "Ihr seid mir wichtig. Also sollt ihr so etwas Wichtiges auch als Erste wissen."
Fast überflüssig zu erwähnen, dass Obama natürlich auch auf Videoplattformen wie YouTube kräftig Werbung für sich macht. Mit über 1.800 verschiedenen Film(ch)en ist Obama ständig präsent.
Das liebe Geld
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Obama konnte über das Internet Hunderttausende dafür gewinnen, für ihn aktiv zu werden
Für Obamas Wahlkampf ist aber nicht nur die enge Bindung zwischen ihm und seinen Anhängern wichtig. Entscheidend ist, dass seine Unterstützer fleißig für den Wahlkampf spenden – und das vor allem online. Insgesamt kann sich Obama über knapp 500 Millionen US-Dollar aus Online-Spenden freuen. Das sind gut zwei Drittel der insgesamt 750 Millionen US-Dollar, die ihm seine Sympathisanten überweisen. Und dieses Geld kann der Demokrat in teure Werbekampagnen investieren. So schaltet er fünf Tage vor der Wahl zur besten Sendezeit auf insgesamt sechs Kanälen einen halbstündigen Werbespot, der die Wähler für ihn mobilisieren soll; offensichtlich mit Erfolg. Darüber hinaus fordert er die Empfänger der E-Mails und SMS offensiv dazu auf, ihre Nachbarn und Kollegen für ihn zu begeistern. Das tun diese dann auch fleißig und viele von ihnen ziehen von Haustür zu Haustür und werben um Stimmen für Obama.
Sicher ist: Barack Obama hat die Wahl nicht allein wegen seiner virtuosen Nutzung des Internets gewonnen. Viele Amerikaner wollten nach acht Jahren Bush-Regierung unbedingt den politischen Wechsel. Doch die Rolle, die das Internet bei der Mobilisierung der Wähler gespielt hat, kann nicht hoch genug eingestuft werden.
Autor: Silvio Wenzel
Stand: 20.10.2009
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- Facebook ist das weltweit größte soziale Netzwerk im Internet. Über 200 Millionen Menschen aus aller Welt haben sich dort registriert und ein Profil mit einem Foto und Informationen zu ihrer Person eingerichtet. Wie andere soziale Netzwerke auch, bietet Facebook die Möglichkeit mit Freunden, Bekannten, aber auch Fremden aus aller Welt einfach und schnell in Kontakt zu kommen oder zu bleiben. Viele der dort gesendeten Nachrichten haben den zweifelhaft hohen Informationsgehalt wie "Habe heute ausgeschlafen" oder "Mir ist langweilig". Dennoch bieten soziale Netzwerke eine gute Plattform, um viele Menschen zu vernetzen.
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