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Aus dem Plastik in den Körper

Sind Verpackungen gefährlich?

  • SendeterminDienstag, 02. August 2011, 21.00 - 21.45 Uhr.
  • WiederholungsterminSamstag, 06. August 2011, 12.05 - 12.50 Uhr (Wdh.).

Viel Plastik – viele offene Fragen

Familie am Esstisch
Wo stecken Schadstoffe drin? Für den Verbraucher kaum zu erkennen

Kartoffeln: vom Feld in die Kartoffelkiste und dann direkt in den Topf. Das ist lange her. Heute wird Essen in Fabriken durch Kunststoffschläuche gepresst, in Plastik gelagert und hatte Folien und Verpackungen um sich herum, bis es auf dem Teller landet. Die industriell verarbeiteten Lebensmittel sind praktisch. Die Verpackungen halten das Essen hygienisch und sauber. Aber Plastik hat auch Nachteile: Stoffe aus den Kunststoffen können in das Essen und dann in den Körper der Menschen übergehen. Tierversuche zeigen, dass solche Stoffe gefährliche Wirkungen haben – besonders auf den Hormonhaushalt und es gibt es Hinweise, dass die Stoffe auch dem Menschen schaden. Deshalb wurde schon der StichwortWeichmacher DEHP für Lebensmittelverpackungen verboten. Doch Wissenschaftler entdeckten bei Stichproben weiter bedenkliche Stoffe im Essen. Auch bei einigen bisher erlaubten Stoffen ist umstritten, ob sie wirklich für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sind.

Können PET-Flaschen schaden?

PET-Flaschen im Supermarkt-Regal
PET-Flaschen sind umstritten

2009 sorgte eine Untersuchung der Universität Frankfurt für Aufsehen. Forscher hatten untersucht, ob aus PET-Flaschen hormonartige Substanzen ins Wasser gelangen. Sie verglichen die Fortpflanzung von Schnecken, die sie in Mineralwasserflaschen aus Glas leben ließen, mit der von Schnecken, die in PET-Flaschen lebten. Das Ergebnis: Schnecken in PET-Flaschen bildeten nach 8 Wochen deutlich mehr Eier. Für die Forscher ist das ein Hinweis, dass sich eine Substanz aus dem Kunststoff im Wasser gelöst hat, die wie das Hormon Östrogen wirkt. Die Wissenschaftler konnten aber nicht sagen, welcher Stoff das ist. Sie sind noch auf der Suche; bis zum Frühjahr 2010 ohne Erfolg. Andere Forscher und das Bundesinstitut für Risikobewertung sahen diese Untersuchung auch deshalb nicht als stichhaltigen Beweis, dass hormonartige Substanzen aus PET-Flaschen herausgelöst werden.

Weichmacher – neue Probleme durch Stoff-Mix

Deckel von Pestoglas bei Laboruntersuchung
Auch Deckel mit Kunststoffdichtungen können Weichmacher enthalten

Vielen Kunststoffen werden in großen Mengen Weichmacher zugesetzt. Das Problem: Sie können aus dem Plastik herauswandern und zum Beispiel in Lebensmittel übergehen. Besonders fetthaltige Lebensmittel nehmen sie auf, in fettigen Soßen wurden sie mehrfach nachgewiesen. Ihnen zu entgehen ist kaum möglich. Sie sind versteckt, wo man sie nicht vermutet: selbst in Deckeldichtungen von Gläsern. Auch Lebensmittelverpackungen aus Papier oder Pappe können sie enthalten. Sie gelangen zum Beispiel beim Recyclingprozess aus Klebstoffen in das Papier und dann in das Lebensmittel. Weichmacher stecken in vielen Produkten – vom Fußbodenbelag bis zum Lack. Menschen nehmen sie dann über die Nahrung, die Atemluft oder die Haut auf. Heute ist vor allem die große Zahl von verschiedenen Weichmachern ein Problem, weil sie sich in unserem Körper ansammeln.

Die Wirkung im Körper

Probengefäße mit Blutproben im Labor
Forscher finden Spuren von Weichmachern in Blut und Urin

Unfruchtbarkeit, Leberschäden, Krebs: Weichmacher und andere Substanzen aus Kunststoffen werden mit vielen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Tierstudien weisen vor allem auf eine Wirkung auf den Hormonhaushalt hin. Doktor Holger Koch von der Universität Bochum beschäftigt sich mit den sogenannten Phthalaten – einer wichtigen Gruppe von Weichmachern, die in vielen Kunststoff-Produkten steckt. Tests mit trächtigen Ratten zeigen: Kleinste Mengen schaden dem Embryo. Holger Koch misst anhand von Abbauprodukten in Urin und Blut auch Phthalate im Menschen. 2009 waren über zehn Prozent seiner Proben stärker belastet, als es empfehlenswert wäre. Das Umweltbundesamt fand 2006 in einer repräsentativen Studie an Kindern in allen Proben Spuren von mehreren Phthalaten und fordert deshalb, besonders die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Stoffen genau zu untersuchen und diese auch bei den Grenzwerten zu berücksichtigen.

Der große Streit um Bisphenol A

Kind trinkt aus Plastik-Babyflasche
Bisphenol A steckt auch in Babyflaschen

Auch StichwortBisphenol A findet man in unserem Körper. Diesen Stoff nehmen wir zum Beispiel über die Beschichtung von Dosen auf, er steckt auch in Babyflaschen, denn der Kunststoff Polycarbonat enthält ihn. Wie gesundheitsschädlich Bisphenol A ist, darüber streiten die Experten seit langem. Der Stoff kann im Tierversuch die Entwicklung von Geschlechtsorganen und Gehirn beeinflussen. Er könnte in Konzentrationen, die man heute im Menschen findet, schädlich sein. Deshalb ist das Umweltbundesamt dafür, die Verwendung einzuschränken. Einige Länder wie Dänemark haben Bisphenol A für Babyflaschen schon verboten. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat den Stoff dagegen bisher als wenig bedenklich eingestuft. Im Frühjahr 2010 berät die EFSA aber erneut über die Gefährlichkeit von Bisphenol A. Bei Babyflaschen werden aber schon jetzt auch in Deutschland Produkte ohne Bisphenol A angeboten. Sie sind zum Beispiel durch die Bezeichnung "BPA free" zu erkennen.

Stichwörter

1 Weichmacher DEHP (Diethylhexylphthalat)
DEHP steht für Diethylhexylphthalat und ist ein wichtiger Weichmacher. Zahlreiche Kunststoffe wären ohne Weichmacher für viele Anwendungen unbrauchbar, da sie ohne die Zusätze zu spröde wären und leicht brechen könnten oder nicht weich genug oder nicht gut verformbar wären. Zurück zum Absatz
2 Bisphenol A
Bisphenol A ist ein Ausgangsstoff für die Herstellung verschiedener Kunststoffe – zum Beispiel Polykarbonat, aus dem sowohl CDs und DVDs als auch Babyflaschen hergestellt werden. Besonders beim Erhitzen können einzelne Bisphenol A-Moleküle freigesetzt werden. Das Problem: Bisphenol A wirkt hormonähnlich. Welche Folgen das für den Menschen hat, ist noch nicht klar (vgl. zur kontroversen Diskussion den Link zu Bisphenol A in der Linkliste). Zurück zum Absatz
Autorin:

Alexandra Hostert

Stand: 04.05.2010


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