Unbemerkt durchleuchtet
Was können Scanner am Flughafen leisten?
- Dienstag, 09. März 2010, 21.00 - 21.45 Uhr
- Samstag, 13. März 2010, 12.00 - 12.45 Uhr (Wdh.)
-
-
Die Millimeterwellen entlarven den Sprengstoffgürtel und die Pistole unter der Jacke
Als es Weihnachten 2009 ein Terrorist geschafft hat, ein Päckchen Sprengstoff an Bord eines Flugzeugs zu bringen, wurde der Ruf nach schärferen Kontrollen am Flughafen wieder laut. "Nackt-Scanner" sollten her – Sicherheit ohne Rücksicht auf Privatsphäre. Bei der Einführung von Körperscannern am Amsterdamer Flughafen kam es zu weltweiten Diskussionen: Passagiere sahen ihre Privatsphäre verletzt, weil die Geräte auch intime Körperstellen zeigten. Doch die Scanner der neuen Generation zeigen nur noch Comic-Strip-ähnliche Skizzen der untersuchten Personen, auf denen verdächtige Stellen markiert sind. Trotzdem bleibt die Skepsis: Die "Nacktaufnahmen" werden ja immer noch gemacht, auch wenn nur die Software sie zu sehen bekommt.
Doch auch diese Methode deckt nicht alles auf. Quarks & Co hat bei einem ähnlichen Gerät am Institut für Photonische Technologien in Jena den Test gemacht: Eine Spielzeugpistole und ein Keramikmesser hinterließen gut sichtbare Spuren. Doch mit einem Trick ließ sich der Scanner überlisten: Wir versteckten die Pistole in einem Schnitzel, das wir auf Körpertemperatur vorgewärmt hatten. Ergebnis: Im Scanner-Bild war keine Pistole mehr zu erkennen.
Ein weiteres Problem der zentralen Kontrollen am Flughafen, jeder ist gleich verdächtig. Bei harmlosen Fluggästen sind die Kontrollen unnötig, für Terroristen sind sie zu knapp. Wenn es nach dem Willen der Sicherheitsfachleute geht, wird die Kontrolle daher in Zukunft viel früher beginnen und über den gesamten Flughafen verteilt sein. Jeder Fluggast soll gleich an mehreren Stellen unbemerkt beobachtet werden. Der Grund: Will man einen potenziellen Attentäter möglichst gefahrlos abfangen, ist es wichtig, schon Informationen über ihn zu haben, noch bevor er bemerkt, dass er kontrolliert wird. In einer zentralen Sicherheitsschleuse könnte so ein Attentäter ja im Falle seiner Enttarnung immer noch den Sprengstoffgürtel zünden und damit eine große Zahl von Mitreisenden und Flughafenangestellten gefährden. Eine elegantere Lösung ergibt sich für die Fahnder deshalb, wenn sie den geeigneten Moment zur Festnahme selbst festlegen können.
Beobachtung schon vor dem Flughafengebäude
So könnte der Fluggast bereits unbemerkt gescannt werden, noch bevor er das Flughafengebäude betritt. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) in Wachtberg bei Bonn haben einen entsprechenden Detektor entwickelt. Mit ihm können sie aus 20 Metern Entfernung Personen unter die Kleidung sehen. Ursprünglich war er dafür gedacht, um in Militärlagern in Afghanistan Angreifer von friedlichen Besuchern zu unterscheiden. Der Detektor nutzt unter anderem die kosmische Strahlung. Daher funktioniert er nur im Freien. Im Bild des Scanners zeichnen sich Metall, Keramik, Flüssigkeiten oder Sprengstoff deutlich gegenüber der Haut ab, während die Kleidung das Bild kaum beeinflusst. Das Sicherheitspersonal erhält so erste Hinweise darauf, ob eine Person verdächtig sein könnte. Ist erstmal jemand als verdächtig identifiziert, könnte er dann vom Sicherheitspersonal auf dem Weg durch den Flughafen weiter verfolgt werden – und zwar unbemerkt.
Durchleuchtung auf der Rolltreppe
-
-
Während der Passagier auf einer Rolltreppe fährt, kann man ihn zukünftig unbemerkt scannen
Die Bonner Forscher entwickeln noch ein zweites System: den Nahbereichs-3D-Scanner. Er schickt Tera-Hertz-Strahlung auf die zu untersuchende Person und misst die Reflexion. Das System passt in eine kleine Sonde, die im Labor in einer Bodenplatte eingebaut ist und um die Person herumkreist. So entsteht ein 3-D-Scan, der verdächtige Gegenstände unter der Kleidung aufspürt und dem Überwachungspersonal Hinweise gibt, wo sie suchen müssen. Im praktischen Alltag könnte man diese rotierenden Sonden aber auch über dem Passagier anbringen: So kann man die Überprüfung überall dort schnell und unbemerkt machen, wo er sich nicht allzu schnell bewegt. Das kann während des Sicherheits-Checks geschehen, aber auch schon vorher an ganz anderen Stellen im Flughafen: zum Beispiel auf einer Rolltreppe. Dann schöpft der Untersuchte noch nicht einmal Verdacht.
Chemische Spürnasen
-
-
Sprengstoffdetektoren können den Weg weniger Sprengstoffmoleküle verfolgen
Die oben genannten Systeme können allerdings nur Gegenstände sichtbar machen, die offenbar in irgendeiner Art und Weise verdächtig sind, weil sie weder zum Körper noch zur Kleidung gehören. Wichtig wäre es aber, gefährliche Stoffe, insbesondere Sprengstoffe, frühzeitig zu erkennen. Auch dafür haben die Wachtberger Forscher ein System entwickelt, das im Labor schon zeigt, was es einmal leisten könnte. Das Herzstück sind chemische Detektoren, die Sprengstoffe erschnüffeln können. Denn wer immer mit Sprengstoff hantiert, kann nicht verhindern, dass einzelne Partikel an seinen Haaren oder seiner Haut haften und von dort in die Luft gelangen. Diese Partikel kann der Sensor entdecken und schlägt dann sofort Alarm. Mehrere solcher Sensoren können den Weg der verdächtigen Substanz nachverfolgen, wenn sie in einem nicht allzu breiten Durchgang hintereinandergeschaltet sind. Doch chemische Detektoren alleine reichen nicht. Zusätzlich tasten Laserscanner das Szenario ab. So wissen die Wissenschaftler zu jedem Zeitpunkt, wo sich eine Person genau befindet. Zusammen mit den Informationen der chemischen Sensoren lässt sich der Sprengstoff exakt einer bestimmten Person zuordnen. Hochauflösende Videokameras liefern dann die Bilder, auf denen die Verdächtigen zu erkennen sind. Bis das System einsatzbereit ist, wird aber noch viel Zeit vergehen. Die Wissenschaftler selbst rechnen mit fünf bis zehn Jahren.
Harmloses Shampoo oder gefährlicher Brandbeschleuniger?
-
-
Gefährlich oder harmlos? Der spektrale Fingerabdruck verrät es
Die Beschränkungen bei Flüssigkeiten im Handgepäck sind für Flugpassagiere besonders ärgerlich. Auslöser für diese Maßnahme war ein vereitelter Terroranschlag im Jahr 2006, bei dem Terroristen versucht hatten, verschiedene Flüssigkeiten an Bord eines Flugzeugs schaffen, mit denen sie einen Sprengstoff-Cocktail mixen wollten. Seitdem erlauben die Behörden Flüssigkeiten im Handgepäck nur unter strengen Auflagen: Einzelbehälter dürfen nicht größer als 100 Milliliter sein, und insgesamt sind nur so viele solcher Fläschchen erlaubt, wie in eine 1-Liter-Tüte passen. Auf diese ziemlich ineffektive Regelung will die EU-Kommission ab 2012 verzichten. Jedoch nur unter einer Bedingung: Ein Identifizierungssystem soll dann routinemäßig die mitgeführten Flüssigkeiten analysieren. Eine Kleinigkeit hat die EU-Kommission dabei übersehen: Im Moment gibt es gar keine praktische Lösung, um solche Kontrollen durchzuführen. Das versuchen Physiker am Institut für Festkörperforschung des Forschungszentrums Jülich zu ändern. Sie haben einen Detektor entwickelt, der zumindest im Labor diese Aufgabe schon erfüllt. Die Forscher schicken elektromagnetische Strahlung verschiedener Wellenlängen durch den Behälter mit der Flüssigkeit. Die Flüssigkeit absorbiert und reflektiert die Strahlung – je nach Wellenlänge – auf unterschiedliche Weise. Dieses Reflexionsmuster wird registriert. Es ist eine Art spektraler Fingerabdruck, der dann nur noch mit einer Datenbank abgeglichen werden muss, um herauszufinden, um welche Flüssigkeit es sich handelt. Kleinste Abweichungen in der Chemie der Flüssigkeiten äußern sich sofort in ihrem Fingerabdruck. Diese Methode ist nach Angaben der Jülicher Wissenschaftler sehr genau, weil nicht einzelne Frequenzen untersucht werden, sondern ein breites Band. Auch eine Mischung verschiedener Flüssigkeiten kann analysiert werden. Der Passagier stellt seinen Behälter in ein Messgerät und innerhalb von 0,2 Sekunden liegt das Analyse-Ergebnis vor. Diese Methode hat nur einen Haken: Sie funktioniert zwar im Labor. Bis sie aber in der Praxis einsetzbar ist, wird es länger dauern als bis 2012.
Autor: Martin Rosenberg
Stand: 02.03.2010
Seite teilen
Über Soziale Medien