Wie kann ich mich vor Krebs schützen?
Die Risiken im Alltag
- Dienstag, 27. April 2010, 21.00 - 21.45 Uhr
- Samstag, 01. Mai 2010, 09.20 - 10.05 Uhr (Wdh.)
Die Risiken im Alltag
Vor Krebs ist kein Mensch sicher. Egal, wie gesund und vernünftig man lebt - jeder kann an Krebs erkranken. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Man kann sein persönliches Risiko senken. Und das ist in den meisten Fällen gar nicht so schwer.
Klicken Sie sich durch unser Flash-Element - wir haben zahlreiche Hinweise versteckt, wo die Krebsrisiken im Alltag lauern und wie Sie ihnen aus dem Weg gehen können. Es lohnt sich in jedem Fall, mitzumachen, denn auch zu den „alten Bekannten“ unter den Krebsrisiken gibt es viele neue Informationen.
Rauchen
Heute zweifelt es keiner mehr an: Zigarettenrauch ist krebserregend. Und auch wenn man nur passiv mitraucht, erhöht sich das Risiko für eine Krebserkrankung. Im Rauch einer filterlosen Zigarette finden Analytiker 15 bis 40 Milligramm Schad- und Giftstoffe. Einige Stoffe aus dem Tabakrauch führen zu Veränderungen im Erbgut. Das macht Tabakrauch so gefährlich. Und für diese Giftstoffe gibt es keine Schwellenwerte. Das bedeutet: Auch in geringsten Mengen können sie, wenn man Pech hat, eine Krebserkrankung auslösen.
Auch die Zahlen aus den Kliniken sprechen für sich: 90 Prozent der männlichen und 60 Prozent der weiblichen Lungenkrebspatienten sind Raucher. In einer einzigen Lungenkrebszelle haben amerikanische Wissenschaftler mehr als 25.000 Veränderungen im Erbgut (Mutationen) gezählt – das ist ein Vielfaches von dem, was die meisten gesunden Zellen auch im hohen Alter haben. Sie haben ausgerechnet, dass im Durchschnitt bei jeder 15. Zigarette eine bleibende Veränderung im Erbgut entsteht. Das bedeutet für viele Raucher: Statistisch gesehen eine Mutation am Tag.
Passivrauchen
Wenn man sich in einem Innenraum eine Zigarette anzündet, dann kommt das einer Körperverletzung an seinen Mitmenschen gleich – so drastisch drückt es der Krebsinformationsdienst aus. Denn auch Passivrauchen erhöht das Krebsrisiko. Was bei Erwachsenen in „gemütlicher Runde“ noch als Kavaliersdelikt angesehen werden kann, muss für Babys und Kinder anders beurteilt werden, denn sie können sich noch nicht frei entscheiden, ob sie das Risiko in Kauf nehmen wollen. Über 8 Millionen Kinder leben in Haushalten, in denen mindestens ein Familienmitglied raucht. Dabei enthält Passivrauch krebserregende Stoffe wie aromatische Kohlenwasserstoffe, Nitrosamine, Benzol, Arsen, Chrom, Cadmium oder das radioaktive Isotop Polonium 210. Und wie beim aktiven Rauchen gibt es auch für Passivrauch keine Schwellenwerte. Also können im ungünstigsten Fall auch kleinste Belastungen dazu führen, dass ein Krebs entsteht.
Alkohol
Alkohol ist kein direkter Krebsauslöser wie Tabakrauch. Doch wer regelmäßig zu viel trinkt, hat ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken – ganz egal, ob man nebenbei raucht oder nicht. Denn die Zellen werden durch den Alkohol empfindlicher für Krebs auslösende Stoffe.
Dabei liegt die Grenze von „zu viel“ für die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und Krebsexperten bei täglich 10 Gramm Alkohol für Frauen und 20 Gramm für Männer. 20 Gramm Alkohol entsprechen etwa einem großen Glas Bier oder einem Glas Wein. Es gibt einige Tumorarten, für die der Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebsrisiko eindeutig belegt ist. So erkranken Alkoholiker häufiger an Tumoren in der Speiseröhre, der Mundhöhle, dem Kehlkopf und im Rachenraum. Bei anderen Krebsarten wie Brust-, Darm oder Lungenkrebs ist der Zusammenhang nicht so eindeutig belegt – wird jedoch von Experten vermutet.
Ultraviolette Strahlung
Viele Menschen liegen nicht nur regelmäßig zu lange in der Sonne, sondern besuchen Sonnenstudios. Lange Zeit ging man davon aus, dass Solarien nicht so schlimm seien, da sie vor allem mit UV-A-Strahlung arbeiten. Diese galten lange als die „guten“ unter den UV-Strahlen, da sie weniger entzündlich wirken und eine rasche Bräunung durch die Bildung von Melanin erzeugen. Die „bösen“ UV-B Strahlen reizen die Haut stärker. Heute weiß man, dass alle ultravioletten Strahlen, also auch UV-A-Strahlen, die Haut schädigen und das Krebsrisiko erhöhen. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC hat nun Solarien in die höchste Kategorie für krebsauslösende Faktoren eingestuft: Damit stehen sie auf einer Stufe mit Asbest oder Tabak.
Schimmelpilze
Es gibt harmlose und schädliche Arten von Schimmel. So veredeln die einen den Weichkäse, und die anderen führen zu Leberkrebs. Aflatoxine – so heißen einige Giftstoffe aus gefährlichen Schimmelarten – gehören zu den Substanzen mit der stärksten krebsauslösenden Wirkung überhaupt und erhöhen vor allem das Risiko für Leberkrebs. Die Unterscheidung zwischen gut und böse ist nicht immer einfach. Eine Regel: Wenn der Schimmel nicht zum Produkt gehört, dann ist er wahrscheinlich gesundheitsgefährdend. Und je mehr Wasser ein verschimmeltes Lebensmittel enthält, umso klarer heißt die Antwort: Weg damit. Denn im Wasser verbreiten sich die unsichtbaren (!) Schimmelhyphen besonders gut. Der weiße oder grüne Pelz auf Tomaten, Weißbrot, in Gewürzen oder Obst gehört mit dem Produkt in die Tonne. Bei Hartkäse kann man den Schimmel großzügig entfernen und dann den Rest rasch verzehren.
Übergewicht
In den letzten Jahren mehren sich die Anzeichen dafür, dass Übergewicht nicht nur das Risiko für die Entstehung der Zuckerkrankheit und Herzkreislauferkrankungen erhöht, sondern auch für Krebs. Doch anders als bei krebserregenden Stoffen wie Tabakrauch oder Asbest sind die Zusammenhänge weniger eindeutig und beziehen sich im Augenblick vor allem auf einige wenige Krebsarten. So sprechen Zahlen aus Studien eindeutig dafür, dass Menschen, die zu viel wiegen, häufiger an Darmkrebs erkranken. Auch das Risiko für einen Tumor der Gebärmutterschleimhaut und Brustkrebs für Frauen steigt – für Brustkrebs allerdings nur bei Frauen nach den Wechseljahren. Vorher scheinen Frauen mit geringfügigem Übergewicht sogar etwas seltener an Brustkrebs zu erkranken.
Über die Ursachen des Zusammenhangs zwischen Übergewicht und Krebs gibt es einige Vermutungen: Übergewichtige Menschen haben oft einen erhöhten Insulinspiegel. Insulin ist ein Wachstumshormon. Vor allem schnell wachsende Zellen, wie eben Tumorzellen, profitieren von einem hohen Insulinspiegel. Außerdem geben Fettzellen Hormone an den Körper ab, die das Wachstum von Krebszellen beeinflussen und fördern können. Das Fettgewebe bildet auch ein Enzym, das den Östrogenspiegel erhöht. Und Östrogen steigert die Gefährlichkeit von hormonabhängigen Krebsarten wie Brust- und Gebärmutterschleimhautkrebs.
Obst und Gemüse
Lange Zeit galt zum Beispiel Brokkoli als ausgesprochen gesund. Es sollte angeblich Krebs verhindern und die Herzgesundheit fördern. Doch nun gibt es erste Hinweise, dass Brokkoli nicht nur Stoffe enthält, die das Krebszellwachstum verhindern, sondern auch solche, die es fördern – zumindest im Tierversuch. Kein Wissenschaftler wird heute soweit gehen und sagen, dass Brokkoli gefährlich ist. Doch steht das Gemüse beispielhaft für viele Ernährungsratschläge zum Thema Krebs. Noch vor 15 Jahren waren sich Wissenschaftler sicher, dass ein hoher Obst- und Gemüsekonsum das Krebsrisiko erheblich senken könnte. Und einige Vitamine wurden sogar in hohen Dosen empfohlen. Dann kamen die Rückschläge: Einige Vitamine zeigten in den hohen Dosen sogar eine krebsfördernde Wirkung; und eine neue groß angelegte Studie ergab, dass ein erhöhter Konsum von Obst und Gemüse das Krebsrisiko nur um wenige Prozent senkte. Das sollte allerdings keine Aufforderung sein, um zu Pommes Frites und Currywurst zurückzukehren: Eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann nebenbei auch positive Auswirkungen auf viele andere wichtige Faktoren haben kann wie zum Beispiel das Körpergewicht.
Viren
Viren können nicht alleine leben. Sie brauchen einen Wirt, zum Beispiel eine menschliche Zelle. Da sich Viren nur mithilfe dieser Wirtszelle Zelle vermehren können, haben einige Viren Mechanismen entwickelt, die diese Vermehrung der Wirtszelle verstärken. Denn dann können in der Tochtergeneration der Zellen umso mehr Viren entstehen. Viele bekannte Virenarten haben keinen Einfluss auf die Entstehung eines Tumors: So ist eine Erkrankung durch Erkältungsviren zwar lästig, erhöht aber nicht das Risiko für eine Krebserkrankung. Andere Viren jedoch können Krebs auslösen. Vor einigen, wie den Humanen Papilloma Viren (lösen Gebärmutterhalskrebs aus) und Hepatitis B Viren (lösen Leberkrebs aus), kann man sich durch eine Impfung schützen. Das HIV-Virus hat keinen direkten Einfluss auf die Entstehung von Tumoren, aber trotzdem haben HIV Patienten ein höheres Krebsrisiko, weil ihr Körper und das Immunsystem geschwächt sind.
Bewegungsmangel
In den letzten Jahren konnten Forscher belegen, dass Menschen, die sich regelmäßig bewegen, ein geringeres Risiko haben, an Brust- oder Darmkrebs zu erkranken. Zwar ist für andere Krebsarten dieser direkte Zusammenhang bisher nicht belegt, doch eines ist klar: Wer sich bewegt, profitiert auf alle Fälle; spätestens, wenn er dann doch krank wird: Denn Sport – und hier geht es nicht um Extremsport, sondern einfach um regelmäßige Bewegung – erhöht das Wohlbefinden der Krebspatienten und vermindert die Gefahr, dass das gefürchtete Fatigue-Syndrom eintritt (extreme Erschöpfung und Ermüdung während der Therapie). Sport hebt die Stimmung und senkt unter anderem so die Menge an Cortisol (Stresshormon) im Blut; das hat wiederum eine positive Wirkung auf das Immunsystem.
Deshalb heißt die Empfehlung für Krebspatienten heute nicht mehr wie vor 20 Jahren: „Schonen Sie sich!“, sondern sie sollten so viel Sport treiben, wie es ihnen gut tut und wie sie schaffen können.
Autorin: Angela Sommer
Stand: 20.04.2010
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