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Sendung vom 18. Mai 2010
Rückkehr der Lachse
Früher wurden Lachse zu Hunderttausenden aus dem Rhein
gefischt. Er war das Lachsgewässer in Europa. Doch in
den 1950er-Jahren verschwanden sie. Schuld waren massive
Befischung, zunehmende Industrialisierung und die damit verbundene
schlechte Wasserqualität. Nach der
Sandoz-Katastrophe 1986 starteten die
Rheinanliegerstaaten ein Aktionsprogramm, das auch dem Lachs zugute
kam: Er sollte, als Symbol für die neue Wasserqualität,
in den Rhein zurückkehren. Inzwischen schwimmen wieder
Tausende Lachse im Rhein. Der ursprüngliche Rheinlachs ist
allerdings unwiederbringlich ausgestorben. Die heutigen Lachse im
Rhein sind von unterschiedlicher Herkunft, viele stammen von einer
schwedischen Lachsart ab. Aber sie haben alle ein gemeinsames
Problem: Die Wege zu ihren Laichplätzen sind
größtenteils versperrt.
Lachse sind Wanderfische. Sie wachsen auf in den Nebenflüssen des Rheins. Im Alter von ein bis zwei Jahren erwacht in ihnen der Wandertrieb. Sie werden dann als „Smolts“ bezeichnet und schwimmen stromabwärts durch den Rhein in die Nordsee. Hier verbringen sie etwa drei Jahre. Dann zieht es sie zurück in das Gebiet, in dem sie aufgewachsen sind, um dort abzulaichen. Aber dieser Weg ist nicht ohne Gefahren für die nun ausgewachsenen Lachse. Im Mündungsgebiet des Rheins in die Nordsee versperren die holländischen Haringvlietschleusen den Eingang zum Rhein. Wenn sie geschlossen sind, kommen die Fische nicht durch. Sie müssen ausweichen. Der einzige offene Weg in den Rhein führt sie dann durch den riesigen Hafen von Rotterdam. Behindert durch Wellengang und Motorenlärm müssen sie sich zwischen rotierenden Schiffsschrauben zurechtfinden. Viele verlieren dabei ihr Leben. Die, die durchkommen, ziehen stromaufwärts, den Rhein hoch. An der Mündung ihres Heimatflusses, einem der Nebenflüsse des Rheins, biegen sie ab. Doch sie kommen nicht weit, dann treffen sie wieder auf Hindernisse. Wehre, feste Bauten, die quer durch den Fluss verlaufen und das Wasser aufstauen, oder Staustufen, die den Wasserstand regeln, versperren ihnen den Weg. Da der Instinkt den Lachsen sagt, dass sie weiter stromaufwärts müssen, um ihre Laichgewässer zu erreichen, versuchen sie zu springen, doch viele verletzen sich dabei oder ermüden. Für sie ist die Reise dann schon zu Ende. Und wer den Sprung schafft, der trifft wenig später auf das nächste Hindernis.
Die mangelnde Durchgängigkeit der Flüsse ist für die Lachse ein großes Problem. Sie können ihre Laichgebiete nicht erreichen. In der Sieg sind beispielsweise zwei Drittel der möglichen Laichareale für die Tiere nicht zugänglich, zu den Laichgebieten in Frankreich oder in die Schweiz können die Lachse wegen der Staustufen im Oberrhein überhaupt nicht gelangen. Daher gibt es zu wenig Nachwuchs. Der Mensch muss nachhelfen und Lachse züchten. Jahr für Jahr werden allein im Oberlauf der Sieg rund 500.000 junge Fische ausgesetzt. Ohne diese Maßnahme wären die Lachse im Rhein bald wieder verschwunden. Alleine könnte sich die Population nicht erhalten. Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins, in der die Rheinanliegerstaaten und die EU-Kommission zusammenarbeiten, möchte das in Zukunft ändern. Sie hat ihr Programm für die Wanderfische aktualisiert. Mit „Lachs 2020“ soll der Weg zu selbsterhaltenden Populationen ermöglicht werden. Eines der wichtigsten Ziele ist es, den Rhein und seine Nebenflüsse in den nächsten zehn Jahren durchgängig zu machen.
Der Maßnahmen-Katalog ist lang: Im Rheindelta sollen Schleusen des niederländischen Haringvliet immer geöffnet sein. Der gefährliche Umweg durch den Rotterdamer Hafen wird den Wanderfischen dadurch erspart und sie können direkt in den Rhein weiter schwimmen. Auch die Staustufen am Oberrhein sollen besser passierbar werden. In Iffezheim und Gambsheim sind bereits „Fischpässe“ eingerichtet: Die Fische werden an der Sperre vorbeigeleitet und können über kleine Becken den Höhenunterschied meistern. Wie in einem Wildbach können die Fische hier aufsteigen. Auch in den Nebenflüssen sollen möglichst viele Wehre mit solchen Fischpässen ausgerüstet werden. Aber nicht nur der Aufstieg in den Rhein, auch der Abstieg für die jungen Lachse soll sicherer werden. Zurzeit lassen viele ihr Leben oder werden verletzt, weil sie durch die Turbinen der Wasserkraftwerke schwimmen müssen. Um das zu verhindern, sollen zum Beispiel Rechen vor den Turbinen eingebaut und Umleitungen installiert werden. Lachsexperten hoffen, dass durch diese Maßnahmen dann endlich so viele Lachse die Laichplätze erreichen und sich vermehren, dass die Hilfe des Menschen nicht mehr nötig ist. Erst dann wäre der Lachs wieder wirklich heimisch bei uns im Rhein.
Eva Schultes
Stand: 11.05.2010
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