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Sendung vom 02. August 2011
Aus dem Plastik in den Körper
Kartoffeln: vom Feld in die Kartoffelkiste und dann direkt in
den Topf. Das ist lange her. Heute wird Essen in Fabriken durch
Kunststoffschläuche gepresst, in Plastik gelagert und hatte
Folien und Verpackungen um sich herum, bis es auf dem Teller
landet. Die industriell verarbeiteten Lebensmittel sind praktisch.
Die Verpackungen halten das Essen hygienisch und sauber. Aber
Plastik hat auch Nachteile: Stoffe aus den Kunststoffen können
in das Essen und dann in den Körper der Menschen
übergehen. Tierversuche zeigen, dass solche Stoffe
gefährliche Wirkungen haben – besonders auf den
Hormonhaushalt und es gibt es Hinweise, dass die Stoffe auch dem
Menschen schaden. Deshalb wurde schon der
Weichmacher DEHP für
Lebensmittelverpackungen verboten. Doch Wissenschaftler entdeckten
bei Stichproben weiter bedenkliche Stoffe im Essen. Auch bei
einigen bisher erlaubten Stoffen ist umstritten, ob sie wirklich
für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sind.
2009 sorgte eine Untersuchung der Universität Frankfurt für Aufsehen. Forscher hatten untersucht, ob aus PET-Flaschen hormonartige Substanzen ins Wasser gelangen. Sie verglichen die Fortpflanzung von Schnecken, die sie in Mineralwasserflaschen aus Glas leben ließen, mit der von Schnecken, die in PET-Flaschen lebten. Das Ergebnis: Schnecken in PET-Flaschen bildeten nach 8 Wochen deutlich mehr Eier. Für die Forscher ist das ein Hinweis, dass sich eine Substanz aus dem Kunststoff im Wasser gelöst hat, die wie das Hormon Östrogen wirkt. Die Wissenschaftler konnten aber nicht sagen, welcher Stoff das ist. Sie sind noch auf der Suche; bis zum Frühjahr 2010 ohne Erfolg. Andere Forscher und das Bundesinstitut für Risikobewertung sahen diese Untersuchung auch deshalb nicht als stichhaltigen Beweis, dass hormonartige Substanzen aus PET-Flaschen herausgelöst werden.
Vielen Kunststoffen werden in großen Mengen Weichmacher zugesetzt. Das Problem: Sie können aus dem Plastik herauswandern und zum Beispiel in Lebensmittel übergehen. Besonders fetthaltige Lebensmittel nehmen sie auf, in fettigen Soßen wurden sie mehrfach nachgewiesen. Ihnen zu entgehen ist kaum möglich. Sie sind versteckt, wo man sie nicht vermutet: selbst in Deckeldichtungen von Gläsern. Auch Lebensmittelverpackungen aus Papier oder Pappe können sie enthalten. Sie gelangen zum Beispiel beim Recyclingprozess aus Klebstoffen in das Papier und dann in das Lebensmittel. Weichmacher stecken in vielen Produkten – vom Fußbodenbelag bis zum Lack. Menschen nehmen sie dann über die Nahrung, die Atemluft oder die Haut auf. Heute ist vor allem die große Zahl von verschiedenen Weichmachern ein Problem, weil sie sich in unserem Körper ansammeln.
Unfruchtbarkeit, Leberschäden, Krebs: Weichmacher und andere Substanzen aus Kunststoffen werden mit vielen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Tierstudien weisen vor allem auf eine Wirkung auf den Hormonhaushalt hin. Doktor Holger Koch von der Universität Bochum beschäftigt sich mit den sogenannten Phthalaten – einer wichtigen Gruppe von Weichmachern, die in vielen Kunststoff-Produkten steckt. Tests mit trächtigen Ratten zeigen: Kleinste Mengen schaden dem Embryo. Holger Koch misst anhand von Abbauprodukten in Urin und Blut auch Phthalate im Menschen. 2009 waren über zehn Prozent seiner Proben stärker belastet, als es empfehlenswert wäre. Das Umweltbundesamt fand 2006 in einer repräsentativen Studie an Kindern in allen Proben Spuren von mehreren Phthalaten und fordert deshalb, besonders die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Stoffen genau zu untersuchen und diese auch bei den Grenzwerten zu berücksichtigen.
Auch
Bisphenol A findet man in unserem
Körper. Diesen Stoff nehmen wir zum Beispiel über die
Beschichtung von Dosen auf, er steckt auch in Babyflaschen, denn
der Kunststoff Polycarbonat enthält ihn. Wie
gesundheitsschädlich Bisphenol A ist, darüber streiten
die Experten seit langem. Der Stoff kann im Tierversuch die
Entwicklung von Geschlechtsorganen und Gehirn beeinflussen. Er
könnte in Konzentrationen, die man heute im Menschen findet,
schädlich sein. Deshalb ist das Umweltbundesamt dafür,
die Verwendung einzuschränken. Einige Länder wie
Dänemark haben Bisphenol A für Babyflaschen schon
verboten. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat
den Stoff dagegen bisher als wenig bedenklich eingestuft. Im
Frühjahr 2010 berät die EFSA aber erneut über die
Gefährlichkeit von Bisphenol A. Bei Babyflaschen werden aber
schon jetzt auch in Deutschland Produkte ohne Bisphenol A
angeboten. Sie sind zum Beispiel durch die Bezeichnung "BPA
free" zu erkennen.
Alexandra Hostert
Stand: 04.05.2010
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