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Sendung vom 01. Dezember 2009
Mit grünem Strom in die Zukunft
Unabhängig von den großen Stromkonzernen sein – das gelingt immer öfter nicht nur Hausbesitzern, sondern zunehmend ganzen Regionen. Ein Beispiel ist Dardesheim im Harz – doch was, wenn der Wind nicht so stramm bläst und Wolken den Himmel verdunkeln? Dann springen andere grüne Energielieferanten ein, die immer zur Verfügung stehen, zum Beispiel Biogaskraftwerke. Mehrere Anlagen dieser Art gehören zur Modell-Region, eine wird zum Beispiel mit Futtermais betrieben, der zum menschlichen Verzehr nicht geeignet ist. Allein dieses Biogaskraftwerk liefert pro Tag 12 Megawatt Strom. Das reicht für 1.000 Haushalte. Außerdem wird beim Betrieb sehr viel Wärme frei, die zukünftig als Fernwärme zum Heizen verwendet werden soll. Ulrich Narup, Projektleiter der Modellregion glaubt fest, dass die erneuerbaren Energien den Harzkreis in vier Jahren komplett mit Strom versorgen werden. Zu 60 Prozent klappt das heute schon und mit den geplanten, zusätzlichen Wind- und Solaranlagen sollen bald die 100 Prozent erreicht werden.
Aber auch ein Stromüberschuss kann zum Problem werden, insbesondere wenn der Wind heftig bläst. Überschüssige Wind-Energie kann jedoch gespeichert werden. Ideal dafür sind Pumpspeicherkraftwerke, wie das im benachbarten Wendefurth. Hier wird mit Wasserkraft Strom erzeugt. Man kann sich das Ganze als eine Art "Riesenbatterie" vorstellen.
Wird Strom gebraucht, zum Beispiel bei einer Windflaute, fließt Wasser von einem höher gelegenen Becken in einen 130 Meter tiefer gelegenen Stausee. Dieses Wasser treibt Turbinen an, die mithilfe von Generatoren Strom produzieren. Etwa acht Stunden lang liefert die Anlage so Energie, dann ist das obere Becken leer und das Wasser muss wieder hochgepumpt werden. Zum Beispiel, wenn der Wind mal richtig heftig bläst und die Windräder mehr Energie produzieren, als die Dardesheimer verbrauchen. Der überschüssige Strom kann dann das Wasser vom unteren in den oberen See pumpen. Hier bleibt es gespeichert, bis wieder Strom im Netz benötigt wird – also bis zur nächsten Flaute… Dann schießt Wasser wieder talwärts und das Wasserkraftwerk schließt die Stromlücke. Für Ulrich Narup ist das Pumpspeicher-Kraftwerk "eine Perle" im Projekt und er setzt sich dafür ein, dass in Zukunft weitere Speicherkapazitäten erschlossen werden.
Auch wer nicht in Dardesheim wohnt, kann schon heute zu 100%
Strom aus alternativen Energien beziehen, er muss nur zu einem
Ökostromanbieter wechseln. Der Wechsel
an sich ist zwar ganz einfach, doch die Wahl des richtigen
Anbieters hat so ihre Tücken – denn mittlerweile bieten
alle Stromanbieter auch Ökostromtarife an. Doch hier tummeln
sich viele schwarze Schafe, warnt Helmfried Meinel,
Ökostromexperte von der Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen. Denn nicht alle Ökostromangebote tragen
auch wirklich zu einer Verdrängung fossiler und zu einem
Ausbau alternativer Energien bei. Das passiert nur, wenn
Ökostromanbieter auch selbst Ökostrom produzieren und in
den Bau neuer Anlagen investieren. Viele Anbieter handeln
stattdessen lieber mit so genannten „
RECS“ („ Renewable Energy
Certificate System“) oder auch
Grünstromzertifikaten.
Das funktioniert so: Ein Ökostrom-Anbieter produziert in diesem Fall nicht selber Ökostrom, sondern kauft einfach die benötigte Menge Strom in Form von „Grünstromzertifikaten“, zum Beispiel von einem Wasserwerk aus Norwegen. Das Wasserkraftwerk bekommt Geld für seine Zertifikate, muss aber keinen Strom liefern, sondern kann den Strom weiter an seine norwegischen Kunden verkaufen - allerdings nicht mehr als Grünstrom, sondern nur noch als „Egalstrom“. Das ist den Norwegern aber egal, da sie eh einen Großteil Ihres Stroms aus Wasserkraftwerken beziehen. Im Endeffekt führt das Grünstromzertifikat also nicht dazu, dass mehr Strom aus erneuerbaren Energien produziert wird (denn Strom aus alten abgeschriebenen Wasserkraftwerken gibt es eine Menge), die gewünschte Verdrängung herkömmlicher Energieträger bleibt aus.
Das ok-Power-Label und das Grüner Strom-Label zeichnet Stromanbieter aus, die gezielt in den Neubau von Anlagen investieren. Achtung – auch da sind unter Umständen Anbieter wie Vattenfall dabei, denn auch die großen investieren natürlich in den Neubau von Ökostromanlagen – nur eben nicht ausschließlich. Wer sicher gehen will, dass sein Geld nicht in die Taschen eines Anbieters fließt, der zeitgleich auch neue Atom- und Kohlekraftwerke baut, sollte einen unabhängigen bundesweiten Anbieter wählen, der ausschließlich Ökostromtarife handelt. Anbieter, bei denen keine Verflechtungen mit den vier großen Stromkonzernen RWE, Eon, Vattenfall und EnBW bestehen, sind zum Beispiel Greenpeace Energy, EWS Schönau, Naturstrom oder Lichtblick. Übrigens: Für jede Kilowattstunde Strom, die sie statt aus fossilen aus erneuerbaren Energien beziehen, sparen Sie 772 g CO2. Auch die Stromrechnung bleibt in etwa gleich: Eine vierköpfige Familie im Raum Köln mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh zahlt bei einem Wechsel vom Kölner Grundversorger zu einem Ökostromanbieter lediglich drei Euro mehr im Jahr.
Sonja Kolonko
Stand: 24.11.2009
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