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Öl ist ihr Leibgericht

Was leisten Öl fressende Bakterien?

  • SendeterminDienstag, 14. September 2010, 21.00 - 21.45 Uhr.
  • WiederholungsterminSamstag, 18. September 2010, 12.05 - 12.50 Uhr (Wdh.).

Teer und Asphalt bedecken den Meeresboden
Asphaltvulkane in der Tiefsee (Quelle: marum, Universität Bremen)

Öl kennen die Organismen im Golf von Mexiko sehr gut. Sie kannten es auch schon, bevor es die Ölindustrie gab. Seit Millionen von Jahren tritt an zahlreichen Stellen im Meeresboden Öl aus. Kontinuierlich sprudelt es in kleinen Mengen aus dem Boden. Erst vor wenigen Jahren haben Bremer Meeresforscher die sogenannten Asphaltvulkane entdeckt. Was hier aus dem Meeresboden quillt, hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Belag unserer Straßen. Bakterien haben sich im Laufe der Zeit an diesen speziellen Lebensraum angepasst. Sie fressen das Öl, entgiften es und bilden so die Grundlage für eine ganz besondere Gemeinschaft: Muscheln, Krabben und anderes Getier siedeln sich nach einiger Zeit auf dem Asphalt an. Die Öl fressenden Bakterien verhindern, dass sich immer mehr Öl im Meer ansammelt. Ohne ihre Arbeit wäre der Meeresboden im Golf von Mexiko von einer gewaltigen Öl- und Asphaltschicht bedeckt. Doch kommen die Bakterien auch mit den gewaltigen Ölmengen klar, die beim Unfall der Deepwater Horizon ausgeflossen sind?

Bakterien leben nicht vom Öl allein

Zahlreiche Reagenzgläser mit Öl fressenden Bakterien
lagern im Kulturraum des Bremer Max-Planck-Instituts
Im Kulturraum wachsen die Öl fressenden Bakterien heran

Im Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie untersucht die Arbeitsgruppe von Antje Boetius die Öl fressenden Bakterien. Im Kulturraum lagern zahlreiche Arten in einer öligen Nährlösung. Die Mikroorganismen leben von dem Stoff, der die meisten anderen Lebewesen vergiftet. Hunderte verschiedener Spezies haben sich auf ganz bestimmte Bestandteile des Öls spezialisiert. Einige mögen die hellen, schnellflüchtigen Komponenten, andere gedeihen nur im zähflüssigen Öl, wieder andere schaffen es sogar, Teerballen abzubauen. Sie brauchen dafür jedoch enorm lange, und sie verbrauchen bei ihrer Arbeit jede Menge Sauerstoff. Wenn Bakterien einen einzigen Tropfen Öl abbauen, verbrauchen sie dabei so viel Sauerstoff, wie in 80 Litern Wasser gelöst sind. Allein der Sauerstoff begrenzt also die Arbeit der Öl fressenden Bakterien. Um das gesamte Öl im Golf von Mexiko abzubauen bräuchten die Bakterien Jahrhunderte. "Sie können das schaffen", sagt Antje Boetius, "aber nicht auf den Zeitskalen, die wir Menschen uns wünschen."

Die andere Seite der Ölfresser

Die Öl fressenden Bakterien sind ein Segen für das Ökosystem. Sie helfen dabei, die Ölpest zu bekämpfen. Doch wenn sie sich massenhaft vermehren, kann das auch zu Problemen führen, denn ihre Arbeit raubt den übrigen Organismen den Sauerstoff. Durch Überdüngung entstehen im Golf von Mexiko sowieso regelmäßig sogenannte Todeszonen. Das sind Bereiche, in denen es keinen Sauerstoff und folglich auch kein Leben mehr gibt. Fische und andere Organismen, die in diese Zonen hinein geraten, müssen qualvoll ersticken. Durch die Arbeit der Öl fressenden Bakterien könnten sich die Todeszonen deutlich vergrößern, so die Sorge der Wissenschaftler.

Chemikalien belasten das Ökosystem

Flugzeug fliegt über den Ölteppich und versprüht
Corexit
Chemikalien sollen den Ölteppich auflösen

Trotzdem sind die Fähigkeiten der Bakterien so vielversprechend, dass die Wissenschaftler mit ihnen experimentieren. Unter dem Mikroskop beobachten die Forscher, dass die Öl fressenden Bakterien nur die Grenzschicht zwischen Öl und Wasser besiedeln. Und genau hier kommen chemische Dispersionsmittel wie StichwortCorexit ins Spiel. Sie lösen den Ölteppich in viele kleine Tröpfchen auf und vergrößern so die Angriffsfläche für die Bakterien - so zumindest die Theorie. Doch es gibt ein Problem: "Corexit besteht aus Kohlenwasserstoffen und ist selber giftig", erklärt Boetius. Noch ist unklar, wie Bakterien und andere Organismen mit der zusätzlichen Belastung klar kommen.

Um den Ölteppich zu bekämpfen, hat BP rund sieben Millionen Liter Corexit versprüht - ein gigantisches chemisches Experiment. Noch nie zuvor wurde das Mittel in so großen Mengen eingesetzt - und noch nie zuvor gelangte es direkt in die Tiefsee.

Stichwörter

1 Corexit
Corexit ist ein sogenanntes Dispersionsmittel. Es wird eingesetzt, um Ölverschmutzungen zu bekämpfen, indem es den Ölteppich in feine Tröpfchen auflöst. Corexit ist allerdings auch selbst giftig. Zurück zum Absatz
Autorin:

Claudia Ruby

Stand: 07.09.2010


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