Wenn die Niere auf sich warten lässt

Mühsam aber lebensrettend: Die künstliche Blutreinigung

  • Dienstag, 18. Januar 2011, 21.00 - 21.45 Uhr
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Patient, angeschlossen an Dialysemaschine

Organspende Dialyse

(03:37)

Dienstag, 18. Januar 2011, 21.00 - 21.45 Uhr

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Patient, angeschlossen an Dialysemaschine

Mühsam aber lebensrettend: Die künstliche Blutreinigung, auch Dialyse genannt

Die menschlichen Nieren sind Hochleistungsorgane. Täglich strömen durch sie etwa 1.500 Liter Blut. Das ist die 300-fache Menge des gesamten Blutes eines erwachsenen Menschen. Die Hauptaufgaben der Nieren sind die Entgiftung des Körpers und die Regulierung des Wasser- und Säurehaushalts. Außerdem produzieren die Nieren Hormone, die unter anderem bei der Blutbildung helfen.

Die Funktionsreserven der Nieren sind sehr groß. Den Ausfall einer Niere verkraftet ein Mensch problemlos. Erst wenn zwei Drittel des gesamten Nierengewebes nicht mehr funktionieren, besteht Lebensgefahr. Wenn dann nicht sofort die Transplantation einer neuen Spenderniere möglich ist, muss das Blut des Patienten regelmäßig künstlich gereinigt werden.



Die künstliche Niere

Nahaufnahme eines Unterarms

Das Blut wird ausserhalb des Körpers gereinigt

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war es nicht möglich, die Leistung der Nieren künstlich zu ersetzen. Erst 1960 startete die erste erfolgreiche Behandlung eines Nierenpatienten: Der US-Amerikaner Clyde Shields überlebte elf Jahre mithilfe einer künstlichen Niere.

Die künstliche Niere ist ein Blutkreislauf außerhalb des Körpers, der durch einen Filter führt. Eine solche künstlich durchgeführte Blutwäsche heißt Dialyse. In dem Filter trifft das Blut des Nierenpatienten auf die sogenannte Dialyse-Flüssigkeit. Der Trick dabei: Die Giftstoffe aus dem Blut werden über eine halbdurchlässige Membran in die Dialyse-Flüssigkeit transportiert. Kleine Moleküle wie Wasser oder Harnstoff können die Grenzschicht durchdringen, große Moleküle wie Eiweiße und Blutzellen werden im Blut gehalten. Zugrunde liegt hier das Prinzip der Diffusion. Die kleinmolekularen Schadstoffe gehen durch die feinen Poren der Membran über in die Flüssigkeit, in der die Konzentration der gleichen Stoffe geringer ist. Anders herum werden dem Patienten so Medikamente und Elektrolyte aus der Dialyse-Flüssigkeit zugeführt.

In einer Woche muss das Blut eines Nierenpatienten auf diese Weise mindestens dreimal gewaschen werden.



Die Alternative: Bauchfelldialyse

Grafik: schematischer Korpus, darin das Bauchfell und die darin liegenden Bauchorgane

Mehrmals am Tag muss die Flüssigkeit bei der Bauchfelldialyse abgelassen und ersetzt werden

Eine alternative Methode ist die Bauchfelldialyse. Das Bauchfell ist besonders gut durchblutet und hat kleinste Poren. Mediziner haben herausgefunden, dass es dadurch wie eine Membran wirken kann. Das Bauchfell umgibt die inneren Bauchorgane wie Magen und Leber und bildet die Bauchhöhle. In diese kann der Patient die Dialyseflüssigkeit selber einleiten. Dazu ist ein operativ eingesetzter Katheter nötig, also ein Schlauch, der in die Bauchhöhle reicht. Auch hier greift das Prinzip der Diffusion. Schadstoffe treten durch das Bauchfell in die Dialyseflüssigkeit über und umgekehrt Medikamente und Elektrolyte in die Blutbahn. Nach vier bis fünf Stunden muss die gesättigte Dialyseflüssigkeit ersetzt werden. Dadurch, dass der Patient diese Art der Dialyse selbst durchführen kann, ist er flexibler und muss nur alle vier bis sechs Wochen zu Routineuntersuchungen ins Krankenhaus. Allerdings muss die Bauchfelldialyse mehrmals am Tag durchgeführt werden.

Autor: Ulf Kneiding


Stand: 18.01.2011


Stichwörter

Diffusion

Die Diffusion (lat. „Das Auseinanderfließen“) ist ein physikalischer Ausgleichsprozess, in dessen Verlauf Teilchen von Orten mit einer höheren Konzentration zu Orten mit einer niedriegeren Konzentration übergehen. Die Diffusion führt so zur vollständigen Durchmischung zweier oder mehrerer Stoffe. Die Diffusion beruht auf der thermischen Eigenbewegung von Teilchen. Bei den Teilchen kann es sich um Atome, Moleküle oder Ladungsträger handeln. In einem abgeschlossenen System bewirkt Diffusion den Abbau von Konzentrationsunterschieden bis hin zur vollständigen Durchmischung. Dabei kann Diffusion auch durch poröse Wände oder Membranen hindurch stattfinden.


Grafik: Niere

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