Warum werden unsere Kinder immer dicker?
Die „KIGGS-Studie“ liefert Antworten
- Dienstag, 24. August 2010, 21.00 - 21.45 Uhr
- Samstag, 28. August 2010, 12.15 - 13.00 Uhr (Wdh.)
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KIGGS prüft die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern
Wie gesund ist unser Nachwuchs? Die groß angelegte KIGGS-Studie klärt darüber auf, ob deutsche Kinder und Jugendliche sich ausreichend gesund ernähren, sich genug bewegen und wie es um ihr Sozialverhalten steht. Drei Jahre lang prüften Mediziner und Psychologen 17.641 Mädchen und Jungen „auf Herz und Nieren“. KIGGS steht für „Kinder und Jugendgesundheitssurvey“ und ist die größte Studie zum Thema Ernährung, Bewegung und Sozialverhalten bei Kindern und Jugendlichen, die je in Deutschland gemacht wurde. Die Federführung hat das Robert Koch Institut in Berlin. Beim ersten Teil der KIGGS-Studie von 2003 bis 2006 wurden an 167 Orten in ganz Deutschland 17.641 Mädchen und Jungen von Geburt an bis zum Alter von 17 Jahren auf ihre körperliche und psychische Gesundheit überprüft. Seit 2009 ist die Studie in Runde zwei gegangen und wird als telefonische Befragung fortgesetzt – für weitere drei Jahre. Die Studie war überfällig: Denn bisher gab es nur unzureichende Informationen, wie verbreitet bestimmte Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen tatsächlich sind. Außerdem wusste man bislang nur wenig darüber, welche Auswirkungen Lebensstil, bestimmte Lebensumstände und schädliche Umwelteinflüsse auf die Gesundheit von Kindern in Wirklichkeit haben. Um das zu klären und in Zukunft wirklich zuverlässige Aussagen über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu treffen, wurde die KIGGS-Studie ins Leben gerufen.
KIGGS prüft die Kinder auf „Herz und Nieren“
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Ein Testbogen erfasst die körperliche Aktivität
Um alle Lebensbereiche der Kinder so gut wie möglich zu erfassen, haben die Forscher verschiedene Teilstudien entwickelt: „KIGGS“ selbst umfasst spezifische Fragen zur Gesundheit, „EsKiMo“ legt den Schwerpunkt auf die Ernährung, die „Bella-Studie“ erfasst die psychische Gesundheit von Kindern und „KUS“ beschäftigt sich mit umweltbedingten Belastungen für Kinder. Von besonderer Bedeutung ist die Motorik-Teilstudie – kurz „MOMO“. Hier werden die Kinder in verschiedenen Bewegungsstationen getestet - auf ihre grob- und feinmotorischen Fertigkeiten und auf ihre Ausdauer und Kraft. Mithilfe von Fragebögen wollen die Forscher herausfinden, wie körperlich aktiv die Kinder heute tatsächlich sind.
Bewegungsmangel ist der Hauptgrund für Übergewicht
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Bewegungsmangel und falsche Ernährung führen zu Übergewicht
Die Motorik-Studie von KIGGS zeigt: Zwar geben 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, Sport zu treiben. Doch nur knapp ein Viertel tut das täglich - zwar ganze 50 Minuten, doch das ist immer noch zu wenig. Offizielle Richtlinien empfehlen mindestens eine Stunde Bewegung am Tag. Auffällig ist auch, dass Kinder mit niedrigem Sozialstatus und Migrationshintergrund etwa zwei- bis dreimal seltener Sport machen als Kinder mit hohem Sozialstatus und ohne Migrationshintergrund.
Anstatt sich aktiv zu bewegen, verbringen viele Kinder ihre Freizeit lieber vor Computer, Fernseher oder Playstation. Insgesamt sitzt ein Kind heutzutage mehr als drei Stunden am Tag vor Bildschirmen verschiedenster Art. Ein solcher Lebensstil hat Folgen: Aus medizinischer Sicht ist Bewegungsmangel nämlich der Hauptgrund für Übergewicht. Kommt eine schlechte, unausgewogene Ernährung (zum Beispiel Fast Food) dazu, wird ein regelrechter Teufelskreislauf in Gang gesetzt. Denn ist ein Kind erst einmal zu dick, bewegt es sich noch weniger und nimmt weiter zu. Heute sind 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren übergewichtig, sechs Prozent sogar adipös (fettsüchtig). Verglichen mit den Jahren 1985 bis 1999 ist das eine Zunahme von 50 Prozent. Im Grundschulalter nimmt der Anteil übergewichtiger Kinder am deutlichsten zu. Vermutlich wirkt sich hier die Kombination aus weniger Bewegung mit Schuleintritt und falscher Ernährung besonders nachteilig aus.
Fitness schlecht – Feinmotorik dafür umso besser!
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Die Kinder heute haben weniger Kraft und Ausdauer
Welche Konsequenzen Übergewicht auf die körperliche Leistungsfähigkeit bei Kindern hat, zeigt ganz deutlich der Motorik-Teil der KIGGS-Studie. Fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen erreicht bei der klassischen Rumpfbeuge mit den Händen nicht mehr den Boden. Mehr als ein Drittel schafft es nicht, auf einem drei Zentimeter breiten Balken zwei oder mehr Schritte rückwärts zu balancieren, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Fast 90 Prozent können keine ganze Minute einbeinig auf einer Schiene balancieren, ohne den Boden zu berühren. Dabei stellt gerade das Gleichgewicht eine Fähigkeit dar, die bei vielen alltäglichen Bewegungen eines Kindes wichtig ist. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Stürze zu vermeiden oder Bewegungsabläufe ökonomisch zu gestalten.
Doch nicht nur Beweglichkeit und Koordination sind laut Studie schlechter geworden, sondern auch Kraft und Ausdauer. Von 1976 bis 2006 hat sich die Leistung von Kindern im Standweitsprung um fast 14 Prozent verschlechtert. Früher schaffte ein 1,50 Meter großer Junge aus dem Stand heraus 174 Zentimeter weit zu springen. Heute sind es 20 Zentimeter weniger. Die Ausdauerleistung insgesamt hat im Zeitraum von 1975 bis 2000 um ein Zehntel abgenommen.
Nur in einem Punkt schneiden die Kinder heute deutlich besser ab als früher: Aufgaben, die feinmotorisches Geschick erfordern, meistern sie heute besser -dank Computer und Co. Wer mehrmals in der Woche am Computer spielt, hat eine bessere Feinmotorik und sogar eine schnellere Reaktionsfähigkeit.
Autorin: Juliane Simon
Stand: 16.08.2010
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